Mary J. Blige - Growing Pains - Cover
Große Ansicht

Mary J. Blige Growing Pains


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 65 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Mary J. „Ich hab’ mal auf der Strasse gelebt“ Blige geht es mittlerweile außerordentlich gut!

Mary J. „Ich hab’ mal auf der Strasse gelebt“ Blige geht es mittlerweile außerordentlich gut! „Growing Pains“ nennt sie ihr neuestes Werk nämlich nicht, um auf ihre möglicherweise leidvolle aktuelle Lebenssituation hinzuweisen, sondern weil sie nun weiß, dass „… es darum geht zu akzeptieren, dass zu jeder Veränderung und zu jedem Wachstum auch schmerzliche Erfahrungen gehören“. Solche hat die heutige Queen of Soul in ihrer bewegten Vergangenheit nämlich gesammelt, wie im Verlauf ihrer Musikkarriere die Grammy’s. Ihr Album „The Breakthrough“ wurde im Jahre 2005 gleich dreifach mit der begehrten Auszeichnung gewürdigt, der vorläufige Höhepunkt ihres Schaffens war erreicht. Und damit „Growing Pains“ sich nicht doch irgendwann als sehr treffend gewählter Titel für den Beginn ihres Abstiegs vom Soul-Olymp erweist, schart sie heuer ähnlich prominente Entwicklungshelfer um sich, wie beim hoch dekorierten Vorgänger.

Neben Tricky und Dream, Ne-Yo und Stargate, The Neptunes, Dre & Vidal, Jazze Pha und Sean Garrett für die Produktion engagierte sie Usher, Ludacris, Busta Rhymes, Lil Mama & Eve zur vokalistischen Unterstützung. Da hätte die diesjährige Vergabe des Grammy’s für den Bereich Rhythm and Blues auch gleich direkt zu ihr ins Studio verlegt werden können! Erstaunlicherweise klingt die Sammlung dieser zahlreichen Einflüsse tatsächlich homogen, was, wohlwollend formuliert, ein Hinweis darauf sein könnte, dass die gute Mary sich den roten Faden nicht aus der Hand nehmen lassen hat. Eine weniger wohlwollende Interpretation dieses Sachverhalts würde meine Mutter vermutlich mit den Worten „Is doch am Ende eh’ alles der gleiche Brei“ beschreiben.

Letztere Einschätzung wird der Qualität des Werkes jedoch nicht ganz gerecht, denn neben den gewohnt straighten Beats und einer Produktion, welche sich einmal mehr äußerst gegensätzlich zur Figur der schlanken Schönheit Mary J. verhält, wagt sich Miss Blige diesmal auch in die Grenzbereiche ihres ureigenen Genres. Sie flirtet unverhohlen mit sanftem Pop („Come To Me“), der gern auch etwas nostalgisch klingen darf („Fade Away“); lässt im glücksseligen „Just Fine“ kompetent den Funk auferstehen und bringt im soulig-warmen „Talk To Me“ gar dezente Bläsersätze unter. Natürlich fällt auch wieder einiges an Songmaterial ab, das sich als Klingelton verkaufen lässt - und wenn sich kompositorisch mal so gar nichts bewegt, dann rettet halt ihre unverändert wohlklingende Stimme den Song.

Da fragt auch niemand mehr, was Mary J. Blige da eigentlich von sich gibt, wenn sie sich in Lebensberatung für Frauen, die sich selbst nicht lieben versucht (Work That), Klageschriften an Männer, die ihre Frauen nicht lieben vorträgt, oder aber Friede, Freude und Eierkuchen deklamiert, wie dies in der ersten Auskopplung „Just Fine“ geschieht. „I Want You To Rescue Me/ Take Me From This Misery/ Put Your Arms Around Me Babe/ Hold Me Close Please Hear Me Say/ You Really Got A Hold On Me” ist übrigens ihr Verständnis von “Feel Like A Woman” - das hat selbst ein Dieter Bohlen schon weniger tumb zu reimen vermocht. Da Mary J. jedoch zu allerletzt an ihren Texten gemessen wird, dürfte „Growing Pains“ an die Erfolge von „The Breakthrough“ anknüpfen können und der Albumtitel sich nicht zur selbsterfüllenden Prophezeiung entwickeln. Und Lebensberatung für zweifelnde Frauen ist irgendwie auch wichtig. Nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht.

Anspieltipps:

  • Work That
  • Just Fine
  • Till The Morning
  • Come To Me (Peace)

Neue Kritiken im Genre „R&B“
9/10

Fragen Über Fragen
  • 2017    
7/10

A Seat At The Table
  • 2016    
Diskutiere über „Mary J. Blige“
comments powered by Disqus