Runrig - Hit Collection-Edition - Cover
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Runrig Hit Collection-Edition


  • Label: Ariola/SonyBMG
  • Laufzeit: 77 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Freunde von handgemachtem Folk-Rock, die die Band erst noch kennen lernen wollen, können bedenkenlos zugreifen.

Wer hierzulande an das Genre Folk-Rock in Verbindung mit Dudelsäcken und Akkordeons denkt, dem kommen unweigerlich sofort Schandmaul, In Extremo und ähnlich angehauchte Mittelalter-Formationen in den Sinn. Wenn dazu noch Songtexte mit historischen Themen kommen, scheint der Fall klar zu sein. Dennoch hat die schottische Band Runrig mit den oben angesprochenen Vertretern des Genres recht wenig zu tun.

Die seit 1973 in stark wechselnder Besetzung aktive Band hat sich einer deutlich folkigeren, auch poppigeren Variante verschrieben. Die Metal- und Gothic-lastigen Einflüsse der Brandenburger Kollegen von Subway To Sally sucht man hier vergebens. Obwohl sich Runrig auch in Deutschland einer beständigen Fanschar erfreuen können, kann von einer echten Berühmtheit kaum die Rede sein. Somit könnte man ohne eine gewisse Vorbildung von vornherein die Notwendigkeit einer „Hit Collection“ in Frage stellen. Damit aber würde ausgeblendet, dass die Folk-Rocker in ihrer Heimat mit etlichen Alben und Singles auf beachtliche Charterfolge zurückblicken können. Und ein Blick auf die deutschen Bestenlisten verrät uns: das letzte Album „Everything You See“ kletterte auch in Deutschland auf Platz 15 der Albumcharts.

Also muss ein bisschen Retroperspektive erlaubt sein. Wer allerdings in der vorliegenden „Hit Collection“ eine Zusammenschau des kompletten bisherigen Schaffens vermutet, wird enttäuscht. Die Tracklist dieses Albums enthält lediglich Titel der letzten zehn Jahre der Bandgeschichte und somit ausschließlich Aufnahmen, die mit dem „neuen“ Sänger Bruce Guthro (immerhin auch schon seit 1998 dabei) entstanden. Dass damit etliche der bekannteren Runrig Songs außen vor bleiben, versteht sich von selbst. Darunter befindet sich auch der Klassiker „Loch Lomond“, der von vielen Fans als DER Runrig-Song überhaupt angesehen wird. Schade, denn so wirkt die Plakatierung als „Hit Collection“ etwas wie Augenwischerei. Zudem fällt auf, dass sich unter den enthaltenen „Hits“ kaum eine Single der vergangenen Jahre befindet.

Das Ergebnis ist allerdings deshalb noch lange nicht schlecht. Songwriterische Klasse hat jeder der hier veröffentlichten Songs. Dass der großteils doch etwas arg poppige Stil nicht unbedingt jedermanns Sache ist, versteht sich dabei von selbst. Denn bei den einzelnen Songs geht es überwiegend midtempo-folkig („Maymorning“, „Running To The Light“, „Empty Glens“) oder unverhohlen pop-balladig („Running To The Light“, “This Is Not A Love Song”, „The Old Boys“) zur Sache. Die echten Highlights kommen gegen Ende der Platte: „The Message“ und „The Engine Room“ kommen mit tollen Akkordeon und Dudelsack Sounds daher – und erinnern dabei doch wieder an Schandmaul.

Ein zusätzlicher Kaufanreiz für die Fans ist praktisch nicht vorhanden. Lediglich eine Live-Version von „Protect And Survive” unterbricht die Zusammenstellung bekannter Titel. Für die Anhängerschaft ist diese „Hit Collection“ aber wohl auch nicht gedacht. Freunde von handgemachtem Folk-Rock, die die Band erst noch kennen lernen wollen und denen die deutschsprachigen Alternativen zu Gothic-lastig sind, können bedenkenlos zugreifen.

Anspieltipps:

  • Protect And Survive - live
  • The Message
  • The Engine Room

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