The Who - Live In Boston - Cover
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The Who Live In Boston


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 141 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

In knapp 100 Minuten präsentieren The Who ein ausgewähltes „Greatest Hits“-Programm, das mit sattem Dolby Digital 5.1 Surround Sound und gestochen scharfen Bildern aufwarten kann.

40 Jahre The Who – 40 Jahre Skandale, Drogen, Streit und Platten zwischen Genialität („Tommy“) und kreativer Bankrotterklärung („Had Enough“). Echter Rock ’n Roll eben und kein Lenor-gespülter Kinderkram. The Who – das waren vier Musiker, die in den wilden 60er Jahren dasselbe Konfliktpotenzial in die Wagschale warfen, wie die berühmten „Glimmer Twins“ Mick Jagger und Keith Richards von den Rolling Stones. Komplett zerstörte Konzertbühnen zählten da noch zu den harmlosen Dingen und waren mehr Programm, als Ausdruck für echte Zerstörungswut. Bands wie Led Zeppelin, The Rolling Stones oder The Who wussten eben, wie man richtig auf die Kacke haut. Zwar hatten alle genannten Bands früher oder später ihre Krisen. Bei The Who fiel diese aber dermaßen übel aus, dass die Band daran zugrunde ging. Der Grund dafür war mehr als tragisch.

Mit The Who ging es abwärts, als Schlagzeuger Keith Moon 1978 starb, der ein echtes Tier hinter seiner Schiessbude war, aber genauso tierisch mit Drogen und Alkohol umging. Der Ersatzmann Kenny Jones (Small Faces) konnte den charismatischen Berserker nie ersetzen, sodass fünf Jahre später, nach einigen extrem schwachen Alben, das Ende der Band verkündet wurde. Zwar gaben The Who in der Folgezeit hier und da noch einige Konzerte, die neben diversen „Best Of“-Alben als CDs veröffentlicht wurden, aber dies diente lediglich zur Aufbesserung der Kasse. Im Sommer 2002 wurde nach langer Zeit eine große Tour durch die USA angekündigt, die einen Tag vor dem Start eine schwere Tragödie erlebte. Bassist John Entwistle starb am 27. Juni in seinem Hotelzimmer in Las Vegas aufgrund einer Überdosis Kokain an Herzversagen. Doch bei aller Trauer blieben Pete Townshend (Gitarre) und Roger Daltrey (Vocals) cool und präsentieren nur wenige Tage später Pino Palladino (Elton John, Eric Clapton) als neuen Tour-Bassisten. Verstärkt wurde die Band durch Ringo Starrs Sohn Zak Starkey an den Drums, John Bundrick war als Keyboarder dabei und Pete Townshends Bruder Simon als zweiter Gitarrist. In dieser Besetzung wurde ein Konzert der 2002er Tour in Boston aufgezeichnet und nun als DVD „The Who – Live in Boston“ veröffentlicht.

In knapp 100 Minuten präsentieren The Who auf der vorliegenden DVD ein ausgewähltes „Greatest Hits“-Programm, das mit sattem Dolby Digital 5.1 Surround Sound und gestochen scharfen Bildern aufwarten kann. Dass Pete Townshend nach all den Jahren nicht mehr die alte zügellose Energie der Sechziger an den Tag legt und Sänger Roger Daltrey nicht mehr jeden Ton trifft – geschenkt! Lieber die Originalversion von „Behind blue eyes“ genießen, als Fred Durst bei seinem Gejammer zuhören zu müssen. Insgesamt 21 Songs gab die britische Rock-Legende an diesem 24. September zum Besten, darunter Klassiker wie „I can’t explain“, „The kids are alright“, „My generation“, Pinball wizard“, „Love reign o’er me“,„You better you bet” „Who are you” und „See me feel me”. Townshend lässt in alter Tradition die Windmühle kreisen und Roger Daltrey schwingt das Mikrophon wie ein Hubschrauber. Das ist echter Kult, auch wenn sich Pete Townshends Wunsch „Hope I die before I get old“ nicht bewahrheitet hat. Und das ist auch gut so. Schlimm genug, dass die Urbesetzung bereits um zwei Personen dezimiert ist.

Das Bonusmaterial fällt – wie bei den meisten Musik-DVDs– relativ dünn aus. Es gibt lediglich drei Interviews mit Pete Townshend und Roger Daltrey (ca. 40 Minuten) und eine Bildergalerie mit 23 Zeichnungen von John Entwistle. Aber ist das nicht eigentlich total egal? Das einzige, was wirklich zählt, sind Bild, Ton und die Musik. Und daran gibt es absolut nichts auszusetzen. Deshalb ist „Live In Boston“ ein tolles Produkt für den Who-Fan, der zwar schon alles von seinen Lieblingen im Regal stehen hat, aber auf diese DVD wirklich nicht verzichten sollte. Für den The-Who-Neueinsteiger sei allerdings ein anderes Live-Werk der Band empfohlen. „Live At Leeds“ (1970) ist eines der herausragendsten Live-Alben aller Zeiten, das nur noch von „Live Killers“ (Queen, 1979) übertroffen wird. Nie war Rock ’n Roll wüster und kraftvoller!

Anspieltipps:

  • Relay
  • Substitute
  • Baba O’Riley
  • Pinball wizard
  • My generation
  • The kids are alright
  • Won’t get fooled again
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