Damien Rice - Live From The Union Chapel - Cover
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Damien Rice Live From The Union Chapel


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 36 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn sich selbst Cello und Gitarre gegen den Gesang stellen, lässt Damien Rice sämtliche Verzweiflung, die hier als Inspiration diente, spürbar werden.

Es gibt Menschen, um die sorgt man sich ein wenig wegen dem, was sie in aller Öffentlichkeit so tun. Damien Rice ist so ein Mensch. Er schreibt Lieder, aus denen so viel Wut, Trauer und Zerrissenheit klingt, dass man ihn eigentlich auf der Stelle in den Arm nehmen und vor sich selbst schützen möchte. In der Union Chapel zu London, einem prachtvollen gotischem Kirchenbauwerk, teilt er sein Leid in hochheiliger Atmosphäre mit einer Schar ergriffener Zuhörer, deren Begeisterung sich häufig in ihrer wohl schönsten Form ausdrückt: In ehrfürchtiger Stille.

Geradezu hypnotisiert lauscht das Publikum den prinzipiell recht schlicht und klar strukturierten Kompositionen des irischen Melancholikers, welche durch eine äußerst reduziert gehaltene Instrumentierung (meist Cello und akustische Gitarre) vor allem von der stimmlichen Ausdrucksstärke Rice’s und seiner langjährigen Partnerin Lisa Hannigan getragen werden. Vier Songs aus "O", eine nah am (unerreichbaren) Original gebaute Version des Nina Simone-Klassikers „Be My Husband“ und zwei neue Titel finden sich auf „Live At Union Chapel“ wieder. Eine Auswahl, die fast ausschließlich die gefühlvolle, ruhige Seite des Damien Rice präsentiert. Außen vor bleiben die kraftvollen Noise-Attacken, mit denen er während seiner Tournee häufig die in ihn gesetzten Erwartungen der Besucher kontrastierte. Gut so, denn „Live At Union Chapel“ lässt sich als leises, hochemotionales Kunstwerk verstehen, dass in 36 Minuten eine Intensität erreicht, die sich kaum länger aushalten lässt als die verhältnismäßig kurze Zeit, die es andauert.

Die bisher unveröffentlichten Songs „Then Go“ und „Baby Sister“ passen sich in die Setlist, die so eindringliche Songs wie „Volcano“ und „Amie“ enthält, ohne jeden Qualitätsverlust ein und lassen auf weitere Großtaten des introvertierten Songwriters in der nahen Zukunft hoffen. Bemerkenswert ist auch das vollkommene Verständnis bei den gemeinsamen Gesangsparts der beiden Protagonisten, die hier eindeutig etwas anderes tun, als gemeinsam zu singen. Sie leben ihre Lieder in einer in der Musikgeschichte selten erreichten Harmonie. Höhepunkt dieses Konzertmitschnitts ist sicherlich der Song „The Blowers Daughter“, der im Vergleich zur Studioversion noch einmal an Dramatik gewinnt. Wenn sich gegen Ende des Titels selbst Cello und Gitarre gegen den Gesang stellen, lässt Damien Rice sämtliche Verzweiflung, die hier als Inspiration diente, spürbar werden. Wer da nicht mitfühlt, ist emotional vermutlich bereits tot.

Zum Abschluss trägt Lisa Hannigan das um eigene Textzeilen ergänzte Traditional „Silent Night“ vor. Einzig ihre Stimme ist es, die den Kirchenraum füllt. „Sleep In Heavenly Peace“ sind die letzten Worte eines unglaublich gefühlsbetonten Konzertes. Und denen ist nichts hinzuzufügen.

Anspieltipps:

  • The Blower's Daughter
  • Volcano
  • Baby Sister
  • Amie

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