The Velvet Underground - Velvet Redux Live MCMXCIII - Cover
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The Velvet Underground Velvet Redux Live MCMXCIII


  • Label: Rhino/Warner Bros.
  • Laufzeit: 92 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Weder zu ihrer relativ kurzen aktiven Zeit, noch in späteren Jahren, haben The Velvet Underground für besonders hohe Absatzzahlen gesorgt. Dennoch ist die Wirkung auf junge Gitarrenbands bis heute unbestritten und das berühmte Brian-Eno-Zitat, nachdem das selbstbetitelte Debütalbum von The Velvet Underground aus dem Jahr 1967 höchstens 1000 Menschen gekauft haben, davon aber jeder Käufer später eine eigene Band gegründet hat, bedeutsamer denn je.

Der Stern von Lou Reed (Vocals, Gitarre), Moe Tucker (Drums), Sterling Morrison (Gitarre) und John Cale (Bass, Piano, Geige) ging auf, als sie Mitte der 60er Jahre von Andy Warhol in seine Kreativ-Werkstatt The Factory geholt wurden. The Velvet Underground wurden zum Inbegriff des Indie-Rock und zementierten mit morbider Lyrik und schaurig schöner Musik den Begriff der Kult-Band. Die New Yorker veröffentlichten lediglich zwei Alben in Originalbesetzung, ehe sie sich 1971 endgültig trennten.

Nach einer zaghaften Reunion im Sommer 1990 zur Eröffnung der Andy Warhol Retrospektive der Cartier-Stiftung vor den Toren Paris’, trommelte Lou Reed drei Jahre später die Originalbesetzung für eine kurze Sommer-Europatournee durch acht Städte zusammen. Das war nicht nur die letzte Wiedervereinigung von The Velvet Underground, sondern auch eine der spektakulärsten Reunions in der Geschichte des Rock’n’Roll. Die damaligen Konzertabende im Pariser Olympia vom 15., 16. und 17. Juni 1993 wurden mitgeschnitten und später als Live-Video veröffentlicht. Jetzt liegt das Ganze auch im DVD-Format vor und präsentiert 15 Songs in ihrer reinsten Form – also vollkommen ohne Schnickschnack wie Interviews, Gastbeiträge, Outtakes, Behind-The-Scenes-Material und ähnlich verzichtbares Material.

Auch 23 Jahre nach dem letzten „richtigen“ Konzert in Originalbesetzung, haben The Velvet Underground nichts von ihrer Ausstrahlung verloren. Zwar hat an der Band sichtbar der Zahn der Zeit genagt, doch angesichts einer absolut grandiosen Setlist, die ausschließlich aus Klassikern besteht, ist dieses optische Manko total unwichtig. Auch der fehlende Dolby Digital Surround Sound ist schnuppe, denn wer sich dereinst durch die rumpelnden Aufnahmen der Live-Platte „At The Max’s Kansas City“ (1972) gehört hat, wird „Velvet Redux: Live MCMXCIII“ als puren Genuss empfinden.

So beginnt das Quartett zu reichlich schrägen Streicherklängen unter stürmischem Applaus mit der S&M-Hymne „Venus in furs“ und legt vom ersten Moment an ein stürmisches Tempo vor, als wolle die Band ein verlorengegangenes Vierteljahrhundert aufholen. Wie früher, grummelt sich Lou Reed durch düstere Bluesrocker („Some kinda love“) oder wickeln die stampfenden Beats von Moe Tucker die feurigen Gitarrensoli von Sterling Morrison ein („White light/white heat“). John Cale, dessen „Femme fatale“ heute weitaus optimistischer klingt als in den Sechzigern, hält sich auffallend zurück und überlässt seinen Kollegen das Feld. Das alles ist so wunderbar, dass einem selbst der arrogante Bastard, zu dem Lou Reed in den letzten Jahren geworden ist, plötzlich grundsympathisch erscheint.

Anspieltipps:

  • Heroine
  • Sweet Jane
  • Some kinda love
  • White light/white heat
  • I’m waiting for the man
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