Room 2012 - Elevator - Cover
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Room 2012 Elevator


  • Label: Starwatch/WEA
  • Laufzeit: 50 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Am 7. Dezember stand fest: Die Gewinner der aktuellen Popstars-Staffel heißen Tialda, Christobal, Julian und Sascha. Zusammen bilden sie die Pop-Formation Room 2012, den „heißesten Live-Act Deutschlands”. Außerdem wurden noch fünf Tänzer gecastet, die aber zum Ende der Show wie auch aktuell eher die zweite Geige spielen. Wozu bei der so genannten „Popstars Dance Company“ auf die Gesangsleistung geachtet wurde, ist schleierhaft, auf den Aufnahmen vom Debüt „Elevator“ glänzen sie jedenfalls durch Abwesenheit. Wurde hier etwa nur ein Grund gesucht, um die Sendezeit auf fast ein halbes Jahr zu strecken? Ganz aufgegangen scheint dies jedenfalls nicht zu sein, ließen die Quoten doch zuletzt schwer zu wünschen übrig. Trotzdem wird das Album aller Voraussicht nach sein Publikum finden.

In guter Monrose-Tradition ist die erste Singleauskopplung eine Ballade und trotz der nahenden Weihnachten ist „Haunted“ nicht unbedingt ein Glücksgriff. Der Beat genauso wie die Melodie ist eintönig, die Keyboards kleistern einfach alles zu. Der durchgängige Falsett-Gesang der drei Jungs geht ziemlich auf die Nerven, weckt aber auch Erinnerungen an einen gewissen amerikanischen Mädchenschwarm. Justin Timberlake, ick hör dir trapsen!

Womit wir mal wieder beim Punkt wären, nämlich dem Konzept, dass hinter Room 2012 steht. Der ehemalige N*Sync-Sänger steht noch für mehr Songs Pate, wahrscheinlich der Grund, warum die relativ gesichtslosen Christobal und Julian gecastet wurden. Mit der richtigen Produktion hören sich beide an wie Timberlake, sie lassen sich auf dem Album auch nur schwer unterscheiden. Für die etwas tieferen Akzente sorgt noch Sascha, der auch gleichzeitig die Rolle „Bad Boy mit Herz“ erfüllen darf. Und schlussendlich dürfen auch die männlichen Hörer, die auch einen Bravo-Starschnitt für ihr Zimmer brauchen, nicht vergessen werden. Mit der sexy Holländerin sind die bestimmt bestens bedient, immerhin ist sie ja auch die einzige Kandidatin, die durch ein Publikumsvoting in die Band kam.

Zurück aber zu den Songs: Neben weiteren kompletten Timberlake-Klonen wie „Take A Minute“ oder „Strungout“, halten auch andere Elemente ihren Einzug auf das Album. Da gibt es um Beispiel auch mal eine halbwegs rockige Gitarre zu hören, was im Falle von „Head Bash“ und „Fresh“ immerhin zu akzeptablen Ergebnissen führt. Ganz anders sieht die Sache bei „Put ’Em Up“ oder „Simple Things“ aus, die sich wie eine Mischung aus Fahrstuhlmusik und Kinderlied anhören. Textlich geht es um alles, was die pubertäre Zielgruppe interessiert, also hauptsächlich Liebe, Lust und Frust. Das führt dann zu eher grenzwertigen Ergebnissen wie der Blowjob-Hymne „Naughty But Nice“, kleine Kostprobe? „I like it baby, when you’re down on your knees / and if you wanna taste a heaven / you gotta say please.”

Wie bei jedem Release eines Castingprodukt stellt sich natürlich auch dieses Mal wieder die Gretchenfrage, ob es irgendeine Rechtfertigung für das Bestehen einer solchen Band gibt. Wie man an den aktuell fast siebzig Nutzerkommentaren einer deutschen Online-Verkaufsplattform ansieht gehen die Meinungen stark auseinander, meistens ohne überhaupt eines der Lieder angehört zu haben. Die Wahrheit liegt wie meistens irgendwo dazwischen. „Elevator“ ist weder ein künstlerischer Super-GAU noch das Album des Jahres, sondern einfach ein absolut durchschnittliches Pop-Album, auch nicht wirklich schlechter als das, was sich in den Charts sonst so herumtreibt. Vielleicht sollte man Room 2012 ein wenig Erfolg gönnen, allein schon dafür, dass sich die Vier ein halbes Jahr lang mit TV-Schreckensgestalt „D!“ herumtreiben mussten.

Anspieltipps:

  • Head Bash
  • Fresh
  • Haunted
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Jellies
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