Marusha - Heat - Cover
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Marusha Heat


  • Label: Motor Music/EDEL
  • Laufzeit: 52 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach dem mehr oder weniger als Comeback einzustufenden, von vor drei Jahren erschienenen „Offbeat“ (04/2004), will es die legendäre Djane Marusha mit „Heat“ noch einmal wissen. Wie ihr letzter Output hat auch die neue Platte mit Rave bzw. Techno im näheren Sinne so gut wie gar nichts mehr am Hut. Viel mehr regieren vor sich hin wabernde Ambient-Teppiche und gebetsmühlenartiger Sprechgesang, die mit kopfhörertauglicher Abmischung mehr die Sinne ansprechen sollen, als das Tanzbein schwingen zu lassen. Was sich wie ein langweiliger, musikalischer Selbstfindungstrip anhört und selbst nach mehreren Durchgängen dieser Definierung ziemlich nahe kommt, entfaltet erst nach langer, langer Zeit seine wahre Faszination.

So gibt es z.B. das wundervolle „Wish“-Derivat „Atme“, in dem sich Marusha gemeinsam mit Dee N. ähnlich wie Franka Potente und Thomas D. einen verbalen Schlagabtausch liefert, der durch seine Stimmung und dem nachdenklichen Text den Hörer gleich auf mehreren Ebenen anspricht. Weniger wortgewandt, dafür mit einer wahrhaft schweißtreibenden Lektion in Sachen Tieftöner ausgestattet, lässt die Djane griechisch-deutscher Abstammung mit „Sweat“ einen Track vom Stapel, der einem buchstäblich den Atem raubt. Die erste Single-Auskoppelung „Kick it“, lässt sich als clubtauglicher Anheizer ebenfalls perfekt einsetzen, selbst wenn die lyrischen Ergüsse, wie in manch anderen Songs der Platte auch („What I say“, „Abendstern“, „Sexyfunkybody“), nicht immer gehaltvoller Natur sind.

Man könnte jetzt natürlich sagen, dass Texte im Rave, Techno oder generell in der elektronischen Musik, die zum Tanzen oder Entspannen anregen soll, sowieso zweit- oder drittrangiger Natur sind, aber „Heat“ beweist, dass es (in geringem Ausmaß) sehr wohl anders zugehen kann. Der genialen Prodigy-Hommage „Fear“ und dem ruhig gehaltenen Trance-Track „Antarctica“ stellen sich solche Fragen jedoch erst gar nicht und sie bedienen sich textlich beim Genre-Standard, was bedeutet, dass dem Hörer entweder gar keine oder nur wenige Wörter vorgesetzt werden. Trotzdem sorgen diese beiden Tracks für einen ausgewogeneren Eindruck und machen aus der neuen Scheibe Marushas eine solide Platte, die somit den Weg, den die Djane mit „Offbeat“ eingeschlagen hat, konsequent fortsetzt.

Anspieltipps:

  • Fear
  • Atme
  • Sweat

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