Seal - System - Cover
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Seal System


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 48 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Schade um die verpassten Möglichkeiten, denn die Stimme von Seal ist immer noch voller Schönheit und Ausdrucksstärke.

Seal Henry Olusegun Olumide Adelo Samuelhat, hauptberuflich Ehemann von Heidi Klum, vertrieb sich die Zeit zuletzt vornehmlich mit der öffentlichkeitswirksamen Suche nach seinen Pflegeeltern, dem Method-Acting in ungemein anspruchsvollen Werbefilmen und der eifrigen Ausübung karitativer Aktivitäten. Seal ist jedoch neben all diesen bedeutenden Tätigkeiten auch Musiker und als solcher unter (weniger beachtenswertem) anderem immerhin für „Crazy“, „Kiss From A Rose“ und „Love’s Divine“ verantwortlich, allesamt konsenztaugliche Lieder, die diese Welt tatsächlich einmal brauchte. Einen Song der oben genannten Güte sucht man auf seinem neuesten Werk „System“ leider vergebens.

Möglicherweise liegt dies daran, dass Stuart Price (unter anderem für Madonna’s „Confessions On A Dancefloor“ verantwortlich) die Kompositionen verkleidet hat. Die glitzern nun gewaltig und erinnern irgendwie an (Überraschung!) eben jene Stilikone. Nur war diese auch nie für ihren virtuosen Gesang bekannt, was die Zukleisterung desselben mit allerlei mordsmodernen Soundelementen durchaus sinnvoll erscheinen ließ. Und da liegt hier der berühmte Hase im Pfeffer, denn die Stimme von Seal hat solcherlei Ablenkungseffekte wirklich nicht nötig. Weil diese sich jedoch penetrant durch fast alle der zehn Songs ziehen und so dem Gesang häufig arg viel Raum nehmen, ist „System“ nicht mehr als ein gefälliges Dancepop-Album geworden. Mit eingängigen Melodien („Amazing“), echten Dancefloor-Knallern („Loaded“) und schmeichelnden Balladen auf der Suche nach einem Höhepunkt (Rolling).

„Immerhin“ möchte man sagen, doch es wäre durchaus mehr möglich gewesen, wie das eher zurückhaltend nachbearbeitete „Immaculate“ zu beweisen vermag. Da trägt einmal wirklich die einzigartige Stimme des Interpreten den Song und lässt sich nicht von fetten Beats und wabbernden Synthesizern in den Hintergrund drängen. Der Rest ist doch zu häufig Kirmesmusik. Geeignet für die Hintergrundbeschallung im Autoscooter, tolles Material für Radiosender ohne festgelegte musikalische Identität, aber nichts, was sich nachhaltig im Gedächtnis festsetzt. Obwohl, der „Wedding Day“, der bleibt doch ein wenig länger. Und mit ihm die Fragen, ob ein Duett mit der unvermeidlichen Heidi Klum wirklich so unvermeidlich war und ob Liebe neuerdings nicht nur blind, sondern auch noch taub macht?

Schade eigentlich um die verpassten Möglichkeiten, denn die Stimme von Seal ist immer noch voller Schönheit und Ausdrucksstärke. Es tut fast ein wenig weh, diese im (seinem Name alle Ehre erweisenden) „Dumb“ völligst sinnentleert „Dammdadammdammdamm“ singen zu hören. Etwas mehr Anspruch an sich selbst und vielleicht auch seinen ehemaligen Produzenten Trevor Horn sollte Herr Samuelhat zukünftig wieder mit ins Studio nehmen, wenn er die Welt musikalisch bereichern möchte. Seine Heidi darf er dafür dann zu Hause lassen.

Anspieltipps:

  • Loaded
  • Immaculate
  • Amazing

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