T. Rex - Born To Boogie - Cover
Große Ansicht

T. Rex Born To Boogie


  • Label: Sanctuary Records
  • Laufzeit: 325 Minuten
Artikel teilen:
10/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Erfolgsstory begann irgendwann Anfang der 70er. Marc Bolan und Mickey Finn brachten die "Rextasy" in Gang und waren Synonym für Revolution, Abgötter und Musikgeschichte, schon damals. Damals, zu Beginn der 70er Jahre, befand sich ganz England im T. Rex-Rausch, die "T. Rex-Mania" begann sich zu formen, später ging sie in die "T. Rextasy" über. Bewegende Momente, Namen, Songs, Menschen, die prägten wie wohl wenig andere vor oder nach ihnen. Die "Rextasy" ist nicht nur eine Bezeichnung für eine Band und deren Nebenwirkungen, "Rextasy" war eine Zeit, eine bewegende Zeit, "Rextasy" war Kult. Initiert wurde dies alles an sich von Marc Feld, der sich später Marc Bolan nannte, der schon mit 15 (das war 1962) für das Town-Magazine als junger Narziss, als Paradebeispiel für Mods, das Cover zierte.

Mitte der wilden 60er nahm Bolan zwei Singles auf (u. a. "The Wizard"), die allerdings niemanden wirklich interessierten, geschweige denn: berührten. Kit Lambert, derzeit Produzent, wurde allerdings auf den jungen Bolan aufmerksam, die Combo John`s Children wird ins Leben gerufen, sie gehen sogar 1967 als Anheizer für The Who im Vorprogramm mit auf Tour. Was aber, wenn der Frontmann der Vorband so sehr viel mehr Ausstrahlung zeigt und durch exaltiertes Bühnengetue Effekte verursacht, die dem Hauptact so gar nicht gefallen, weil dieser seinen heiligen Thron plötzlich bedroht sieht? The Who schmissen nach vier Tagen Show John`s Children gnadenlos aus dem Programm.

Steve Peregrine Took schließt sich Bolan an, Tyrannosaurus Rex wird formiert, findet allerdings nur im musikalischen Untergrund "Abnehmer". Drei Alben werden auf den Markt gebracht, davon u. a. "A Beard Of Stars", welches sofort auf Platz 21 der Charts schoss. Da Bolan recht poetische Züge inne hatte, veröffentlichte er einen Band dadaesk-halluzinogener Märchen(Poesie) mit dem schönen Namen "The Warlock Of Love". Verkauft werden 30.000 Exemplare, das Buch schaffte es, ein britischer Bestseller zu werden. Took driftet im Laufe der Zeit für Bolan`s Begriffe zu sehr nach links ab, was seine politischen Ansichten betrifft. Er trennte sich von Took.

1970 könnte man als dás Jahr der großen Wende für Marc Bolan bezeichnen: Tyrannosaurus Rex besetzte sich quasi neu ... Mickey Finn übernahm an den Bongos, Bill Legend saß hinter den Drums, nachdem Bolan ihn abwarb und überall als seinen Drummer bezeichnete, dazu gesellte sich Steve Currie am Baß. Man kürzte den Bandnamen und nannte sich fortan nur noch T. Rex. Bolan merkte, dass er ein Faible für Gitarrenverzerrer besaß, man schrieb "Ride A White Swan", ließ diese Single mal eben auf PLatz 2 der Charts krachen und landete schlichtweg dén Hit.

T. Rex waren auch Synonym für Glam-Rock, den sie durch ihr extravagantes, androgyn-provokantes Bühnenoutfit unterstrichen. Ihr Musikstil ging jetzt mehr in Richtung einer guten Mischung aus psychedelischem Rock und surrealistisch angehauchten Texten. Marc Bolan und T. Rex stehen noch heute als bestes Beispiel für Lack und Leder, Alice Cooper-Schuhe und schön bunte Federboas. Die britische Musikpresse erhob Marc Bolan zum "Propheten einer neuen Generation" oder auch zur "Elfe Presley". Das erste Album, welches in der Formation der neuen T. Rex aufgenommen wurde, beherrschte sechs Wochen lang die britischen Charts: "Electric Warrior", heute hat dieses Werk Kultstatus erreicht. Diese Scheibe beinhaltete u. a. die Renner "Hot Love" und "Get it on". Binnen eineinhalb Jahren verkaufte diese Band locker 18 Millionen Schallplatten.

