Wyclef Jean - Carnival II: Memoirs Of An Immigrant - Cover
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Wyclef Jean Carnival II: Memoirs Of An Immigrant


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 62 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch für „Carnival Vol. II“ hat sich die Menschmaschine wieder zahlreiche Gäste eingeladen und funktioniert gewohnt zuverlässig.

Er sei „eine Hitmaschine auf zwei Beinen“ steht in der Presseinfo von SonyBMG zur aktuellen Veröffentlichung des omnipräsenten Wyclef Jean zu lesen. Ein Mensch ist er demnach nicht mehr, sondern eher ein gut funktionierender Mechanismus, der bei entsprechender Programmierung kommerzielle Erfolge produziert. Tolle Sache eigentlich, zudem wesentlich verlässlicher und berechenbarer als es die aussterbende Spezies der eigenständigen Künstler jemals sein könnte.

„Carnival Vol. II – Memoirs of an Immigrant“ nennt sich die neueste Produktion dieser Maschine, vielseitig programmiert auf Rock, Raggae, HipHop, Rythm & Blues und natürlich auch Pop. Bevor dieser Mensch zur Maschine degradiert wurde, prägte er die Stilrichtung HipHop als bedeutender Teil der unsterblichen Fugees, denen mit „The Score“ ein Werk gelang, von dessen innovativer Größe das Genre auch heute noch zehrt. In der Folge waren seine Soloprojekte durchaus ertragreich, doch selten war er tatsächlich auch allein tätig. Kollaborationen mit Shakira, Whitney Houston oder Mary J. Blige waren hauptverantwortlich dafür, dass im Musikbusiness heute für inspirationsbedürftige Künstler kaum ein Weg am in Haiti geborenen Amerikaner vorbei führt. Zumindest keiner, der vergleichbaren kommerziellen Erfolg verspräche.

Auch für „Carnival Vol. II“ hat sich die Menschmaschine wieder zahlreiche Gäste eingeladen und funktioniert gewohnt zuverlässig. Sehr überzeugend gerät der Auftakt, brachial setzt Serj Tankin (System Of A Down) seinen Hardrock-Einfluss durch und lässt „Riot“ zu einem kraftvollen Beatmonster mutieren. Einen eher klassischen Wyclef-Sound bekommt die erste Auskopplung mit, „Sweetest Girl“ ist melodiöser HipHop, aufgewertet durch Akon und Lil Wayne. Für „Welcome To The East“ und „Slow Down“ hätte Wyclef ohne Qualitätsverlust auch Seeed und Gentleman um Beihilfe bitten können, Shakira hingegen ist für „King And Queen“ die fraglos beste Wahl, auch wenn ihr Part ein wenig so wirkt, als sei er erst nachträglich eingefügt worden. Wesentlich homogener klingt, was Paul Simon (!) zu „Fast Car“ beizutragen weiß, vielleicht auch deshalb, weil dieser deutlich hörbar seine Gitarre und möglicherweise auch eigene Ideen mit ins Studio bringen durfte. Eigene Ideen benötigt Mary J. Blige hingegen nicht, denn ihr Soul in der Stimme gibt auch der eher mäßigen Komposition „What About the Bay“ einen Sinn.

„Hollywood To Bollywood“ nervt im Anschluss mit seinen doch arg bemühten Bollywood-Anleihen trotz Hilfestellung von Chamillionaire gewaltig, bevor Norah Jones die aufkommende Nervosität beruhigt. „Any Other Day“ ist der vielleicht perfekteste Popsong des Jahres, was nicht unbedingt für das Musikjahr, durchaus jedoch für die Fähigkeit Wyclef Jean’s spricht, seinen Gästen Harmonien auf den Leib zu schneidern. Das war’s dann eigentlich auch schon mit den (textlich nicht identifizierbaren) „Memoirs Of An Immigrant“, die weiteren Tracks des Albums schwanken zwischen harmlosen Balladen („Heaven’s in New York“), anstrengendem Stilmix („Selina“) und auf dreizehn Minuten Spielzeit gedehntem und trotzdem nicht weniger überflüssigem Füllmaterial („Push The Button“).

Alles in Allem ist „Carnival Vol. II“ exakt das Album geworden, dass von Wyclef Jean erwartet werden konnte. Die „Hitmaschine“ läuft und läuft und läuft und wirft auch mit diesem Werk wieder Material auf den Markt, das sich gut verkaufen wird. Wirklich interessant dürfte es jedoch erst dann wieder werden, wenn aus der Maschine wieder ein Mensch geworden ist und die Einsicht folgt, dass Kreativität letztlich doch eine nicht berechenbare Größe ist.

Anspieltipps:

  • Riot
  • Sweetest Girl (Dollar Bill)
  • Any Other Day

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