David Byrne - Live At Union Chapel - Cover
Große Ansicht

David Byrne Live At Union Chapel


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 87 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer kennt nicht den Song „Like humans do“? Wohl die meisten Computerbesitzer sind ihm schon beim Stöbern auf der Festplatte begegnet. Genauer gesagt, nutzt Microsoft das Stück als Musikbeispiel für den „Windows Media Player“. Dadurch ist „Like humans do“ wohl einer der meistverkauften Song aller Zeiten. Doch wer verbirgt sich hinter diesem Kunstprodukt? Kein Geringerer als David Byrne.

1952 wird David Byrne in Dumbarton, Schottland geboren. 1975 zählt er zu den Gründern der New Wave Band Talking Heads und geht als ihr Frontmann und Gitarrist in die Musikgeschichte ein. Man erinnere sich nur an solch glanzvolle Songs wie „Road to nowhere“, „Burning down the house“, „Once in a lifetime“ oder „And she was“. Ab 1981 beginnt David Byrne mit ersten Soloaktionen. Der für großartige Kompositionen und wundervolle Texte bekannte Musiker veröffentlicht mit „My Life In The Bush Of Ghosts“ sein Debütwerk, produziert u.a. von Brian Eno, der bereits diverse Talking Heads Alben modulierte. Dieses Album gilt heute als ein wegweisendes Werk. Es trifft perfekt die Verbindung zwischen traditioneller Musik und der neuzeitlichen Musikentwicklung, die sich zu dieser Zeit mehr und mehr an Computern orientierte, bzw. diese zu Hilfe nahm.

Im Laufe der Zeit spielte David Byrne immer mehr mit unterschiedlichen Genres. So komponierte er Orchestermusik und kreierte Werke fürs Theater und Kino. Für den Soundtrack zu „The Last Emperor – Der letzte Kaiser“ erhielt er 1988 den Academy Award. Neben seinen Solo-Aktivitäten produzierte David Byrne als Chef seines eigenen Labels Luaka Bop, experimentierte im Studio und arbeitete ständig an der Entwicklung progressiver musikalischer Konzepte. Ab und an geistert er durch die verrücktesten Traumwelten, arbeitet mit ausgefallenen Künstlern und bastelt an spleenigen Projekten. Und wenn es die Zeit erlaubt, stellt er seine eigenen Bilder aus. So. z.B. während der Biennale in Valencia. Die letzten musikalischen Arbeiten des Exzentrikers waren der Soundtrack zum Film „Young Adam“ (2003) und das Album „Grown Backwards“ (2004).

Mit „Live At Union Chapel“ stellt sich David Byrne 2005 nun via Konzertfilm vor. Ein Mitschnitt aus dem Jahre 2002, aufgezeichnet im Dezember in der Union Chapel Hall in Islington/London. Der erste Eindruck vermittelt genau die Progressivität, die in Byrne steckt. Immer ein wenig auf der Überholspur, egal ob Gesang, Mimik, Spielweise oder Ort des Geschehens – es hat alles ein Hauch von Avantgarde und einen Luftzug aus alten New Wave Tagen. „Hate can not drive out hate“ – Martin Luther King´s Spruch grüßt vom Hemd David Byrnes. Er betritt das Auditorium verlegen, verschmitzt und dennoch aalglatt und nimmt, nach kleinen Anlaufschwierigkeiten, seinen Platz vorm Altar ein. Die ausgefallene Location passt hervorragend zum experimentierfreudigen David. Mit akustischen Instrumenten bewaffnet, eröffnet die Band die Show mit „Nothing but flowers“. Die kalte Atmosphäre der Kirche überträgt sich dabei fast uneingeschränkt auf das Publikum. An eine perfekte Konzertstimmung ist da leider nicht zu denken.

Dennoch hat das Konzert einige Highlights zu bieten. Obwohl sich David Byrne in den vergangenen Jahren nicht unbedingt euphorisch über seine Zeit bei den Talking Heads geäußert hat, gibt er dennoch eine Reihe an Klassikern aus diesen Tagen zum Besten. „And she was“, „Once in a lifetime“ und „Road to nowhere“ als großes Finale lassen den Stimmungspegel dann doch etwas ansteigen. Zwischendurch zelebrieren David und Band eher melodiöse Songs wie „Like humans do“. Ausgefallenes hat er ebenfalls im Gepäck: Ein Ausschnitt aus „La Traviata“ – „Un Di Felice“ und die Whitney Houston Coverversion (!) „I wanna dance with somebody“. Doch die taugt leider nicht viel. Dazu kommen die ins Konzert geschnittenen, sehr störenden Interviews.

Komplett betrachtet ist „Live At Union Chapel“ kein perfektes Konzerterlebnis. Die Atmosphäre ist äußerst kühl uns das Publikum lahm. Was die Musikauswahl betrifft, wird der Zuschauer durch 30 Jahre Schaffenszeit geschleppt. Das ist zum Teil sehr ansprechend, aber auch etwas verzerrt und seltsam. Fazit: Als Nicht-Fan muss man diese DVD wirklich nicht haben.

Anspieltipps:

  • And She Was
  • Like Humans Do
  • Road To Nowhere
  • This Must Be The Place (Naive Melody)
Neue Kritiken im Genre „Rock“
7/10

Lost On The Road To Eternity
  • 2018    
Diskutiere über „David Byrne“
comments powered by Disqus