Böhse Onkelz - Vaya Con Tioz - Cover
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Böhse Onkelz Vaya Con Tioz


  • Label: Rule 23/SPV
  • Laufzeit: 403 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Magie, die von dieser Band ausging, wird wohl noch lange in den Köpfen und Herzen der Fans nachhalten.

Die Böhsen Onkelz zähl(t)en nicht nur zu den geschäftstüchtigsten Bands aller Zeiten, sie haben sich auch wie keine andere Band vor ihnen – und sicher auch keine nach ihnen – bis zu ihrem vermeintlichen Ende perfekt inszeniert. Vermeintlich deshalb, weil die kommerzielle Fahnenstange noch lange nicht erreich ist. Es darf getrost vermutet werden, dass die Lager voll sind mit interessantem Material (es existiert z.B. eine komplette Neueinspielung des „Onkelz wie wir“-Albums!). Auch aus diesem Grund stellten wir bei der Rezension des letzten Studioalbums „Adios“ (07/2004) am Schluss unserer Kritik fest (und mussten dafür verbale Prügel von den BO-Fans einstecken), was später tatsächlich eintrat (Zitat): „Nächstes Jahr, wenn vom großen Abschiedskonzert zum 25jährigen Bandjubiläum ein aufwendiges Mega-Box-Set aus drei CDs und mindestens ebenso vielen DVDs erscheint, sind die Fans glücklich und die Onkelz haben zum letzten Mal Zahltag….“

Okay, aus dem „nächsten Jahr“ wurden am Ende drei Jahre – die allerdings geschickt mit zwei weiteren Veröffentlichungen überbrückt wurden („Live in Hamburg“ und „La Ultima: Live in Berlin“ – so dass der finanzielle Schaden in Grenzen geblieben sein sollte – wenn es überhaupt einen gegeben hat. Doch nun ist es geschafft! Mit „Vaya Con Tioz“ kommt am 16. Februar 2007 nach langer Wartezeit – aber nicht weil die Produktion so lange gedauert hat, sondern weil die Band inzwischen zerstritten ist (zumindest Stephan Weidner und Matthias „Gonzo“ Röhr scheinen ein erhebliches Problem miteinander zu haben, was zu einem 9-monatgen Verzug führte), ein Produkt auf den Markt, das wir damals in ähnlicher Form bereits prognostiziert haben: Ein ultra fettes Abschieds-Box-Set zum Lausitzring-Festival am 17. und 18. Juni 2005, bestehend aus vier DVDs mit knapp sieben Stunden Spielzeit, sowie einem 160 Seiten dicken Hardcover-Begleitbuch, verpackt in einem feschen Kunstledereinband zu einem Preis, der, je nach Anbieter, irgendwo zwischen 80 und 100 Euro liegt und damit sämtlichen potenziellen Käufern erst mal den Atem nimmt.

Doch ungeachtet des hier praktizierten Gigantismus, der natürlich an die Dimensionen des zweitätigen Spektakels angelehnt ist (ca. 120.000 Besucher aus aller Welt, 700.000-Watt-Anlage, monströse Bühnenmaße, wahnsinnige Lightshow), ist „Vaya Con Tioz“ rein inhaltlich nicht 100% zufriedenstellend. Um den Ablauf zu straffen und großartige Überschneidungen mit den bisherigen Live-CDs/DVDs zu vermeiden, wurden die Onkelz-Auftritte von 58 auf 38 Lieder zusammengeschnitten. Das ist – ehrlich gesagt – nicht nachvollziehbar, denn den Fans sind solche Überschneidungen komplett egal. Sie hätten garantiert viel lieber die kompletten Konzerte auf DVD gehabt. Quasi ersatzweise gibt es dafür eine ganze DVD, die sich ausschließlich mit den Supportbands (u.a. Pro-Pain, Machine Head, In Extremo, Rose Tattoo, D.A.D. und Motörhead) befasst, wobei nur jeweils ein Song vorgestellt wird, was zu einer enttäuschenden Spielzeit von 72 Minuten führt. Eine weitere DVD (auch „nur“ 59 Minuten lang) dokumentiert das Randgeschehen am Lausitzring mit Making Of, Interviews mit Stephan Weidner, Fans und der Crew, etc. Beides hätte problemlos auf einen Silberling gepasst. So aber drängt sich der Verdacht der Augenwischerei mit einem mutwillig aufgeblasenem Box-Set auf.

Zu den beiden Konzert-DVDs (wiederum ergänzt um ausführliche Dokus, Interviews und Ausschnitten von den Bandproben) ist zu sagen, dass Bild und Ton, wie von Onkelz-Produkten gewohnt, eine herausragende Qualität besitzen. Der Sound ist druckvoll und klar (Dolby Digital Surround Sound) und die faszinierenden Bilder wurden von geschätzten zwei Fantastilliarden Kameras festgehalten. Die Konzerte zeigen die Band in sehr guter Form. Sie sind trotz des verstümmelten Programms reich an Höhepunkten („Ich bin in dir“, „Bomberpilot“, „Stunde des Siegers“, „Mexico“, „Terpentin“, „Onkelz vs. Jesus“, „Ihr hättest es wissen müssen“) und am Ende extrem sentimental, wenn die Schlussansage erfolgt und Band und Fans in einem kollektiven Tränenmehr versinken. Dann ist sie wieder ganz deutlich spürbar: Die Magie, die von dieser Band ausging und wohl noch lange in den Köpfen und Herzen der Fans nachhalten wird.

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