Rotifer - Coach Number 12 Of 11 - Cover
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Rotifer Coach Number 12 Of 11


  • Label: Wohnzimmer/Broken Silence
  • Laufzeit: 36 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Lied zu schreiben, dass nicht dämlich klingt, obwohl es die sich mehrfach wiederholenden Worte „Grete Schütte-Lihotzky“, „Speisekammer“ und „Arbeitsfläche“ enthält, hätte ich bis eben noch für unmöglich gehalten. Nun singt Rotifer eien Ode an die architektonische Mutter aller Küchen, verwendet die genannten Worte und belehrt mich eines Besseren. „Robert writes in his second language better than I think in my first“ lobhudelt Darren Hayman, seines Zeichens ehemaliger Sänger und Songwriter der Gruppe Hefner, den in England lebenden Österreicher nicht zu Unrecht.

Der „Coach Number 12 Of 11“ ist keine Bummelbahn, vielmehr ein Schnellzug, mit dem Rotifer durch blühende Countryrock-Landschaften reist und aus dem Fenster blickend allerlei Merk- würdige Eindrücke sammelt. Im Vergleich zum politisch engagierten Vorgänger „Before The Water Wars“ nimmt sich Rotifer jedoch keines durchgehenden Konzepts an, eher sind seine Texte beiläufige, vermeintlich belanglose Betrachtungen der Wahrheiten des Alltags. Diese werden ausnehmend fröhlich und fast durchgängig tanzbar verarbeitet, und obwohl sich die Instrumentierung meist auf recht schlichte Akkordfolgen beschränkt und sich neben der Gitarre nur selten weitere Klangerzeuger andienen, klingt die Musik Rotifer’s ausgesprochen eigen.

Der kraftvolle Opener „I Believe You“ eröffnet die 36minütige, stets zielsichere Reise in die Vergangenheit mit viel Elan und mitreißendem Takt, lästige Wartezeiten in öden Bahnhofshallen bleiben in der Folge aus. Denn wirkliche Schwächen erlaubt sich „Coach Number 12 Of 11“ nicht, auch wenn Titel wie „Ker-Chink“ und „Turning To Crime“ etwas Anlaufzeit benötigen, um zu überzeugen. Ein wenig gemahnt ein Song wie „Happy All Your Life“ zwar an die Beatles, meist jedoch fällt es schwer, dem musikalischen Gedächtnis Vergleichbares zu entringen.

Vielleicht ist „Coach Number 12 Of 11“ so etwas wie der längst überfällige Gegenentwurf zur bedeutungsschweren Melancholietriefigkeit in der aktuellen Singer/Songwriterszene. Es braucht keinen Kübel Tränen, um traurige Erkenntnisse wie „You Can’t Be Happy All Your Life“ auszudrücken. Hingegen braucht es viel lyrisches Talent, um Worte wie „Grete Schütte-Lihotzky“, „Speisekammer“ oder „Arbeitsfläche“ in einer guten Komposition unterzubringen. Aber das hatten wir schon.

Anspieltipps:

  • I Believe You
  • The Frankfurt-Kitchen
  • Happy All Your Life
  • Who Do You Know

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