Deep Purple - Live At Montreux 2006 - Cover
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Deep Purple Live At Montreux 2006


  • Label: Eagle Rock/EDEL
  • Laufzeit: 187 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Über das ausgemergelte Organ Ian Gillans tröstet nicht hinweg, dass die DVDs in drei unterschiedlichen Abmischungen vorliegen.

Das von Claude Nobs 1967 initiierte, erste Jazz Festival in Montreux ist zu einer Massenveranstaltung angewachsen. Waren anfänglich 12 Bands über drei Tage verteilt worden, so sind es heute mehrere Dutzend, die sich etwa 2 Wochen lang auf insgesamt 17 Bühnen austoben und einen Publikumsandrang um die 200.000 Menschen mit sich bringen. 1996 zum dreißigsten Jubiläum wurde Deep Purple (damals noch mit Jon Lord am Keyboard) erstmals nach der Entstehung des Songs „Smoke on the water“, der die Hardrocker untrennbar mit Montreux verbindet („We all came out to montreux / On the lake geneva shoreline”), eingeladen. Zehn Jahre später war es wieder soweit und Ian Gillan (Gesang), Steve Morse (Gitarre), Don Airey (Keyboard), Roger Glover (Bass) und Ian Paice (Schlagzeug) spielten am 15. Juli 2006 im Stravinski Auditorium einen Gig, der sich rein auf dem Papier wie ein Best Of der Engländer liest und nun auf Doppel-DVD und CD vorliegt.

Fulminant steigen die Briten gleich mit „Pictures of home“ aus dem 72er Machwerk „Machine head“ ein, doch bereits der Einsatz von Sänger Ian Gillan stößt auf wenig Gegenliebe. Soll das wirklich der Mann sein, der einem Klassiker wie „Child in time“ allein durch seine Stimme Gänsehaut verabreicht hat? Mühsam würgt er den Text aus sich heraus (besonders schlimm: „Space truckin´“ und „Highway star“) ohne auch nur annähernd in höher gelegene Bereiche vorzudringen, geschweige denn seine alte Form zu erreichen. Würden seine restlichen Bandmitglieder nicht vor unbändiger Spielfreude strotzen, man würde „Live at Montreux 2006“ lieber wieder aus dem Abspielgerät entfernen.

Diese liefern sich nämlich immer wieder hitzige Duelle, wie man sie von Live-Klassikern wie „Made in Japan“ kennt, allerdings ohne an die Großtaten von Jon Lord und Ritchie Blackmore anzuschließen, denn so sehr sich die unmittelbaren Nachfolger Don Airey und Steve Morse auch anstrengen, die Seele und Tiefe dieses legendären Duos werden sie nicht erreichen können. Nichtsdestotrotz bekommen beide einen Solopart zugewiesen den Morse zielsicher und mit technischen Spielereien versetzt in „The well dressed guitar“ über die Bühne bringt, wo er unter anderem kurz ein Stück von Led Zeppelin oder Jimi Hendrix einbaut, während Airey versucht seinem Vorgänger nachzueifern und eine Mixtur aus sakralen Klängen, Jazz und Klassik zum Besten gibt.

Das Kernstück bildet dennoch „Smoke on the water“, welches durch einen jazzigen Teil eingeleitet wird, um sowohl dem Festival thematisch näher zu kommen, als auch die Spannung zu forcieren. Beschlossen wird der knapp 2-stündige Auftritt durch eine 9-minütige Fassung von „Black night“, in der Gillan ein weiteres Mal aufgrund seiner stimmlichen Verfassung für Kopschütteln sorgt. Als Bonus gibt es ein zusammengeschnittenes, halbstündiges Interview mit allen Bandmitgliedern über verschiedene Themenbereiche wie die allseits bekannte Geschichte des Songs „Smoke on the water“, den Veranstaltungsort Montreux an sich, den Weggang von Jon Lord, als auch Ian Gillans Stimme, wo der Sänger erklärt „würde er ein oder zwei Jahre Pause machen, er könnte in seinem Alter wohl nicht wieder in die alte Form zurückfinden“. Angesichts der vorangegangenen, schwachen Darbietung fragt man sich, welche Form der gute Herr denn meint.

Auf der zweiten DVD verbirgt sich noch ein zehn Tracks umfassender Auftritt im Hard Rock Café, der allerdings durch die zappelige, amateurfilmhafte Kameraführung zu nah am Geschehen angesetzt wurde und durch gerade einmal drei Tracks, die nicht auf dem ersten Silberling enthalten sind („Fireball“, „I got your number“, „Perfect strangers“), wenig bietet, was noch nicht im Montreux-Set enthalten war. Als kleine Entschädigung liegen beide DVDs wenigstens in drei unterschiedlichen Abmischungen (Dolby Stereo, Dolby Surround 5.1, DTS Digital Surround Sound) im 16:9-Bildformat vor. Über das ausgemergelte Organ Ian Gillans tröstet das jedoch nicht hinweg.

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