Duran Duran - Red Carpet Massacre - Cover
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Duran Duran Red Carpet Massacre


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 49 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Abgestürzt sind Duran Duran schon einige Male, doch irgendwie halt auch immer wieder aufgestanden. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ein Massaker ist die Ermordung von Menschen in großer Zahl und zumeist unter besonders grausamen Umständen, ein Gemetzel oder Blutbad, häufig im Zusammenhang mit Motiven wie Hass oder Rache. Steht so im Wikipedia. Duran Duran richten, dem Titel ihres aktuellen Werkes nach, ihre Rachegelüste gegen den Roten Teppich, dem Sinnbild für Glamour und für die (ab)gehobene Bedeutung derer, die über ihn wandeln dürfen. „Red Carpet Massacre reflektiert, was in der Popkultur passiert ist. Es geht nur noch darum, wer über den roten Teppich stolziert. Prominente stehen im Zentrum des kulturellen Lebens. Und viele stürzen dabei ab“ erklärt Drummer Roger Taylor die Wahl des Titels.

Nun, abgestürzt sind Duran Duran auch schon einige Male, doch irgendwie halt auch immer wieder aufgestanden. Und weil die vier Herren nach fast 30 Jahren, in denen sie ein mehr oder weniger bedeutender Teil der Popkultur waren, nun auch wirklich nicht mehr die Jüngsten sind, müssen Justin Timberlake und Timbaland diesmal beim Aufstehen helfen. Äußerst prominente Ge(h)hilfen also für eine alternde Boyband, leider jedoch ohne wirklich erfreuliches Ergebnis.

Die gemeinsam von Justin Timberlake und Duran Duran geschriebene Single „Falling Down“ klingt verdächtig nach Resteverwertung aus der „Futuresex/Lovesounds“-Produktion, brav auf Radiotauglichkeit getrimmt, vorhersehbar und äußerst langweilig. Zielsicher ins Leere stampfen auch die kalten Beats von „Night Runner“ und „Skin Divers“, zu denen der allgegenwärtige (und mittlerweile auch deutlich hörbar überarbeitete) Timbaland einige Vocals beisteuert. Starke Momente finden sich auf „Red Carpet Massacre“ eigentlich nur dann, wenn der immer noch ausdruckstarke Gesang Simon Le Bon’s einmal nicht vor die mächtig aufragende Synthie-Wand gefahren wird, wie dies im vergleichsweise sparsam instrumentierten „Box Full O’Honey“ der Fall ist. Auch „Dirty Great Monster“ klingt tatsächlich einmal eher nach Duran Duran als nach dem verzweifelten Versuch, ewiggestriges Liedgut in die Gegenwart zu transferieren.

Andy Taylor hat Duran Duran ein weiteres Mal verlassen, und mit ihm ging vermutlich auch der letzte Rest Eigenständigkeit einer ehemals großartigen Gruppe, die auf „Red Carpet Massacre“ manchmal den Eindruck erweckt, das Opfer einer musikalischen Vergewaltigung geworden zu sein. Immerhin werden sie nicht mehr über allzu viele Rote Teppiche laufen müssen. Ihr Weg führt eher ins endgültige Nichts, es sei denn, sie finden ihre eigene Identität doch noch einmal wieder. Wie bereits erwähnt: Abgestürzt sind Duran Duran schon einige Male, doch irgendwie halt auch immer wieder aufgestanden. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Anspieltipps:

  • The Valley
  • Box Full O’Honey
  • Dirty Great Monster

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