The Dresden Dolls - Paradise - Cover
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The Dresden Dolls Paradise


  • Label: Roadrunner/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 157 Minuten
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9/10 Unsere Wertung
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Es gibt sie zwar erst seit drei Jahren, aber schon ihr selbstbetiteltes Debüt überzeugte auf der ganzen Linie mit dem herben Timbre einer Amanda Palmer am Piano bzw. Keyboard und den schlagfertigen Argumenten eines Brian Viglione, der den Part als Drummer übernahm. Durch Songs wie „Girl anachronism“ oder „Coin operated boy“ spielten sie sich als „Brechtian Punk Cabaret“ mit einer Mischung aus Gesang- und Songstil eines Kurt Weill aus den 20-er Jahren und dem entfremdeten Auftreten mit stark geschminkten Gesichtern in Videos und Darbietungen vor Publikum in die Herzen der Fans. Im Zuge ihrer ersten Veröffentlichung gingen sie mit niemanden geringeren als den Nine Inch Nails auf Tour und konnten mehr und mehr Anhänger rekrutieren, die an den ausgeflippten Bühnenshows sichtlich Gefallen gefunden haben. Aufgrund dessen und der Bodenständigkeit der zwei Hauptakteure, ließ es nicht lange auf sich warten bis die erste Liveshow auf DVD gebannt wurde. Der geneigte Käufer wird allerdings nicht nur mit einem Konzert der energischen Art konfrontiert, sondern bekommt obendrein noch einen beinahe minutiös, dokumentarisch aufgebauten Vorspann geboten, der dem Zuschauer, die ausgeflippte Welt der Dresden Dolls näher bringt.

Man darf die beiden beim Aufstehen beobachten, Amandas Stimmübungen beim Warten auf die nächste Bahn beiwohnen, Brians Abneigung gegen Volvos entdecken, beim Üben und Entwerfen eines Songs dabei sein und die Vorbereitungen für den großen Auftritt im Paradise Rockclub in Boston, Massachusetts verfolgen. Dass diese bei dem chaotischen Duo aus Dingen bestehen wie dem kurzfristigen Kauf von ein paar Drumsetutensilien (einige Teile kamen trotz Tourbus in Mexiko abhanden) oder der Behebung des Stromausfalls im gesamten Konzerthauskomplex, kann man sich fast denken. Bis dann das eigentliche Spektakel beginnt, darf man noch in einem Interview durch Christopher Lydon, dessen Name auch für einen Song Pate stand, erfahren, dass Thelonious Monk und Elvin Jones die Beweggründe für die jeweilige musikalische Ausbildung der beiden waren und dabei sein wenn das Duo vor dem Einlass zur Show keinerlei Berührungsängste den Fans gegenüber zeigt.

Als Teil des Programms gibt es anfänglich Darbietungen von verschiedenen Theatergruppen, die unter anderem eine Marionettenaufführung ohne Marionetten oder eine mitreißende Interpretation des Stückes „Half Jack“ durch eine weiß gekleidete Frau zeigen. Der Auftritt selber beginnt, wie sollte es anders sein, mit „Good Day“, das auch schon auf der Platte als Einleitung eine gute Figur abgab. Die hübsch geschminkten Gesichter sind durch den stürmischen Auftritt von Amanda und Brian jedoch schon während des zweiten Songs „Missed Me“ verwischt und zeugen von der ungezügelten Kraft die das Duo an den Tag legt. Mit erhobenem Zeigefinger auf das Bush-Regime wird dann die Coverversion des politischen Songs „War Pigs“ (Black Sabbath) eingeleitet. „The last time we played this song it was election time and we were encouraging all you motherfuckers to go out and vote. We all know how it ended all up, but it´s 2005 – it´s a new year and there are some more elections in 2008. So you know what to fuckin´ do.” Wie unschwer zu übersehen und –hören betätigt Viglione bei diesem Stück sein Instrument dermaßen energisch, dass der Song noch einmal von vorne begonnen werden muss (er ist Amanda etwas zu flott) und zwar mit „twice as much hatred“. Ozzy Osbourne wäre mit Sicherheit stolz auf sie, wäre er anwesend.

„Half Jack“ wird durch ein 4½ minütiges Intro begonnen und wird mit Leichtigkeit von den beiden an die zehn Minuten Marke getragen ohne schwächer oder kraftloser zu werden und anstatt, dass sie sich danach eine verdiente Verschnaufpause gönnen wird sofort eines ihrer abgedrehtesten Lieder, nämlich „Girl anachronism“, zum Besten gegeben. Wer nach diesem Doppelpaket der Meinung ist, die Dresden Dolls würden nicht alles bei ihren Konzerten geben, der ist entweder blind, taub oder beides. Sichtlich erschöpft verlassen die Zwei nach etwa 50 Minuten die Bühne um kurz danach noch „Pierre“ (eine Coverversion von Carole King), bei dem sogar Brian verschmitzt „I don´t care“ ins Mikro sprechen darf, und „Truce“ anzustimmen. Nach dieser viertelstündigen Zugabe geht es dann ab unter die Dusche. Als Extras sind die Tracks „Coin operated boy“ und „Girl anachronism“ beim Roskilde Festival in Dänemark oder als Video enthalten.

Dieser Artikel ging am um 17:15 Uhr online.
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