Dann geht`s langsam bergab: Die Printmedien berichten über wildeste Eskapaden des Musikgottes Marc Bolan. Das Publikum wird seiner langsam satt. Bolan sieht seinen großen Stern langsam erlischen und gibt zu: "Ich lebe in einer Schattenwelt von Drogen, Schnaps und schrägem Sex". Der Erfolg bleibt aus, die Band formierte sich wieder einmal um, wurde um drei Backgroundsängerinnen erweitert, u. a. durch die spätere Freundin Bolans, Gloria Jones. 1974 trennte Bolan sich von seiner Frau, danach von seinem ewigen Produzenten Tony Visconti, 1975 erklärte er T. Rex für aufgelöst und zerbrochen, nachdem er einen Herzanfall erlitten hatte. Er verschwand mit seiner Freundin Gloria in die USA ins Exil, wo er sich bis 1977 aufhielt.

Es folgte noch ein New Romantic-Album ("Dandy In The Underworld"), welches ein wenig Beachtung erntete, allerdings kommerziell nicht wirklich in Erscheinung trat. Bolan sucht Erfüllung im Schreiben und probierte, wöchentlich Artikel im Record Mirror zu veröffentlichen. Das Fernsehen gibt ihm die Gelegenheit, mit eigener Musikshow mit Namen "Marc" eine neue Chance zu nutzen. Bolan gewinnt namenhafte Kollegen für dieses Projekt (David Bowie, Generation X u. a.).

Und dann gab es diese Party in London, auf der Marc seine letzte Feier feierte, zusammen mit Gloria Jones. Sie fahren nach hause, sie verliert die Kontrolle über das Fahrzeug, fährt gegen einen Baum. Bolan ist sofort tot. Micky Finn starb Anfang 2003, Todesursache unbekannt.

Marc Bolan is death - long live Marc Bolan! Das ist eine merkwürdige Phrase, aber sie ist mehr als wahr, denn in vielen Herzen, Köpfen und Erinnerungen wird er immer existent bleiben, auch gibt es ihn nicht mehr in anfassbarer Form: erleben kann man ihn selbst heute noch, auf "Born To Boogie". Die Sanctuary Records Group hat dafür gesorgt, dass dieser Zustand auch für ewig anhalten wird. Mit "Born To Boogie" hat man die wohl interessanteste DVD bzw. CD geschaffen, die so gut wie alles, was uns bisher als Best Of o. ä. passiert ist, in den Schatten stellen wird. "Born To Boogie" ist ein klassisches Meisterwerk zusammengetragener, komprimierter Musikgeschichte, die sich wirklich nur als Very Special Edition bezeichnen lässt.

Enthalten sind auf dieser Doppel-DVD The Motion Picture "Born To Boogie", Ringo Starr`s legendärer 1972er Film, eigentlich alle Nummern, die im Leben des Marc Bolan und während der Existenz von T. Rex Aufsehen erregt haben, uns bis heute noch im Kopf fest sitzen, das Wembley-Abendkonzert vom 18.03.1972, das Wembley Matinee-Konzert vom 18.03.1972, ein 61minütiges Extra-Konzert, Cosmic Rock - When T. Rex Ruled The World, Dokumentation und Interviews von und mit Rolan Bolan (Sohn vom großen Bolan), Tony Visconti, Bob Harris, Emperor Rosko u. a., Restaurations-Doku, gelöschte Szenen und Outtakes, "The Eater Of Cars" mit Marc und Ringo, "More Tea, anyone" - Die Teeparty, z. B. mit Ringo Starr und Catweazle, "Apple Outtakes", Video- und Audio-Demonstrationen.

Man bekommt "Children of the Revolution" nicht nur mehrmals live präsentiert, auch eine Studio-Version, die optisch sehr spannend ist, wird angeboten: Elton John am Piano, Marc Bolan im Piano, Ringo Starr wieder an der Kamera, als Clown verkleidet. Interessant ist hier das akustische Ergebnis der Stimme des im "Bauche des Pianos" steckenden Sängers. Auch klärt sich jetzt auf, wie Brösel für einen seiner Werner-Filme auf die Szene mit dem König mit der Fliegenklatsche gekommen sein muss. Hier wurde Ringo kurzerhand als barttragende Maus verkleidet, es kommt eine "Figur" vorbei, die Autospiegel isst, und Marc Bolan dirigiert mit seiner Fliegenklatsche und telefoniert mit einem "Air"-Telefon. Typische Storyboards aus den bunten 70ern, wie man sie besser nicht hätte festhalten können. Für "Tutti Frutti" wurde das Studio afrikanisch dekoriert, Ringo wieder hinter der Schießbude, Elton spielte dén Boogie Woogie am Piano. Wer Sir Elton schon etwas länger beobachtet hat, wird sich jetzt gerne an seine Ur-Alben erinnern, auf denen der Boogie noch Pflichtprogramm war und nicht durch kommerzielle Liebes-Ohrwürmchen verdrängt wurde. Elton`s Wurzeln zeigen sich hier mehr als deutlich.

