Joe Lally - Nothing Is Underated - Cover
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Joe Lally Nothing Is Underated


  • Label: Dischord/ALIVE
  • Laufzeit: 39 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Fugazi hauchten dem untergehenden Stern des Hardcore-Punk 1988 neues Leben ein. Das letzte Album der Amerikaner wurde 2001 veröffentlicht. Inzwischen sind die Mitglieder mit verschiedenen Projekten beschäftigt und Bassist Joe Lally legt nun sein zweites Solo-Album vor. Ganz ohne Fugazi geht es natürlich nicht und so finden sich unter Lallys Begleitmusikern das Fugazi-Gitarren-Doppel Ian MacKaye und Guy Picciotto. An Drummern wurde auch nicht gespart, das Schlagwerk teilen sich Ben Azzara (The Capitol City Dusters, DCIC), Ricardo Lagomasino (Capillary Action) und Devin Ocampo (Medications). Außerdem greift noch Eddie Janny (Rites Of Spring) in die Gitarrensaiten und Sam Krulewitch (Capillary Action) bedient die Keyboardtasten. Auch wenn sich das Line-Up sehr ausführlich darstellt, so ist die Instrumentierung auf „Nothing Is Underrated“ von eher zurückhaltender Art.

Was beim Hören des Albums sofort auffällt sind die nach vorne gemischten Bässe. Kein Wunder, es handelt sich schließlich um das Solo-Album eines Bassisten. Weniger durchschaubar sind beim ersten Durchlauf die Songstrukturen, so dass man gleich neugierig wird wie sich die Songs nach mehrmaligem Hören entwickeln. Schon mal vorneweg: sie gewinnen hinzu. Die Art wie Joe Lally seinen Bass spielt, prägt natürlich die 13 Songs. Da mahnt er so manches Mal (z. B. auf „Scavenger’s Garden“) an Peter Hook oder versetzt sein Instrument in federnde Schwingungen als wäre er eine Kreuzung aus Holger Czukay und Jah Wobble. Wer jetzt denkt, das Album klinge nach Joy Division, Can oder PIL, der ist auf der falschen Fährte. Nach Fugazi klingt es natürlich auch nicht, weder nach den frühen noch den späten. Joe Lally zieht eben sein ganz eigenes Ding durch, das sich nur schwer klassifizieren lässt.

Schleichende, intensive und emotionsgeladene Songs, die mit Hardcore-Punk nichts mehr zu tun haben, außer vielleicht der politischer Gesinnung und Attitüde, prägen dieses Album. Joe Lally ist sicherlich kein begnadeter Sänger, aber er versteht es die Spannungsfelder in seinen Songs zu setzen. Seine beinahe flüsternde Stimme steht im Kontrast zu den raumgreifenden Bässen, den teils verzerrten und verstörend gespielten Gitarren. Die eher spärlich eingesetzten Keyboards wirken dann um so überraschender und bürgen für weitere dramaturgische Momente. Das ist alles relativ unspektakulär zusammengesetzt, erzielt jedoch eine außerordentliche Wirkung.

Wie sein Solo-Debüt wurde auch das neue Album von Ian MacKaye im Dischord House produziert und abgemischt in den Inner Ear Studios. Man darf gespannt sein wie Joe Lally seine Musik auf der Bühne verwirklichen wird. Die groß angelegte Tour 2007/2008 durch Europa, Japan und die USA wird dies zeigen. Die aktuelle Scheibe weckt jedenfalls die Neugier auf die Live-Umsetzung.

Anspieltipps:

  • Scavenger’s Garden /li]
    Tonight At Ten
  • Via Nomentana
  • Skin And Bones
  • Painfully Aware

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