Feeling B - Grün Und Blau - Cover
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Feeling B Grün Und Blau


  • Label: Motor/EDEL
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Dass es in der politisch streng zensierten DDR trotz aller Widerstände eine einflussreiche Punkszene gab, zeigt sich an Bands wie Dritte Wahl, Schleimkeim oder Die Skeptiker. Eine der dabei wichtigsten Ost-Punk-Bands war Feeling B. Zum einen gelang es der Band 1989, zu einer Zeit, als die Ostrepublik bereits in den letzten Atemzügen lag, mit „Hea Hoa Hoa Hoa Hea Hoa Hea“ das einzige offizielle Punk-Album der DDR zu veröffentlichen. Zum anderen waren mit Paul Landers, „Flake“ Lorenz und Christoph Schneider, gleich drei Mitglieder spätere Mitbegründer von Rammstein, eine der erfolgreichsten deutschen Rockbands. Selbst nach dem endgültigen Ende der Band, durch den tragischen Asthmatod des Sängers Aljoscha Rompe am 23.November 2000, gehörte die Gruppe durch ihren genreübergreifenden Sound zu einen der einflussreichsten der deutschen Musikgeschichte.

Dabei handelte es sich bei Feeling B um keine Punk-Band im eigentlichen Sinne. In Ihren Texten war weder von Bullenschweine noch vom Terrorstaat die Rede. Das sie nicht zu den Systemkritikern gehörten und ihre Songs voll Lebensfreude und Humor waren, ist wohl einer der Gründe warum ihr Debütalbum noch beim staatlichen Label Amiga erscheinen durfte. Soundtechnisch waren sie ihrer Zeit weit voraus, nur saßen hinter den Reglern damals staatsbedienstete Techniker, die zwar sehr gut ausgebildet waren aber mit Punk überhaupt nichts am Hut hatten. Dieser Umstand bewegte wohl den heutigen Rammstein Keyboarder Christian „Flake“ Lorenz, die alten Aufnahmen zu sichten und diese neu abzumischen. Mit dem klaren Ziel, die Aufnahmen genau so klingen zu lassen, wie es die Band damals gewollt hätte.

Beweist Feeling B in musikalischer Hinsicht belanglosen Opener „Graf Zahl“, durch den numerischen Liedtext, dass sie bis weit über hundert hinaus zählen konnten, beginnt der Punk Rock mit dem zweiten Song „Langeweile“. Vom Martin ist hier die Rede, der aus reinem Zeitluxus die Bibel übersetzte. Erstaunlich Systemtreu wirkt der „Frosch Im Brunnen“, in dem vollkommen kritisch und für damalige Verhältnisse politisch Korrekt, die berechtigte Frage nach dem Sinn der Freiheit gestellt wird. Ein wahrer „Aha-Effekt“ ereilt den Hörer beim fünften Track „Herzschrittmacher“. Erinnert der Text manch Einen auf eine unglaubliche zynische und dennoch humorvolle Art und Weise, an seine Zivildienstzeit im Altenpflegeheim, zeigt sich eindeutig warum Feeling B derart wegweisend waren – Soundtechnisch hätte das Stück auch von Rammstein sein können. Ein weiterer Beweis der tief verankerten Wurzeln beider Bands, ist der durchaus selbstkritische Song „Hässlich“. Bei „Schlendrian“ und „Veris Dulcis“ wird deutlich, dass der Einfluss der Gruppe weit über den Punk hinaus geht und im Mindesten bis zum Mittelalterrock reicht. Spätestens bei dem Titel „Gipfel“ erreicht Feeling B selbigen der Innovation, durch die für damalige Verhältnisse absolut zukunftsweisende Mischung aus Elektro, Punk und Wiener Walzer.

Nichts lag „Flake“ Lorenz ferner als mit „Grün und Blau“ ein „Best Of“-Album Felling Bs zu veröffentlichen. Dennoch hat er eine Art zeitgenössischer Retrospektive der Band geschaffen. Wirklich neu wirken nur „Wieder Keine Zeit“ und „Spacerace“, aber leider erschleicht sich beim hören das Gefühl, dass mit den Songs das Album lediglich um zehn Minuten verlängert wurde. Dennoch sollte „Grün und Blau“ als Stück deutscher Musikgeschichte in keiner gut gemischten Sammlung fehlen. Für Jäger und Sammler besonders empfehlenswert ist die Limited Edition, mit einem 160seitigen Buch mit Texten und Momentaufnahmen, das dass Damals aus heutiger Sicht verständlicher machen soll.

Anspieltipps:

  • Herzschrittmacher
  • Schlendrian
  • Gipfel
  • Hässlich

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