The Mars Volta - Tremulant EP - Cover
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The Mars Volta Tremulant EP


  • Label: GSL Records/CARGO
  • Laufzeit: 20 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Was hat die Rockwelt getrauert, als sich die fantastische Band At The Drive-In mal einfach so auflöste. Das einzige was den Fan vor kompletten Heulausbrüchen bewahrte war das Versprechen, dass zwei Splittergruppen herauskommen sollten. Diese Gruppen waren Sparta und The Mars Volta. Sänger Cedric Bixler und Omar Rodriguez gründeten letzteren Verband. Das kreative Herz der Band also noch immer vereint. Dann steht einer Fortsetzung des kantigen Rocks von ATD nichts im Wege.

Die beiden Kreativköpfe mit den Prachtfrisuren haben das allerdings mitnichten vor. Der Schritt welcher schon auf der „Vaya EP“ von ATD zu hören war, soll das neue Gefüge The Mars Volta auszeichnen. Das heißt im Klartext: Progressive Klänge die jetzt noch mit Salsa und ekstatisch gespieltem Schlagzeug angereichert werden. Das ganze präsentieren sie ihrem zukünftigen Zuhörer so unmöglich wie es nur geht. 20 Minuten sind zwar eine ordentliche Laufzeit, doch die Spielzeit beschränkt sich dabei auf nur drei (!) Lieder.

Progressive Musik schreckt den ein oder anderen Hörer schnell ab. Besonders die der Ungeduldigen Sorte sind schnell vergrault. Diese Leute wollen Bixler und Rodriguez gleich aus dem Haus verweisen. Ziemlich genau zwei Minuten muss man sich nämlich gedulden, bis der Song „Cut That City“ überhaupt beginnt. Vorher schleppen sich dumpfe, unterschwellige Geräusche durch den Raum. Anstrengend! Aber die Belohnung ist umso größer. Längst hat der Hörer sich in Sicherheit gewähnt, da schlägt der Opener gnadenlos zu. Ein astreiner Gitarrenriff und ein kraftvoller Gesang verschrecken diesmal nicht, sondern erschrecken nur gehörig. Stimmverzerrer und ununterbrochener Einsatz der E-Gitarren-Pedale, sowie immer wieder auftretenden Keyboard-Synthesizer-Klänge zeigen einmal mehr die extreme Richtung, die The Mars Volta einschlagen. Die restlichen Musiker zeigen sind mehr als nur Statisten, aber die Show gehört doch den beiden Gründern.

Nach diesem (sechsminütigen) Auftakt kommt „Concertina“ erstaunlich konventionell daher. Es ist schon beinahe alleine die Art, wie Omar Rodriguez seine Gitarre versteht zu spielen. Nur wenige Passagen kommen vor, die so progressiv wie im Eröffnungstrack daherkommen. Aber nach drei Minuten herrscht ein einminütiger Instrumentalteil, der alles wettmacht. Den Abschluss bildet das Neun-Minuten-Monstrum „Eunuch Provocateur“. Dieser Song bietet indes alles, was man sich von einer Prog-Rock-Gruppe wie The Mars Volta nur erhoffen kann. Ein bedächtiger Auftakt. Diese unterschwelligen Geräusche und eine kantige Gitarre, die scheinbar unzusammenhängende Akkorde langsam und unregelmäßig von sich gibt. Ein treibendes Schlagzeug schaltet sich ein, dass den Song von Synthesizerklängen begleitet und dieser Gitarre im Hintergrund immer weiter nach vorne treibt.

Plötzlich setzt alles aus, unverständliche Stimmen erklingen und los geht’s! Die Instrumente werden bis ans letzte ausgereizt, mal geht es schnell, mal langsam. Hier wird nicht einfach nur Achterbahn gefahren, der Akt wird zelebriert. Alles aus den vorigen Stücken kommt zusammen und vereinigt sich zu diesem erstaunlichen Ergebnis. Damit man sie dann doch nicht zu sehr liebt (oder vielleicht endlich vergöttert) endet das zwanzigminütige Erlebnis genau so, wie es auch angefangen hat. Ganze drei Minuten begleiten eine bloß hallende Samplerklänge.

Ohne Frage beschreibt diese EP ein schier unerschöpfliches Potenzial, das The Mars Volta abzurufen vermag. Verschroben, verrückt, vielschichtig und vielleicht verkannt. Der einzige Makel ist die schwache Songdichte. Zehn Minuten mehr hätten es schon sein dürfen und wenn das dann auch nur ein Lied mehr gewesen wäre. So kann der Rezensent die Platte nur als guten Geheimtipp für die Zukunft abgeben und empfiehlt, dass wenn man schon reinhört, gleich alle Lieder anhören muss. Langweilig wird einem bestimmt nicht dabei!

Anspieltipps:

  • Cut That City
  • Concertina
  • The Eunuch Provocateur

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