Van Halen - Live Without A Net - Cover
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Van Halen Live Without A Net


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 93 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Komische Klamotten, noch komischere Frisuren und peinliche Poser wohin man auch schaut.

Komische Klamotten, noch komischere Frisuren und peinliche Poser wohin man auch schaute: Die Rock- und Popmusik in den 80er Jahren war sicher nicht die, an die man sich mit uneingeschränkt guten Gefühlen erinnert. Im Vergleich zu den Siebzigern oder auch 90er Jahren steht diese Epoche für synthetische Sounds und Künstler aus der Retorte – heutzutage gerne als Casting-Acts bezeichnet. Doch schon damals suchten Producer wie Stock, Aitken, Waterman oder Trevor Horn ganz gezielt nach gut aussehenden Kleiderständern, die ihre Songs „verkaufen“ sollten, womit sie die ganz klaren Vorläufer von „Deutschland Sucht Den Superstar“ oder „Popstars“ darstellten.

Auch im Hardrock-Sektor bereitete diese Entwicklung Kopfschmerzen. Bands wie Europe, Mötley Crüe, Bon Jovi und Poison waren Vorreiter des sogenannten Haarspray-Rock, bei denen mehr die gutsitzenden Frisuren der Protagonisten im Vordergrund standen, als vernünftig abgehende Rocksongs. Viele großartige Künstler der 70er Jahre ließen sich von diesen neuen Trends anstecken und versanken mit nichtssagenden Produktionen im blanken Mittelmaß. Nur wenige bekamen die Kurve oder hielten das Niveau des vorhergehenden Jahrzehnts. Wie etwa die kalifornische Band Van Halen, die Ende der 70er Jahre auf der Bildfläche auftauchte und mit Eddie Van Halen ein echtes Gitarren-Wunderkind in ihren Reihen hatte.

Die Brüder Edward (Gitarre) und Alex Van Halen (Schlagzeug) wanderten 1968 als Söhne eines niederländischen Jazzmusikers nach Kalifornien aus. Sie gründen die Band Mammoth, nennen sich aber in Rat Salad um, als Mike Anthony (Bass) und David Lee Roth (Gesang) als Verstärkung aufgenommen werden. Wenig später tauft sich der Vierer in Van Halen um und gibt 1977 sein Plattendebüt. In dieser Formation spielt die Band sechs Alben ein, die heute ohne Zweifel zu Klassikern im Hardrock zählen. So entwickelte sich der Song „Jump“ vom Megaseller „1984“ zu einem der am meisten gespielten Rocksongs aller Zeiten. Doch als Sänger David Lee Roth vom unglaublichen Erfolg geblendet seinen Hut nahm, sahen viele jetzt schwere Zeiten auf Van Halen zukommen. Lee Roth wird durch Sammy Hagar (Ex-Montrose) ersetzt und macht seine Sache hervorragend. Mit drei exzellenten Alben am Stück („5150“, „OU 812“ und „For Unlawful Carnal Knowledge“) sind Van Halen erfolgreich wie nie.

1995 beginnt der Stern der Band zu sinken. „Balance“ ist eines der schwächsten Alben in der Geschichte der Kalifornier, das nur noch vom Nachfolger „III“ (1998) unterboten wird, für den der Ex-Extreme-Sänger Gary Cherone ans Mikrofon geholt wurde, nachdem man Sammy Hagar wegen Streitereien über die Aufnahmen zu neuen Tracks für den „Twister“-Soundtrack vor die Tür gesetzt hatte. Van Halen sind an ihrem künstlerischen Tiefpunkt angelangt, der auch acht Jahre nach dem letzten Studioalbum anhält. Zwar gab es in diesem Jahr eine neues Lebenszeichen der Gruppe, als mit dem Doppelalbum „The Best Of Both Worlds“ eine weitere „Best Of“-CD präsentiert wurde, für die man mit Sammy Hagar drei neue Songs einspielte, doch ob es jemals ein neues Studioalbum geben wird, steht in den Sternen. Deshalb kommt diese DVD gerade recht: „Live Without A Net“, der aller erste Konzertmitschnitt von Van Halen aus dem Jahr 1986, aufgezeichnet im New Haven Coliseum, der bisher nur als VHS-Video erhältlich war.

Man mag es kaum glauben, dass dieser Gig bereits 18 Jahre auf dem Buckel hat, so frisch klingt das dargebotene Material aus elf Songs und je einem Bass-, Schlagzeug- und Gitarrensolo. Auch wenn das Bild leicht verwaschen und der Sound mitunter etwas dumpf ist, beweisen die Vier, dass sie als Live-Band eine absolute Macht sind und zu Recht zu den Kultbands der 80er Jahre gezählt werden. In der klassischen Besetzung aus Eddie Van Halen, Alex Van Halen, Michael Anthony und Sammy Hagar zelebrieren Van Halen mit „Panama“, „Love walks in“, „Best of both worlds“, „Why can’t this be love“, „Ain’t talking ’bout love“, „There’s only one way to rock“ und dem Montrose-Klassiker „I can’t drive 55“ eine Auswahl ihrer stärksten Songs, die von der vollbesetzten Halle amtlich abgefeiert werden. Da darf dann zur Belohnung auch mal die Literflasche Jack Daniels auf der Bühne herumgereicht werden.

„Live Without A Net“ ist 80er Jahre Hardrock at it’s best. Die Bühne ist riesengroß, das Drum Set reicht locker für drei Schlagzeuger und die Lightshow inklusive Pyrotechnik ist auf absolutem Top-Niveau. Die Band ist in toller Spiellaune und unterstreicht eindrucksvoll ihren Status als Top-Hardrock-Act. So macht ein Ausflug in eine eher schwierige Epoche der Musikgeschichte richtig Spaß.

Anspieltipps:

  • Panama
  • Rock and roll
  • Love walks in
  • Best of both worlds
  • Why can’t this be love
  • Ain’t talking ’bout love
  • There’s only one way to rock
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