Rush - R30: Live From Frankfurt - Cover
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Rush R30: Live From Frankfurt


  • Label: Anthem/Sanctuary Records
  • Laufzeit: 180 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Was dürfte Rush-Fans wohl mehr in Feierlaune gebracht haben? Der 30. Geburtstag einer der besten und intensivsten Progressive Rock Bands dieses Planeten oder die Tatsache, dass sich die Herren Geddy Lee (Gesang, Bass), Alex Lifeson (Gitarre, Gesang) und Neil Peart (Schlagzeug, Percussion) im Jahre 2004 nach insgesamt zwölfjähriger (!) Abstinenz auf deutschen Bühnen dazu entschlossen haben, auch wieder nach Europa zu kommen? Schwer zu sagen, aber es dürfte wohl die Kombination aus beidem gewesen sein, die vielen die Freudentränen in die Augen trieb. Um das Ganze nicht wie einen Windhauch vorbeiziehen zu lassen, entschloss man sich passend zur Tour eine „30th Anniversary“ Live-DVD auf den Markt zu bringen und damit auch die, die nicht an der Geburtstagsfeier teilhaben konnten, in den Genuss einer Rush-Show kommen zu lassen.

Mit „R30 – 30th Anniversary World Tour“ erschien nun eine umfangreiche Doppel DVD, die wahlweise auch als Limited Deluxe Edition in einer Box mit einer zusätzlichen Doppel CD, Gitarren Plektren und einem Sammler-Backstage Pass erhältlich ist. Aufgezeichnet wurde die Show in der Frankfurter Festhalle am 24. September 2004 mit 14 Hi-Definition Kameras im 16:9 Breitbildformat und hält mit 22 Songs aus jeder Schaffensphase der Band eine erstklassige Setlist bereit, deren Schwerpunkt allerdings auf den Klassikern liegt. Der Sound ist glasklar und sowohl als Stereo-, als auch 5.1. Dolby Surround Option wählbar, wobei erstgenannte etwas definierter, dafür aber weniger voluminös aus den Boxen klingt. Auf DVD 2 sind verschiedene Interviews, sowie zahlreiche Live- und Studioclips aus den Jahren 1979 bis 2002 enthalten, die einen guten Überblick über die Karriere von Rush geben. Natürlich gibt es auch hier wieder, wie schon auf der „Rush In Rio“-DVD, die obligatorischen „Easter Eggs“ in Form von verstecktem Bonusmaterial.

Eröffnet wird das Konzert, das im Übrigen ungekürzt und in voller Länge inkl. aller Zwischensequenzen und Videoeinspielungen auf DVD gepresst wurde, mit einem Intro auf dem riesigen Bühnen-Screen, welches den Zuschauer zunächst durch eine Animation aller Rush-CD Cover führt und witzigerweise als Traum von Schauspieler Jerry Stiller („Arthur“ in „King Of Queens“ und Vater von Ben Stiller) endet. Dieser übernimmt dann auch in seiner typischen Art die Anmoderation, bevor die Band mit der „R30 Overture“, dem instrumentalen Medley der Tracks „Finding My Way“, „Anthem“, „Bastille Day“, „A Passage To Bankok“, „Cygnus X-1“ und „Hemispheres“, in das Set einsteigt. Während des fett rockenden Instrumentals werden Bilder aus der Bandgeschichte sowie weitere witzige Einspielungen von Jerry Stiller gezeigt. Die Musiker sind in Hochform und gehen nahtlos in „The Spirit Of Radio“ über. Die Stimmung in der Halle kocht – was soll man bei einem solchen Start auch anderes erwarten?

Mit „Force Ten“ vom Album „Hold Your Fire“ (1987) und „Animate“ („Counterparts“ (1993)) kommen zwei Nummern „jüngeren“ Datums zum Zuge, die ansonsten recht rar im Set der Kanadier gesät sind. Einerseits schade, sind die Songs der neueren Bandgeschichte doch auf genauso hohem Niveau wie die älteren Titel, doch andererseits aber nicht verwunderlich, denn wollte man die perfekte Setlist zusammenstellen, käme man wohl auf eine Nettospielzeit von 10 Stunden. Mit dem hypnotisierenden „Subdivisions“ packen Rush den ersten Klassiker aus, streuen mit dem fett rockenden „Earthshine“ vom 2002er „Vapor Trails“ Album einen ganz aktuellen Song ein und legen mit SciFi-Track „Red Barchetta“ nochmals einen Klassiker vom Hitalbum „Moving Pictures“ (1981) hinterher. Das Publikum feiert die Musiker, die sich allesamt in Hochform zeigen.

Geddy Lee trifft die höchsten Töne wie in jungen Jahren, Alex Lifeson entlockt seiner Gitarre unglaubliche Sounds und Neil Peart scheint am Drumset sowieso nicht von dieser Welt zu sein. Mit „Roll The Bones“ und dem The Who-Track „The Seeker“, den das Trio für ihre Cover CD „Feedback“ (2004) aufnahm, gehen die Kanadier in die Pause.

Zum verschnaufen bleibt allerdings nicht viel Zeit, denn mit „Tom Sawyer“ und abermals witzigen Trickfilm-Animationen, die den typischen Humor der Band widerspiegeln, erwischt man einen exzellenten Start ins zweite Set. „Dreamline“, das selten gespielte „Between The Wheels“ und „Mystic Rhythms“ setzen den Trip fort und man fühlt sich schon drei Zentimeter über der Erde schwebend, bevor man von Neil Peart mit einem furiosen Drumsolo auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird. Hier zeigt der Meister wo der Hammer hängt und auch die zahlreichen Kameras tun ihren Teil zum erstklassigen, visuellen Eindruck. Zur Entspannung Pearts’s und als abwechslungsreiche Auflockerung des Sets machen es sich Lee und Lifeson auf Hockern gemütlich und spielen das nachdenkliche „Resist“ und den Yardbirds-Covertrack „Heart Full Of Soul“ in Unplugged-Versionen. Den Vogel schießt allerdings das den regulären Set schließende Medley, bestehend aus den Klassikern „2112“, „Xanadu“ und „Working Man“, ab.

Mit den Zugaben „Summertime Blues“, „Crossroads“ (ebenfalls beide von „Feedback“) und dem göttlichen „Limelight“ beenden Rush ein Konzert, das an Intensität, Spielfreude und musikalischem Genuss beispiellos ist und glücklicherweise auf DVD festgehalten wurde. Nachdem die letzten Akkorde verklungen sind, fühlt man sich jedenfalls, als sei man gerade aus einer anderen Welt aufs heimische Sofa zurückgekehrt.

Anspieltipps:

  • R30 Overture
  • Force Ten
  • 2112/Xanadu/Working Man
  • Limelight
  • Der Trommler
  • Vapor Trails Interview
  • Closer To The Heart
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