Busta Rhymes - Everything Remains Raw - Cover
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Busta Rhymes Everything Remains Raw


  • Label: Eagle Vision/EDEL
  • Laufzeit: 100 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Es gibt wohl keinen Rapper, der sich nicht für den Allergrößten seines Genres und die coolste Sau auf Erden hält. Diese Haltung wird bis zum Exzess gehegt und bis zur Peinlichkeitsgrenze ausgelebt. Sei es optisch (Baggy Pants, Base Cap, XXL T-Shirt, reichlich Klunker, debile „Doppel D“-Hasen im Arm und 75.000 Dollar Autos am Start), musikalisch (Diss-Orgien zwischen Ost- und Westküste) oder einfach nur kriminell (regelrechte Erschießungskommandos lichteten die Reihen der Rapstars in den letzten Jahren beträchtlich). Kein Wunder, dass nur wenige Nicht-Hardcore-Fans Verständnis für Rapmusik mit all ihren „Nebengeräuschen“ haben. Nun ja, sei’s drum. Die Rock ’n Roller schauen jetzt einfach mal weg und die Homies dürfen ein Review der aller ersten Live-DVD von Ghetto-Star Busta Rhymes lesen.

Busta Rhymes wuchs standesgemäß im New Yorker Ghetto auf. Geboren als Trevor Smith, wurde er von Rap-Legende Chuck D entdeckt, der ihm seinen Künstlernamen Busta Rhymes gab. Bereits mit 17 Jahren unterzeichnete der für seinen hektisch überdrehten Rap-Stil bekannte Busta als Mitglied der „Leader Of The New School“-Posse seinen ersten Plattenvertrag. Doch bereits nach zwei Alben löste sich die Rap-Gang auf und Busta machte solo weiter. 1995 erschien sein Debüt „The Coming“, mit dem er einigen Staub in der Szene aufwirbelte. Seitdem gehört der MC mit den Turbo-Raps zu den ganz großen Unikaten des HipHop/Rap-Sektors. Sein fünftes Album „Genesis“ (2002) verkaufte sich weit über 1,3 Millionen Mal – ausgerechnet nachdem er von seinem Stammlabel Elektra Records zu Clive Davis neuem Label J Records wechselte. Mit dem zweiten Album auf J Records („Ain’t Safe No More“, 2003) baute Busta Rhymes seinen Erfolg aus und präsentierte ganz nebenbei eine Gästeliste, die sich gewaschen hatte. Wer es bis jetzt noch nicht gemerkt haben sollte: Busta Rhymes ist längst einer der Superstars des Musikbusiness und ein gefragter Live-Act.

Mit der Live-DVD „Everything Remains Raw“ wurde nun erstmals ein Konzert von Meister Rhymes für die Nachwelt festgehalten. Aufgezeichnet im Herbst 2003 im Celebrity Theatre in Phoenix, Arizona, geht der MC zurück zu den Wurzeln seiner Straßen-Rapper-Vergangenheit und präsentiert eine aufschlussreiche Live-Show, die Busta Rhymes im Abspann als „nicht besonders gut“ bezeichnet, da er und seine Gang an besagtem Abend etwas zu sehr dem Alkohol und Haschtüten gefrönt hätten. Aber veröffentlichen kann man den Gig trotzdem. Schließlich kaufen Fans ausnahmslos alles von ihren Helden – und an niemand anderen, als die Hardcore-Fans von Busta Rhymes und seiner Flipmode Squad, richtet sich die ca. 100-minütige DVD. Diese ist vollgepackt mit allen großen Hits und Klassikern wie „Whoo ha!! Got you all in check“, „Pass the courvoisier“, „Put your hands where my eyes can see“, „Ante up” und „I know what you want” sowie ziemlich wertlosem Bonusmaterial, wie einer Fotogalerie, einem Gang durch Bustas Nobel-Garage („Flipmode garage“) und einem Blick hinter die Kulissen des Konzerts („The Flipmode fortress“).

Durchkreuzt von wahren Schimpfwortkanonaden, bei dem das Publikum günstigstenfalls als „Motherfuckers“ abgestempelt wird, rumpelt sich eine tatsächlich bis zum Anschlag bekiffte Flipmode Squad durch ein 19 Tracks umfassendes „Konzert“ (die Anführungszeichen sind Absicht!), das wirklich nicht zu den spannendsten Ereignissen der Rap-Geschichte zählt. Für das Publikum mag es zwar ganz witzig gewesen sein, wie Busta es immer wieder in die Show mit einbezieht. Für den Außenstehenden macht das Ganze dagegen nur wenig Sinn. Hirnloses Hüpfen, sinnfreies Gelaber und Posen bis der Arzt kommt – auch ein Busta Rhymes kommt um die gängigen Klischees des Genres eben nicht herum.

Nur selten steht die Musik uneingeschränkt im Vordergrund, etwa bei dem als Duett mit Mariah Carey bekannten „I know what you want“ oder dem Old-School-Kult-Hit „Woo ha!! Got you all in check“. Ansonsten wirkt „Everything Remains Raw“ wie ein großer Kindergeburtstag, bei dem alles egal ist. Hauptsache die Bässe pumpen, der MC darf sich einen Wolf grölen und der Nobel-Cognac von „Hennessy” fließt in Strömen. „Here we go, yo! Everybody bounce! That’s what the fuck I’m talkin’ about“. Na klar, keine Haare am Sack, aber im Puff drängeln. Liebe Leute, wenn das ausreichen soll, um eine nicht gerade günstige DVD an den Mann/die Frau zu bringen, dann sollte dringend eine Qualitätspolizei eingeführt werden, die so einen Müll aus dem Verkehr zieht! Ya know what I’m saying?!

Anspieltipps:

  • Uh oh
  • Ass on fire
  • Break ya neck
  • I know what you want
  • Put your hands where my eyes can see
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