Seether - Finding Beauty In Negative Spaces - Cover
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Seether Finding Beauty In Negative Spaces


  • Label: Wind-Up/SonyBMG
  • Laufzeit: 50 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Entwicklung dieser Band ist hörenswert.

Der neue Longplayer der südafrikanischen Band Seether, die schon einige Jahre in den USA lebt, wurde mit Spannung erwartet. Gleich zwei Ereignisse hatten den Frontmann, Sänger und Gitarristen Shaun Morgan erschüttert: die Trennung von Freundin Amy Lee, der Leadsängerin von Evanescence, und der Selbstmord seines Bruders Eugene Alain Welgemoed, dem er dieses Album widmet.

Der bekannte Produzent Howard Benson (P.O.D., Papa Roach, Hoobastank, My Chemical Romance) wurde verpflichtet, um die Wut und Trauer des Sängers in Songs zu bündeln, also eine Art Therapie, die nur das Musikbusiness bietet. Zur musikalischen Stilrichtung Neo-Grunge von Seether passt das makabererweise gut, denn aus der Verzweiflung und Wut eines Kurt Cobain von Nirvana entstand schließlich in den 90er Jahren der Grunge.

Mit einer satten Portion Härte präsentieren sich die drei Wahlamerikaner dem Hörer und lassen die Gitarren und Drums kreisen, aber auch der Sänger gibt von gutem Gesang bis zum ohrenbetäubendem Schrei alles. Der erste Song mit dem dezenten Titel „Like suicide“ stellt einen der härtesten Tracks dar, verfügt aber über eine Melodie, die nur fast von der Wucht des Vortrages erschlagen wird. Die Singleauskoppelung „Fake it“ klingt wesentlich eingängiger, da fliegen zwar auch die Gitarren tief, doch im Vergleich geht das als nahezu radiotauglich durch.

Ziemlich auffällig sticht „No Jesus Christ“ heraus: sieben Minuten lang durchschreiten Seether folgenden Weg: der anfängliche ruhige Gesang wird von Gitarrenriffen unterbrochen, nach 1½ Minuten bescheren die drei uns einen gewaltig harten Refrain, dann folgt wieder normaler Rock und nach vielen Tempowechseln lehnt man sich erschöpft in den Sessel zurück. „Walk away from the sun“ erinnert leider zeitweise an Nickelback, weil es zu zahm aus den Boxen dröhnt, die einfache Melodie besitzt aber eindeutig einen Ohrwurmcharakter, das kann man nicht abstreiten.

Seether wurden oft wegen ihrer fehlenden Eigenständigkeit abgewertet, diese CD stellt ein musikalisches Ausrufezeichen dar, denn Eigenständigkeit und Abwechslung scheint Trumpf zu sein. Trotzdem fühlt man sich von der gewaltigen Kraft der morganschen Wut manchmal überfahren, die Songs bleiben hörtechnisch etwas an der Oberfläche und setzen sich nicht fest, da es ihnen ein wenig an der songwriterischen Substanz fehlt. Ab und zu wundert man sich schon, ob das dieselbe Band ist, denn Tracks wie „Fallen“ oder „Rise above this“ klingen sehr unterschiedlich und das ist wohl die eigentliche Leistung von Seether.

Die Entwicklung dieser Band ist schon hörenswert, sanften und empfindlichen Gemütern kann dieser Longplayer aber nicht uneingeschränkt empfohlen werden. Was werden die eingefleischten Fans dazu sagen? Diese wilde Mischung aus recht gemäßigten und sehr aufrüttelnden Brüllsongs versucht den Spagat zwischen den Lagern zu schaffen, Probehören bleibt also Pflicht.

Anspieltipps:

  • Fake it
  • Breakdown
  • Rise above this
  • Walk away from the sun

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