Leona Lewis - Spirit - Cover
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Leona Lewis Spirit


  • Label: Syco/SonyBMG
  • Laufzeit: 56 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Vertrauen in die junge Künstlerin war wohl nicht groß.

Vor einem Jahr gewann Leona Lewis das britische Castingshowformat „X-Factor“ und wurde mit Lobeshymnen überschüttet. Zusammen mit diversen Produzenten und Songschreibern bekam die Sängerin ein Jahr Zeit, um ihr Debütalbum aufzunehmen. Bei Castingshow-Gewinnern stellt das eine unglaublich lange Zeit dar, die Branchenriese SonyBMG da gewährte.

Der erste Nummer Eins Hit kurz nach dem Ende der Show war das Kelly-Clarkson-Cover „A Moment like this“, das schon die Qualitäten der Britin beweist: Sie nennt eine unglaubliche Stimme ihr Eigen, die an die frühe Whitney Houston oder auch Mariah Carey erinnert und sehr viel Intensität ausdrückt. Leider beteiligt sich die 22-Jährige nur an zwei Songs kompositorisch selbst, bzw. ist eher zu vermuten, dass sie den Text geschrieben hat. Die restlichen 12 Tracks komponierten und produzierten recht bekannte Namen wie Ryan Tedder, der im Moment mit seiner Band OneRepublic und dem Singlehit „Apologize“ nicht nur die deutschen Charts anführt, Sängerin Avril Lavigne, Jörgen Elofsson (Kelly Clarkson, Britney Spears) und Ewan MacColl (Frank Black, Simple Minds), um nur einen Teil zu nennen.

Eindeutig im Vordergrund steht die melodramatische Ballade, die das Jungtalent hörbar beherrscht. Der Whitney-Houston-Vergleich kommt nicht von ungefähr und spätestens bei „Here I am“ bekommt man ein Deja-vu-Erlebnis: genau, das klingt wie Whitney in ihren besten Tagen und auch der Songschreiber dieses Tracks, Walter Afanasieff, komponierte einige Houston-Hits. Der sich steigernde Aufbau der Ballade bis zum stimmlichen Höhepunkt macht ihm und Leona Lewis so schnell keiner nach.

Die erste Singleauskoppelung in Deutschland, „Bleeding Love“, wuchert mit ordentlichen Pfunden: Ryan Tedder schneidert Leona Lewis einen Pop-Ohrwurm auf ihr Organ, da warten andere ein ganzes Musikerleben darauf. Nach den positiven Eindrücken von den Balladen, die eindeutig in der Überzahl sind, bleibt aber die negative Erkenntnis, dass einige der Werke doch sehr konstruiert wirken und immer in die gleiche Kerbe schlagen. Natürlich singt Lewis um Längen besser als viele Kolleginnen, aber immer die gleiche Herz-Schmerzgeschichte bringt zu wenig Abwechslung.

„Whatever it takes“ versucht mit im Vordergrund stehenden Beats den Spagat zwischen R&B und Pop zu schaffen, nur der auffällige Backgroundchor sowie die vielen Instrumente und Töne neigen dazu - zwar vergeblich - die Lewis-Stimme zu übertönen, das klingt aber zu sehr nach 08/15. Ihre Stärke spielt Lewis bei „Homeless“ aus und verabreicht dem Hörer bei Pianobegleitung eine ordentliche Gänsehautportion. Den letzten Höhepunkt stellt der schon erwähnte britische Bonus-Song „A Moment like This“ dar. Auch wenn die britische Castingshowteilnehmerin der amerikanischen, Kelly Clarkson, nacheifert, erreicht Lewis fast noch mehr Punkte, denn den balladesken Song performt sie nahezu perfekt.

Das Vertrauen in die junge Künstlerin war dann wohl doch nicht so groß, die verpflichteten Hitgaranten kochen auch nur mit Wasser und können nicht auf Knopfdruck nur sanfte und erfolgreiche Balladen produzieren, anders gesagt: Mittelmaß gehört eben auch dazu. Gesanglich stellt Lewis eine Bereicherung der Musikwelt dar, nur das Sicherheitsdenken der Musikbranche verhindert leider eine höhere Wertung.

Anspieltipps:

  • Bleeding Love
  • Homeless
  • Here I am
  • A Moment like This

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