Scooter - Excess All Areas - Cover
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Scooter Excess All Areas


  • Label: Sheffield/EDEL
  • Laufzeit: 295 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer lässt munter, frisch und fröhlich Slogans wie „It´s nice to be important, but it´s more important to be nice“ vom Stapel? Right! H.P. “motherfucking” Baxxter (Selbstzitat) alias Hans Peter Geerdes alias Mc Dave alias The Chicks Terminator alias The True Pretender alias The Horseman. Wem bei all diesen schizophrenen Anwandlungen nicht schlecht wird, der dürfte entweder hobbymäßig als Gestaltwandler unterwegs sein, verehrt die deutsche Technobrut Scooter abgöttisch oder versteht schlicht und ergreifend einfach kein Englisch und hat somit keine Ahnung, was der wasserstoffblondierte Wichtel in seinen stumpfsinnigen Texten überhaupt von sich gibt. Egal zu welcher Sorte man gehört, jeder hat schon einmal irgendwo einen Song von Blondel und seinen Freunden aufgeschnappt und angesichts der grenzdebilen Lyrics zumindest geschmunzelt. Bei der Besprechung dieser DVD sollen diese allerdings nicht bewertet werden, sondern das Augenmerk wird rein auf die Wirkung des Konzertes und dem restlichen Bonusmaterial gelegt, sonst würde es schlicht und ergreifend „Setzen, Sechs!“ heißen.

Dann mal los. Im Gegensatz zur ersten Scooter-DVD „Encore (The whole story)“ (05/2002) kommt „Excess all areas“ wesentlich schicker im Papier-Digipak daher und hält auch, was die Angaben versprechen. Sowohl Ton (wahlweise in Stereo, 5.1 Surround oder DTS-Abmischung) als auch Bild (in High Definition gefilmt) des 1 ½-stündigen Konzertes überzeugen und verwandeln jedes System in einen zuckenden und wummernden Technoclub. Die Lichtshow als auch die Pyrotechnik wurden gut eingefangen, trotzdem äußern sich einige Showeffekte lediglich in gleißendem Licht statt wirklich preiszugeben, was vor sich geht. Außerdem wurde das johlende und grölende Publikum auf ein Minimum reduziert, wodurch die Atmosphäre und die gut gelaunte Stimmung der Fans untergeht. Was diesen Punkt angeht, sprechen alleine die Bilder für sich. Über den Auftritt selbst braucht man nicht viel sagen, denn entweder Go-Gos, die sich im Laufe des Gigs in immer weniger Bekleidung präsentieren, und häufige Animationsaufrufe gefallen einem oder eben nicht. Das H.P. bei den ruhigen Passagen dennoch mal die Klappe halten könnte, dürfte allerdings jeder gleich empfinden.

Trotzdem macht das Publikum wirklich jeden Scheiß mit, selbst wenn Scooter nach etwas über einer Stunde von der Bühne verschwinden und eine geschickt in Szene gesetzte Laserschrift verheißungsvoll „You want more?“ fragt, was mit Euphorie bedacht wird und durch die weiteren Ankurbelungsversuche „Ihr seid zu leise“ und „Louder!“ dementsprechende Umsetzung findet. Bei „Fire“ werden H.P. & Co. von Jeff Mantas, der bei den Black Metal-Wegbereitern Venom an Bord war, an der Gitarre unterstützt, die Show neigt sich langsam dem Ende. Baxxter ist heiser, zwischenzeitlich trägt er seine strunzdummen Lyrics mit gelangweilter Miene vor wie etwa in „Faster harder scooter“, prinzipiell zeigt er sich aber frohen Mutes und in Partystimmung. Abgesehen davon zeigt der Live-Mitschnitt, welches Riesenaufgebot an Equipment die Truppe aufbauen hat lassen um den Fans auch eine geile Show zu bieten. Diese Mission haben sie auf jeden Fall erfüllt wie in der Rubrik „The fans“ bestätigt wird.

Dort tummeln sich nämlich neben begeisterten Scooter-Fans aus Deutschland auch solche aus Frankreich, Dänemark oder Holland, die Altersspanne reicht von 16 – 50. Bedauernswerterweise ist hier allerdings die Bildqualität schlecht und bei den eingespielten Konzertausschnitten hält man sich besser die Ohren zu. Trotzdem eine nette Idee einmal die Fans sprechen zu lassen, was von sinnloser Karaoke („Dap dap dap“) bis hin zu äußerst interessanten Aussagen („Die Show war super, die Mädels waren super, H.P. ist der Geilste, wegen den blauen Augen“) reicht. Unter „Backstage“ bekommt man dafür einen viertelstündigen Einblick in die Aufbauarbeiten, die für ein Event von diesem Ausmaß getätigt werden müssen, bevor das „Tour diary“ über einzelne Stationen mit einigen Bildern im typischen H.P.-Slang berichtet.

DVD 2 beschränkt sich rein auf die Videos der Band. Ein besonderer Fan-Leckerbissen dürften die Making-Ofs zu „Apache rocks the bottom”, “Hello (good to be back), “Shake that”, “Jigga jigga”, “Maria (i like it loud)” und “Weekend” sein, die den Dauerquassler Baxxter von seiner sympathischen und zugleich einfältigen Seite zeigen, der anscheinend rechts nicht von links unterscheiden kann. Die Bandkommentare zu den 33 Videos sind jedoch nur als bedingt interessant einzustufen, faselt schließlich hauptsächlich Blondie über den Drehort und die Regisseure und sowohl Jay Frog als auch Rick Jordan machen nicht mehr als zustimmend mit dem Kopf zu nicken, was H.P. kurzerhand mit „Mensch ihr Idioten, sagt doch auch mal was“ kommentiert. Nebenbei dürfte bei der Produktion etwas schief gelaufen sein, denn nach etwa 5 Videos + Kommentar springt die DVD zum Schluss von „Friends“ und macht mit „Move your ass“ weiter, selbst wenn man der chronologischen Reihenfolge nach erst in den 00er Jahren ist. Die Clips selbst sind in ihrem Bild besser auf dem DVD-Erstling, für Besitzer von „Encore (The whole story)“ gibt es aber eigentlich nur die 9 Videos von „Weekend“ bis „Apache rocks the bottom“ als Extra, womit dieses Feature eher ambivalenter Natur ist.

Dadurch ist „Excess all areas“ im Vergleich zu den letzten Scooter-Veröffentlichungen eine der Sinnvolleren, trotzdem gesellen sich zu den ausgebesserten Makeln der ersten DVD (vor allem Bild und Ton) neue hinzu, wie die verlorengegangene Stimmung beim Live-Gig aufgrund der heruntergemischten Fans oder die lieblosen Extras, die für einen Einstieg in die Scooter-Materie zwar erste Sahne sind, für Anhänger der ersten Stunde allerdings nicht mehr als durchschnittliches Beiwerk darstellen. Bleibt nur zu hoffen, dass der nächste DVD-Release sinnvollere Zusatzinhalte bietet und das johlende Publikum mehr berücksichtigt wird, denn das Konzert an sich (abgesehen von den lyrischen Ergüssen) gibt schon ordentlich was her für Fans dieses Genres oder solche die einfach Party machen wollen. In diesem Sinne: „Respect to the man in the icecream van“ oder um einen euphorischen Konzertgeher zu zitieren: „Scooter sind geil, ey!“

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