Wenn man Bolan im Schneidersitz auf der Bühne sitzen sieht, wie er mit Konzertklampfe bewaffnet die damals noch jungfräulich-neue Nummer "Spaceball Ricochet" singt und spielt, bekommt man fast feuchte Augen. Er trifft so richtig mitten drin. Die Fans sind fast nicht mehr zu halten, als er sein glucksendes Stöhnen beginnt. Eine wahnsinns Ausstrahlung, die der Mann hatte und verbreitete. Auch Bolan kann man als einen Rattenfänger bezeichnen. Sein Sohn Rolan, der auf der DVD oft zu Wort kommt, strahlt nicht weniger aus. T. Rex war eine Band, die noch richtig Spaß an der Musik hatte, sie gingen darin total auf, strahlten die aus und gaben dieses Gefühl von Wärme und Freiheit an die Fans weiter. Wie pur sie noch waren, sah man schon daran, dass es keinen Soundcheck gab, bevor das Publikum den Saal betrat. Nein, T. Rex kamen auf die Bühne, klimperten, klapperten, drehten an diesem und jenem Knopf, probierten aus, verzerrten die Gitarre bis Ohrensausen, nickten sich zu, gut, es ging los. Zu beobachten war auch das Zusammenspiel der Band als Einheit. Man hielt Blickkontakt und stimmte sich ab. Da gab es noch Spontanität und keine festen Vorgaben, wie eine Nummer gespielt werden muss. Das entschied sich mittendrin.

Interessant gestaltet sich die "Tee-Party", an der auch wieder Ringo Starr, aber auch Catweazle teilnahmen. Bolan postierte sich im Schneidersitz mit Konzertgitarre vor einem Streichquartett und versuchte, seine Nummern spontan mit den Streichern zu arrangieren. Vortrefflich gemeistert, einfach wunderschön, komplett, perfekt.

"Born To Boogie" ist schlichweg ein Meisterwerk. Unter dem geht gar nichts. Nicht nur, dass dem Zuschauer und Zuhörer Musikgeschichte optisch und akustisch präsentiert wird, die man nicht verpaßt haben sollte. "Born To Boogie" ist sicherlich auch ein Werk, welches man zu Lehrzwecken an Musikschulen einsetzen könnte. Die Restaurateure und Arrangeure haben Perfektion vollbracht, aus Material, das man bei Ringo in der Garage fand, Leben geschaffen, musikalisches Leben, das Dank ihrer harten Arbeit auf uns niederströmen kann, welches wir aufsaugen können. Auf "Born To Boogie" bleibt keine Frage zu T. Rex oder Marc Bolan offen. Die Live-Konzerte versetzen den Zuschauer in die 70er zurück, und wenn man Dolby Surround einsetzt, ist man eben für 325 Minuten gar nicht mehr zuhause. Bemerkenswert ist, dass diese Produktion tatsächlich hauptsächlich aus Musik besteht und nicht wie heute leider zu oft üblich, nur aus Dokumentation und Interviews. Diese kommen auf "Born to Boogie" nicht zu kurz, stören aber den so gar nicht, der sich einfach ein paar Stunden Live-Musik reintun möchte. Die Nummern und Aufnahmen werden nicht durch Gespräche unterbrochen. Respekt.

Wer erfahren möchte, was "Rex-Mania" war, was man unter "T. Rextasy" verstehen muss, was für ein Karma ein Marc Bolan verstreute, wie unglaublich er war, wie einzigartig wundervoll, sollte sich mit "Born To Boogie" sicherlich nicht nur einmal beschäftigen. Man bekommt Lust auf mehr, nämlich Lust darauf, von jedem Album von Marc Bolan bzw. T. Rex ein Live-Konzert auf diese Art und Weise krendezt zu bekommen. Marc Bolan is death - long live Marc Bolan!

Auch erhältlich ist dieses Werk als Doppel-CD (für unterwegs ...). Hierauf enthalten sind die Songs vom Motion Picture Soundtrack "Born To Boogie" sowie T. Rex in concert am 18. März 1972.

Neue Kritiken im Genre „Rock“
5.5/10

Power Up
  • 2020    
4.5/10

Na Gut Dann Nicht
  • 2020    
Diskutiere über „T. Rex“
comments powered by Disqus