Die Türen - Popo - Cover
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Die Türen Popo


  • Label: Staatsakt/INDIGO
  • Laufzeit: 60 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Rhythm And Blues im Holz! Die Türen entfernen sich nahezu gänzlich von ihrem vorwiegend Mischpult Arrangements dominierten Sound und entdecken ihre Liebe für „beseelte“ Musik. Waren das Debüt der Pop-Kapelle „Das Herz War Nihilismus“ und sein Nachfolger „Unterwegs Mit Mother Earth“ eher in der Abteilung „Druff uffn’ Bass“ anzutreffen, so scheint es heuer, als hätte die Band die Soul-Explosion der 70er Jahre für sich entdeckt.

Ihrem beträchtlich elektronisch dominierten Gitarrenpop früherer musikalischer Schreinereien wurde ein Riegel vorgeschoben und die Türen öffnen sich die Tür zu aufmunternden Sounderfrischungen aus Soul, Beat und Rock N’ Roll. Die seit ihrer Gründung vom Trio zum Quintett angewachsene Formation um Sänger Maurice Summen hat mit dem einstigen Blumfeld-Keyboarder Michael Mühlhaus sogar ein beinahe prominentes Bandmitglied dazu gewonnen. Markus Spin am Schlagzeug komplettiert das neue Line-Up der Band. „Popo“ heißt also das dritte offizielle Studioprodukt der Berliner Gruppe, dessen Titel bereits ausreichend Platz für Interpretationen bietet. Es klingt nach Ton Steine Scherben, Goldene Zitronen und enthusiastischem Punkrock. Aber auch nach gutem alten Mowtown-Soul, Twist & Shout und Buddy Holly.

Am ehesten wahrscheinlich aber nach einer wilden Mixtur aus all dem Ebengenannten. Energiegeladener denn je und mit zappelig pulsierenden Rhythmen im Bein versuchen die Türen ihrem Spaßband Image zu entfliehen. Und das geht so: „Pause Machen Geht Nicht“ ist die in eine poppige Melodie gehüllte Tirade gegen den bösen rachsüchtigen Kapitalismus unserer Zeit und auf „Daddy Uncool“ und dem mutmaßlichen Indie-Tanzflächenfüller „Sudoku-Mädchen“, bläst schnörkelloser Rock N’ Roll durchs frisch gewachste Haar. Einen wesentlich schwächeren Eindruck machen das sehr stark an ein bereits existierende Deichkindstück erinnernde „Sei Schlau Bleib Dumm“ und das musikalisch extrem weichgespülte und fast nervige „Im Norden Ist Der Süden Am Schönsten“.

Zu den Höhepunkten der Platte gehören „Der Blues Kommt Zurück In Die Stadt“, mit dem die fünf Türen wohl auch Elwood und Jake Blues höchstpersönlich rumgekriegt hätten, das durchgedrehte „Eier“ (mit ausgezeichnetem Refrain) und die mit fast acht Minuten Spielzeit beinahe episch lange „Indie Stadt“. Einzig und allein die Texte auf „Popo“ könnten der Scheibe die Überwinterungschancen in den heimischen Musikanlagen Vereishageln. Sänger Summen reiht Spruch an Spruch an Anekdote an Redensart an Alltagsbericht an Spruch an Redensart an Wortwitz an Spruch. Und genau wie bei diesem Satz, besteht auch hier die Gefahr mit einfach zuviel Informationen versorgt zu werden, die durchaus ein gewisses Gefühl der intellektuellen Entnervung und der akustischen Unlust aufkommen lassen könnten.

Dennoch: Ihren scheinbaren Ruf als Spaß- oder Ulkband haben die Türen mit „Popo“ eindeutig widerlegt. Und lässt man sich nicht von einem Anflug an lyrischer Überforderung in die Knie zwingen (wozu gibt es denn schließlich die Skip-Taste!), überwiegen hier unzweifelhaft die positiven Seiten einer Band, die mit ihrer punkig-ironischen Attitüde und ihren funky Melodien bestimmt einige neue Freunde dazu gewinnen wird.

Anspieltipps:

  • Eier
  • Indie Stadt
  • Sudoku Mädchen
  • Der Blues Kommt Zurück In Die Stadt

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