My Chemical Romance - Life On The Murder Scene - Cover
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My Chemical Romance Life On The Murder Scene


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 284 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

My Chemical Romance haben nicht umsonst den Ruf keine Probleme damit zu haben, ihren Fans ungeschminkt Details über ihr Leben abseits der Bühnen zu erzählen.

Ein Jahr und zwei Monate nach dem noch immer schwer in ein Genre zu pressenden Zweitwerk „Three cheers for sweet revenge“, das sich aus Screamo, Emo, Garagen-Rock und Nu-Metal zusammensetzte und eine deftige lyrische Auseinandersetzung mit dem Jenseits in sich trug, erscheint nun das dem Cover nach komplementäre Nachfolgepaket „Life on the murder scene“ der 2001 gegründeten Fast-Schülerband My Chemical Romance (benannt nach einem Zitat aus dem Roman „Ecstasy“ von Irvine Welsh), derzeit bestehend aus Gerard Way (Gesang), Ray Toro (Gitarre), Frank Iero (Gitarre), Mikey Way (Bass) und Bob Bryar, der für den ausgestiegen Matt Pelissier das Schlagzeug übernahm.

Ein Blick auf die Trackliste der Live-CD, dessen Inhalt sich aus verschiedenen Auftritten zusammensetzt, offenbart: 11 Songs, 8 („I never told you what I do for a living“ allerdings als Demo-Version) aus ihrem Platin-Erfolg vom letzten Jahr (natürlich mit dabei „I´m not okay“, „Helena“ und „The ghost of you“), einen Track („Headfirst for halos“) vom Debüt „I brought you my bullets you brought me your love“ aus 2002, der Song „Bury me in black“ (hier als weitere Demo) wurde der japanischen Ausgabe von „Three cheers for sweet revenge“ beigelegt und „Desert song“ darf sich „previously unreleased“ nennen. Das wären für Hardcore-Fanatiker schon einige Gründe sich dieses Teil zuzulegen, allerdings gibt es wesentlich mehr auf „Life on the murder scene“ zu erforschen als die nicht ganz 36 Minuten des ersten Silberlings.

Sage und schreibe vier Stunden verteilen sich auf weitere 2 DVDs, von denen die erste schlicht und unkompliziert mit „Video diary“ betitelt wurde, aber nicht etwa einen stinklangweiligen Backstage-Einblick einer möglicherweise noch gelangweilteren Band zeigt, die ihre Pflicht-Aufnahmen für die ein paar Monate später erscheinende Bonus-DVD macht, sondern den Werdegang dieser Band in bewegten Bildern mit integrierten Videos und Live-Auftritten schildert und dabei ganz nah am Geschehen ist. My Chemical Romance haben nicht umsonst den Ruf keine Probleme damit zu haben, ihren Fans ungeschminkt Details über ihr Leben abseits der Bühnen zu erzählen, denn der zweistündige Exkurs über die fünf Burschen aus Newark beinhaltet Szenen, die von einem Künstler wie z.B. Robbie Williams nur aus der Klatschpresse oder der selbstgeschriebenen Biographie zu entlocken sind um auch nennenswerte Umsätze zu erzielen. MCR gehen eben einen anderen Weg und verschönern die (hoffentlich für immer abgelegte) Drogenabhängigkeit von Sänger Gerard nicht und zeigen sich dennoch gut gelaunt und stets höflich. Wenn nach zwei Konzerten an einem Tag in London von ihm zu Protokoll gegeben wird „Heute ist mein Geburtstag, aber die Shows waren so klasse ich würde noch eine dritte spielen“, dann ist klar, wen man ab da ins Herz geschlossen hat.

DVD Nummer 2 bietet dann das Rundum-Video- und Live-Package mit Aufzeichnungen von verschiedenen Konzerten, Shows, TV- und Online-Auftritten, wobei sich der Zuseher fragt, ob die Jungs absichtlich immer und immer wieder „I´m not okay“ anspielen, das nach dem dritten Mal innerhalb einer Stunde beginnt an den Nerven zu zerren. Zum Abschluss werden noch die Videos von „I´m not okay“, „Helena“ und „The ghost of you“ geliefert und als zusätzliches Schmankerl gibt es die jeweiligen Making-Of´s noch obendrauf. „Life on the murder scene“ ist wirklich ein hervorragender Einblick in eine Band, die es geschafft hat sich innerhalb eines Jahres an die Spitze der Charts und in die Herzen der Fans zu spielen und das nun auf diesem umfassenden Output gebührend zelebriert.

Wäre die Live-CD mit ein wenig mehr Songs des nur über Import erhältlichen Erstlings aufgepeppt und würde die zweite DVD einen ähnlich interessanten Faden besitzen wie Nummer eins und nicht nur den Überhit „I´m not okay“ zu Tode knüppeln, dann hätte sicherlich die volle Punktzahl herausgeschaut. Laut Gitarrist Ray Toro ist schon ein großer Teil des neuen Werkes, das noch 2006 erscheinen und den vorläufigen Arbeitstitel „The rise and fall of My Chemical Romance“ trägt, fertig – vielleicht verdient diese Veröffentlichung dann den Titel „Klassiker“. Die Jungs sind auf jeden Fall auf dem besten Weg dahin.

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