Billy Talent - 666 Live - Cover
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Billy Talent 666 Live


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 265 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach lediglich zwei Studioalben folgt bereits eine Monster-Live-Packung.

Also den Unterschied zwischen der „normalen“ und der Deluxe Version von „666 Live“ muss mir glaube ich erst einmal einer erklären. Bislang sehe ich nämlich keinen sinnvollen Grund dahinter, wieso sich eine teurere Fassung eines Albums dadurch auszeichnet, dass es denselben Inhalt in doppelter Ausführung beinhaltet. Im Falle der ersten offiziell im Handel erhältlichen Live-Veröffentlichung aus dem Hause Billy Talent bedeutet das nämlich: Die Standard-Ausgabe besteht aus einer DVD, die sich aus Mitschnitten von drei Stationen der letzten Tour (London, Düsseldorf, Nürnberg) zusammensetzt, und einer CD, welche das komplette Konzert aus Düsseldorf vom 20. Februar 2007 beherbergt. Im Gegensatz dazu bietet die etwas kostenintensivere Deluxe Version nicht etwa Musikvideos oder TV-Auftritte der Band auf DVD 2, sondern schlicht und ergreifend den Inhalt der CD in Bild und Ton, während DVD 1 das Ganze mit haargenau der gleichen Setlist noch einmal in voller Länge (mit Ausnahme von „Surrender) in der Brixton Academy in London liefert.

Zwar ist das Bild und der Sound (sieht man mal von der quiekenden und keifenden Stimme von Kowalewicz ab) durchaus anständig und zeitgemäß (wahlweise in PCM Stereo oder 5.1 Surround), was sich Warner von diesem Unsinn erhofft, bleibt jedoch absolut schleierhaft, schließlich war schon die Monsterpackung „Live shit: Binge & purge“ (1993) von Metallica schwer zu verdauen. Was bei den Herrschaften Ben Kowalewicz (Gesang), Ian D´Sa (Gitarre), Jon Gallant (Bass) und Aaron Solowoniuk (Schlagzeug) allerdings hinzukommt, ist die Tatsache, dass bereits die beiden höchst erfolgreichen Platten „Billy Talent“ (2003, Dreifach-Platin in Kanada) und „Billy Talent II“ (2006, Doppel-Platin in Kanada und Platin in Deutschland) aufgrund ihrer Kurzweiligkeit eine äußerst geringe Halbwertszeit aufzuweisen hatten, wodurch den zwei Scheiben von Anfang an keine Heavy Rotation im CD-Player beschieden war.

Und jetzt soll das Ganze live und in doppelter und dreifacher Ausführung funktionieren? Nach gut der Hälfte einer Show, die sich aus den größten Hits wie „Fallen leaves“, „Red flag“, „River below“ oder „Devil in a midnight mass“ zusammensetzt, weiß man: Nein, ganz und gar nicht. Billy Talent beweisen zwar eindringlich, dass sie rocken können, das Publikum oft und gerne miteinbeziehen und auf der Bühne keinesfalls Schmalhans Küchenmeister ist, aber das markerschütternde Organ von Ben geht einem auf Dauer noch stärker auf die Nerven als auf den Studioalben und dort befand sich seine Darbietung schon an der Schmerzgrenze. Wie in dieser Art und Weise 2 bzw. 3½ Stunden Live-Mitschnitte der Kanadier durchgestanden werden sollen, ist schier unbegreiflich. Wenigstens gibt es zum Ausgleich etwas Bonusmaterial, welches aus zwei Foto-Slideshows und einer 20minütigen Dokumentation „From London to Düsseldorf“ mit Backstage-Einblicken besteht. Einen Kommentar über den ebenfalls in der Deluxe Version enthaltenen Nürnberg Auftritt bei Rock am Ring („Perfect world“, „Sympathy“, „Try honesty“, „Nothing to lose“, „Fallen leaves“, „Red flag“) ersparen wir uns höflicherweise. Fazit: Lieber das Geld sparen und sich die vierköpfige Truppe wirklich live ansehen.

Anspieltipps:

  • Worker Bees
  • The Navy Song
  • Prisoner Of Today
  • Devil In A Midnight Mass

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