Tarja - My Winter Storm - Cover
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Tarja My Winter Storm


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 61 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Eines ist auf jeden Fall über alle Zweifel erhaben und das ist Tarjas grandiose, klassisch ausgebildete Stimme mit einem Spektrum von drei Oktaven.

Der Relaunch von Nightwish hat bestens geklappt, die Ex-Band von Tarja Turunen bricht auch mit neuer Sängerin alle Rekorde. Jetzt holt die finnische Sopranistin zum Gegenschlag auf und wirft mit „My Winter Storm“ ihr zweites Soloalbum auf dem Markt. Ihr dabei behilflich sind neben einem respektablen Marketing-Budget eine ganze Armada an Songwritern und Musikern. Anders als ihr Debüt von 2006 „Henkäys Ikuisuudesta“ halten diesmal auch wieder rockige Elemente ihren Einzug in den Sound, der klare Fokus bleibt allerdings auf melancholischem Balladenmaterial. Ob das reicht, um die Fans bei der Stange zu halten?

Eines ist auf jeden Fall über alle Zweifel erhaben und das ist Tarjas grandiose, klassisch ausgebildete Stimme mit einem Spektrum von drei Oktaven. Fragwürdig erscheint dagegen eher die Entscheidung, gleich mit mehreren Liedschreibern ins Studio zu gehen. „Viele Köche verderben den Brei“, heißt es im Volksmund und auch „My Winter Storm“ will einfach nicht wie aus einem Guss klingen. Man merkt zwar, dass die Songwriter ihr Handwerk verstehen, manchmal fehlt aber einfach das nötige Herzblut.

Tracks wie die erste Single „I Walk Alone“ mögen zwar mit epischer Melodie und harten Gitarren alle Zutaten für einen Fanliebling enthalten, können aber trotzdem zu keiner Sekunde mitreißen. Die Metalelemente wirken aufgesetzt und der Sound zu klinisch, die Drums könnten genauso gut von einem Roboter gespielt sein. Bei den Balladen „The Reign´“ und „Boy And The Ghost“ scheinen einfach die Höhepunkte vergessen worden zu sein. Und was alles bei der Coverversion des Alice Cooper Klassikers „Poison“ falsch ist, würde hier den Rahmen sprengen.

An anderer Stelle passt dann wieder alles. „Sing For Me“ ist feinster Bombast-Metal mit Orchester, Chor und allem was zu gehört. Positiv heraus sticht auch „Oasis“, der einzige Song, den Tarja ohne Hilfe geschrieben hat. Bester Ambient mit wunderschönem Piano und dem, was auf dem Rest des Albums oft fehlt: ganz viel Seele. An den letzten vier Nummern lässt sich auch nur wenig beanstanden: „Die Alive“ ist klingt mit Abstand am meisten nach Nightwish, viel besser hätte es Tuomas Holopainen nicht hingekriegt. Der Groover „Ciarán’s Well“ bricht so plötzlich über einen herein, dass der Autor dieser Zeilen beinnahe vom Stuhl gekippt wäre. Die Balladen „Minor Heaven“ und „Calling Grace“ lassen einen dann noch einmal so richtig schön schwelgen.

Somit ist Tarjas Zweitling kein vollkommener Reinfall, aber weit vom Niveau der Konkurrenz entfernt. Zwar gibt es wenige durchschnittliche Songs und dafür viele gute, dafür allerdings ebenso viele Ausfälle. Dadurch wird das Album so dermaßen ausgebremst, dass „My Winter Storm“ eben nicht mehr als Windstärke 5 erreichen kann.

Anspieltipps:

  • Sing For Me
  • Oasis
  • Calling Grace

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