The Notwist - On Off The Record - Cover
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The Notwist On Off The Record


  • Label: City Slang/Rough Trade
  • Laufzeit: 130 Minuten
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9.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Presse war sich Anfang 2002 einig. „Neon golden“ ist ein Meisterwerk der deutschen Musik. Die 15 Monate, in denen Markus Acher (Gesang, Gitarre), Michael Acher (Bass), Markus Messerschmidt (Schlagzeug) und Martin Gretschmann (zuständig für alles was mit Elektronik zu tun hat) am Nachfolger zu „Shrink“ (1998) gearbeitet hatten, schienen sich bezahlt gemacht zu haben. Weltweites Echo aus renommierten Zeitschriften wie dem Rolling Stone wechselten sich mit Begeisterung der nationalen Journaille ab, während das Album in den Verkaufscharts von 0 auf Platz 10 schoss.

Von der Entstehung, dem Weg zur fertigen CD, im Prinzip über alles, das mit dem Wort „Neon golden“ und The Notwist in Verbindung gebracht werden kann, handelt der Dokumentarfilm „On/Off the record“ von Jörg Adolph, der bereits sechs Monate nach der Veröffentlichung auf 3Sat gezeigt wurde und aufgrund großer Nachfrage nun auf DVD erscheint. Die ersten Worte, die darauf die folgenden 90 Minuten einleiten, sind „Das klingt ja wie eine Beatles-Platte!“ - Der Vierer war sich der Bedeutung ihres fünften Werkes bereits in den ersten Wehen der Entstehung bewusst.

Chronologisch, direkt, nah und unverfälscht fängt Adolph die magischen Momente bis zur fertigen Scheibe ein, scheut sich nicht die Kamera einfach mal irgendwo abzustellen und ein Gespräch mitzuschneiden, die daraus resultierende Intensität während den Aufnahme-Sessions macht selbst Außenstehende und Nicht-Fans zu einem Teil des Ganzen. Es sind die Bilder, in denen sich die einzelnen Mitglieder über den Fortschrittsprozess, gefasste Entwürfe oder gerade entdeckte Soundeffekte freuen, während sie sich an anderer Stelle über Textpassagen das Gehirn zermatern, Minuten, die dem Zuseher einen Einblick in ein fernes Universum gewähren, das er wohl in dieser Form nie gesehen hätte, die „On/Off the record“ zu einer spannenden Erfahrung machen.

Abgesehen davon zeigt die 90-minütige Dokumentation ebenso Gegensätzlichkeiten wie die routinierte und maschinell wirkende Abmischung in den Abbey Road Studios oder die trockene Herangehensweise des Labels, das den bestmöglichsten Weg der Vermarktung nehmen will. Auf die Gefahr hin, dass Album durch ein Stück eröffnen zu lassen, dass zu dominant und aufbegehrend wirkt, meint der zuständige Promoter nur „Wir leben in einer Zeit, in der man mit der Tür ins Haus fallen muss.“ Abschließend wird in Kurzausschnitten die Post-Produktion beleuchtet, in der unzählige Interviews (mit Spex, Intro, etc.) geführt werden und die ersten, sich großteils vor Lob überschlagenden Kritiken von der Band laut vorgelesen werden. Die Erleichterung etwas Großes und Zeitloses geschaffen zu haben, steht in den Gesichtern geschrieben.

Als Draufgabe gibt es eine, im Film selbst, herausgeschnittene Szene, die sich der Aufnahmen zum Stück „This room" annimmt, das kuriose Eisenbahner-Video zu „Pilot", die verlängerte Fotosession, die auch in der Dokumentation in Ausschnitten untergebracht ist, im Zusammenhang mit einem Resümee des Entwicklungsprozesses als Electronic Press Kit („EPK"), Notizen über den Regisseur und Allfälliges, sowie Werbung in eigener Sache für Adolphs neuem Film „Kanalschwimmer“, der mit Musik von The Notwist und Console (Solo-Projekt von Martin Gretschmann) verfeinert wurde. Das macht „On/Off the record“ zu einem Muss für jeden Liebhaber deutscher Musikkultur.

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  • 2018    
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