The Brave And The Bold - The Brave And The Bold - Cover
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The Brave And The Bold The Brave And The Bold


  • Label: Domino/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch für sich selbst stehen die Macher dieser Scheibe, Tortoise und Bonnie ´Prince´ Billy alias Will Oldham, für individuelle Werke mit Langzeit- und ohne Nebenwirkung, außer eben dieser, dass Musik noch Kunst sein kann. 1993 trug diese Kunst erste Früchte, als Tortoise sowie Will Oldham als Mitglied der Palace Brothers ihre ersten 7-Inch Platten veröffentlichten. Nun steht ein gemeinsames Coveralbum mit Perlen von Bruce Springsteen, Devo, Minutemen, Elton John und anderen Lieblingssongs der Beteiligten in den Startlöchern und macht Spaß, ohne Genialität vermissen zu lassen. Verwinkelte Independent-Momente werden mit Pop und einem Spritzer Americana gewürzt, wenn diese zehn Tracks leicht und spielerisch manchen Hörer verzücken.

Mit viel Swing und sonnigem Feeling eröffnet „Cravo E Canela“ das Album und reißt umgehend ob seiner wahnwitzigen Spielfreude und Lockerheit mit. Bläser gesellen sich ebenso zu dem rasanten Einstieg wie eine Orgel, die sich in die Ohren gräbt und das Lächeln auf den Lippen der Hörerschaft hervorlockt. Melancholisch und mit lässiger Untergebenheit geht dagegen Bruce Springsteens „Thunder Road“ vor und formt das Lächeln zu bedächtiger, fassungsloser Tagträumerei. Einer großen Vorlage folgt eine angemessene Huldigung und lässt das Wagnis, derartige Klassiker zu interpretieren, als geglückt in dieses konzeptartige Gesamtwerk gleiten. Zum Ende dieses Tracks wird man druckvoller und gibt den Steilpass für „It´s Expected I´m Gone“, welches Anklang im Noise findet und Verzerrung in den Vordergrund rückt, ohne Eingängigkeit außen vor zu lassen und trotz oder gerade wegen seiner Indie-Rock Attitüde in diesem Kontext zu punkten. So wandert man weiter, verbindet entrückte Sounds mit staubiger LoFi-Ästhetik („Daniel“), der elektronische Beigaben nicht fremd scheinen und rockt sich mit Coolness durch „Love Is Love“.

Durchaus interessant und abwechslungsreich bleibt es stets, in dem sich zwei Galaxien wie die von Tortoise und Will Oldham treffen und jeder seinen Ideen nacheifert, die addiert werden und musikalisch erfrischend ineinander verpackt für sorglose Momente sorgen. Ungezwungene, Früchte tragende Arbeit ist der Faktor, den diese Kollaboration augenscheinlich verinnerlicht hat. Für den erfreuenden Ausgleich zwischendurch eine sich locker machende Angelegenheit, deren Langzeitwirkung jedoch nicht allzu lange vorhält und man sich früher oder später nach selbst geschriebenen Songs der beiden Akteure sehnt. Diese eignen sich deutlich besser, die ausgeklügelte Intelligenz von Tortoise und Will Oldham zu erfassen und in ihrem Paralleluniversum einen Platz zu ergattern. Das Coveralbum „The Brave And The Bold“ ist schön und sommerlich, doch für mehr als den Bonbon zwischendurch nur bedingt zu empfehlen.

Anspieltipps:

  • Thunder Road
  • Love Is Love
  • Pancho
  • (Some Say) I Got Devil
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