Fler - Fremd Im Eigenen Land - Cover
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Fler Fremd Im Eigenen Land


  • Label: Aggro Berlin/Universal
  • Laufzeit: 60 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Kaum hatte Platin-Rapper Bushido (29) mit seinem Ersguterjunge-Label beim Vertriebspartner Universal Music die Koffer gepackt, um zur Konkurrenz von SonyBMG zu wechseln, gab der Major bekannt, dass mit Aggro Berlin ein Nachfolger verpflichtet wurde. Ausgerechnet das Label, das Bushido 2004 im Streit verließ und seitdem wie einen Erzfeind behandelt. Größtes Hassobjekt der Berliner ist Fler (25), mit dem Bushido zu seiner Aggro-Zeit befreundet war und nun nichts als Abscheu für ihn empfindet. Seitdem jagt ein (werbewirksamer) Beef den nächsten, ohne Aussicht auf Besserung für das Verhältnis der beiden Rapper.

Ist ja auch eigentlich wurscht. Hauptsache die Jungs stehen irgendwie in der Presse. Und Kollege Fler (bürgerlich Patrick Losensky) weiß besonders gut, wie das geht. Zumindest glaubt er das. Denn seine Koketterie mit Deutschtum und Nationalismus auf und im Umfeld seines Albums „Neue Deutsche Welle“ (05/2005) war moralisch äußerst umstritten. Sicher ist Fler kein Rechtsradikaler, aber er provoziert auch mit dem neuen Album „Fremd im eigenen Land“ ganz gezielt, wenn auch nicht mehr so stark, mit dieser Thematik, wie die erste Singleauskopplung „Deutscha Bad Boy“ und „Ich bin Deutscha“ unter Beweis stellen. Dazu kommt eine nicht selten dumpfe Proleten-Lyrik mit Aussagen wie „Berlin, das ist die ich-fick-deine-Mutter-Stadt“, „Leute sagen ich bin Nazi. Mir egal, sagt was ihr wollt, Hauptsache der Rubel rollt“, „Ich zertrümmer deinen Schädel, bis dich keiner mehr erkennt“ oder „Ich bin der deutsche Osama“.

Nein, Fler nimmt wirklich kein Blatt vor den Mund. Und wirklich toll finden muss man das auch nicht, was der Berliner auch heuer wieder so inhaltlich verzapft. Doch eines muss man ihm und den Produzenten Shuko, Desue, Djorkaeff und Goofiesmackerz zu Gute halten: Musikalisch ist die Truppe um Abwechslung bemüht. Die Beats klingen variantenreich, es werden (Samples?) von E- und Akustikgitarren, Streichern und Pianoklängen eingestreut (z.B. bei R&B-Midtempotrack „Mein Jahr“ im Duett mit Nadja Benaissa von den No Angels oder im balladesken „Warum bist du so?“) und dann und wann dürfen auch richtig derbe Boller-Beats abgefeuert werden („Chefsache feat. Sido“). Richtig gut ist „Fremd im eigenen Land” aber immer dann, wenn Fler Humor beweist und sich selbst nicht so ernst nimmt (z.B. im gestellten Dialog „Fler vs. Frank White” oder beim reichlich coolen „Clubbanger feat. Massiv“). Erkenntnis der Woche: Der dicke Junge aus Berlin kann sich tatsächlich mal locker machen und kann damit ein paar Sympathiepunkte einfahren.

Anspieltipps:

  • Clubbanger
  • Mein Mädchen
  • Roll auf Chrome
  • Alles was ich brauch
  • Fler vs. Frank White
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