Gamma Ray - Land Of The Free: Part II - Cover
Große Ansicht

Gamma Ray Land Of The Free: Part II


  • Label: Steamhammer/SPV
  • Laufzeit: 63 Minuten
Artikel teilen:
8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die großen Erwartungen können nicht vollends erfüllt werden, die Qualität stimmt trotzdem!

Nach dem kreativen Notstand auf dem letzten Album versucht sich nun also auch die zweite Power-Metal-Bastion aus deutschen Landen an einer Vergangenheitsbewältigung der etwas anderen Art. Wenn neue Ideen Mangelware sind, kopiert man sich eben einfach selbst. Und wer könnte das besser als Kai „Klemptomane“ Hansen, der schon so ziemlich jede populäre Heavy-Metal-Gruppe auf eine Art und Weise zitiert hat, die an geistigem Diebstahl grenzt!? Aber wir wollen mit ihm mal nicht zu hart ins Gericht gehen, schließlich bewiesen er und seine Gammastrahlen auch oft genug Eigenständigkeit und vor Allem einen ungeheueren Spielwitz, der auf Alben wie „Land of the free“ (1995) und „Somewhere out in space“ (1997) dieselbe Wirkung entfaltete, wie das allseits bekannte Salz in der Suppe. Eine Prise Salz hätte auch „Majestic“ (2005) gut getan, das nicht zuletzt aufgrund seines ungewohnt düsteren Charakters wenig Anklang unter der Fangemeinde fand.

Dass „Land of the free II“ eine andere Richtung einschlägt zeigt schon der rasante Opener „Into the storm“, der so unverkennbar nach den klassischen Gamma Ray klingt, das man ihn schon fast als gewöhnlich bezeichnen könnte. Es tut trotzdem gut die alten Gamma Ray mit ihren frohlockenden Gitarrensolis und LSD-Melodien zu hören, wie sie auch bei „From the ashes“ im Vordergrund stehen, das als das erste zwingende Highlight des Albums angesehen werden kann. Richtig los legt die Band aber erst mit Track sieben. Bis dahin bekommt der Fan hochklassige, mit „Rain“ auch außergewöhnliche Standardkost um die Ohren gehauen, aber erst das bombastische „Empress“ lässt aufhorchen. Durch das gezügelte Tempo und den eingängige Grundriff geht der Song sofort in Fleisch und Blut über. Man ertappt seinen Körper unweigerlich beim Mitzucken. Zudem wirkt es wie ein Befreiungsschlag, denn die verbleibenden Minuten des Albums gehören zu den denkwürdigsten in der Geschichte der Band.

Zunächst schalten Gamma Ray mindestens zwei Gänge höher und lassen mit „When the world“ eine Speed-Granate par Excellenze auf den Hörer los. Das darauf folgende „Opportunity“ hat zwar Anlaufschwierigkeiten, steigert sich aber zu einem furiosen Longtrack, der Gamma Ray von ihrer besten Seite zeigt. Und das richtige „Longlight“ folgt ja erst noch. Vorher setzt „Real world“ aber neue Standards in Sachen Einprägsamkeit. Der parasitäre Refrain nistet sich sofort ein und kann nicht mehr entfernt werden. Das finale „Insurrection“ ist dann der schlichtweg beste Longtrack seit „Armageddon“.

Fazit: Land of the free II hat nur ein Problem: seinen Titel. Die damit verbundenen Erwartungen kann es nicht erfüllen, selbst wenn der qualitative Unterschied gar nicht so groß ist. Für sich genommen ist es ein verdammt starkes Album, das in etwa auf dem Niveau von „Powerplant“ (1998) anzusiedeln ist und „Majestic“ vollkommen vergessen macht. Gamma Ray melden sich eindrucksvoll zurück, machen wieder Spaß und bestätigen einmal mehr, dass die Rückbesinnung auf die eigenen Großtaten längst vergessene Tugenden zur Entfaltung bringt. „Land of the free II“ bewegt sich auf Augenhöhe mit dem neuen Helloween-Output und zeigt allen Emporkömmlingen wo der Power-Metal-Hammer hängt!

Anspieltipps:

  • Rain
  • Empress
  • Real world
  • Insurrection
  • Opportunity
  • From the ashes

Neue Kritiken im Genre „Power Metal“
7/10

Riding The Storm: The Very Best Of The Noise Years 1983-1995
  • 2016    
8/10

Ride The Sky: The Very Best Of 1985-1998
  • 2016    
Diskutiere über „Gamma Ray“
comments powered by Disqus