Procol Harum - Live At The Union Chapel - Cover
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Procol Harum Live At The Union Chapel


  • Label: Eagle Rock/EDEL
  • Laufzeit: 139 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Obwohl Procol Harum eine durchaus interessante Mischung aus Blues, Pop, Rock und Klassik boten, erlahmte das Interesse der breiten Öffentlichkeit recht schnell.

Für einen Künstler gibt es wohl kaum etwas schöneres, als gleich mit der ersten Single auf Platz 1 der Hitparaden zu schnellen. Nicht wirklich schön ist es dagegen, wenn man 35 Jahre später lediglich auf diesen einen Hit beschränkt wird. So geschehen bei Procol Harum, einem der vielen One Hit Wonder in der Geschichte der Popmusik. Die britische Band mit dem merkwürdigen Namen (einer offensichtlich verunglückten Abwandlung des lateinischen Procul Harun, was soviel wie „Jenseits dieser Dinge“ bedeutet) schrieb bereits mit ihrem ersten Song „A whiter shade of pale“ (1968) Rockgeschichte. Das Stück mit dem berühmten Orgelintro verkaufte sich weltweit mehr als sechs Millionen Mal und avancierte zu einem Evergreen, der auch heute noch in keiner Hitliste fehlen darf.

Obwohl Procol Harum eine durchaus interessante Mischung aus Blues, Pop, Rock und Klassik boten, erlahmte das Interesse der breiten Öffentlichkeit recht schnell. Die Gruppe um Mastermind Gary Brooker streift zwar hier und da noch die unteren Regionen der Charts, ist aber nur selten in der Lage, durchgängig starke Alben abzuliefern, die den Singles immer mehr den Rang ablaufen. Nach diversen Longplayern lösen sich Procol Harum in den späten Siebzigern mangels Erfolg auf. 15 Jahre später trommelt Brooker seine alte Mannschaft für ein neues Studioalbum plus Tournee („The Prodigal Stranger“, 1991) zusammen. 1999 spielt die Band ein paar Konzerte in Europa und bringt 2003 gar ein neues Studioalbum heraus („The Well’s On Fire“). Mit diesem Werk im Gepäck gehen Procol Harum in der Besetzung Gary Brooker (Piano, Vocals), Matthew Fisher (Orgel), Geoff Whitehorn (Gitarre), Mark Brzezicki (Drums) und Matt Pegg (Bass) auf Welttournee.

Von dieser Tour zeugt nun die vorliegende DVD „Live At The Union Chapel“, die das Abschlusskonzert vom 12. Dezember 2003 in der ehrwürdigen Londoner Union Chapel im satten DTS Digital Sound eingefangen hat. Neben einem interaktiven Interview mit Gary Brooker und alternativen Kameraeinstellungen bei ausgewählten Tracks, bietet der Silberling vor allem eine prallgefüllte Setlist, die in über zwei Stunden Spielzeit nicht nur als bräsige Best-Of-Jukebox daherkommt, sondern die Magie eines ganz speziellen Konzertabends einfängt. 21 Songs aus weit über 30 Jahren Karriere, die neues Material genauso berücksichtigen, wie Klassiker vom Schlage „Conquistador“, „A salty dog“, „Pandora’s box“ und natürlich „A whiter shade of pale“, das in der seltenen „Full Length Version“ dargeboten wird.

So arbeitet sich die Altherrenband würdevoll und reichlich unaufgeregt durch eine karriereumfassende Setlist, die für Fans gewiss den einen oder anderen Höhepunkt bietet. Dass die betagten Herren dabei gänzlich auf eine Bühnenshow verzichten, sei ihnen nicht vorgeworfen. Allerdings merkt man als unvoreingenommener Otto Normalverbraucher auch recht schnell, weshalb es für Procol Harum in all den Jahren nur zu einem echten Hit gelangt hat. Die progressiv angehauchten Songs klingen überwiegend altbacken und auf Dauer nicht besonders einfallsreich. Nur selten wird man aus der Lethargie herausgerissen, etwa wenn Geoff Whitehorn in „Shadow boxed“ mit Schmackes in die Saiten greift.
„Live At The Union Chapel“ ist eine schön aufgemachte DVD mit sehr guter Bild- und Tonqualität, aber inhaltlich wohl nur für Fans geeignet. Jedenfalls entgeht einem auch zukünftig nichts, wenn man Procol Harum auch nur mit diesem einen Song in Verbindung bringt. Wie hieß er noch gleich...?

Anspieltipps:

  • Homburg
  • Pandora’s box
  • Wall street blues
  • A whiter shade of pale
  • Every dog will have his day
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