Eels - Meet The Eels: Essential Eels 1996-2006 Vol. 1 - Cover
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Eels Meet The Eels: Essential Eels 1996-2006 Vol. 1


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 80 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

So glückselig klingt Trauerarbeit nur im Hause Everett.

Die einzige Konstante in der musikalischen Karriere der Eels ist die Veränderung. Geprägt wurde diese von Sänger & Songwriter Mark Oliver Everett und dessen beträchtlichem Eigensinn. Wer zu welcher Zeit in welchem Stil mit dem knorrigen Amerikaner musizieren durfte, entschied stets nur er selbst. Ohne jeden Kompromiss setzte Everett seine veränderlichen musikalischen Vorstellungen um und blickt nun mit „Meet The Eels“ und der gleichzeitig veröffentlichten Sammlung musikalischer Fundstücke am Wegrand seines Wirkens „Useless Trinkets“ auf all das zurück, was er in den Jahren zwischen „Beatiful Freak“ (1996) und „Blinking Lights and Other Revelations“ (2005) erdacht und realisiert hat. Und das ist – quantitativ wie qualitativ – einiges!

Fraglos ein treuer Begleiter war Everett in dieser Zeit das Leid. Familiäre Schicksalsschläge und zwischenmenschliche Missverständnisse ließen ihn in seinen Texten immer wieder aus der Sicht des einsamen, verlassenen Mannes berichten, allerdings niemals weinerlich und selbstvergessen, sondern stets mit einem Humor versehen, der gern auch mal mit Sarkasmus verwechselt wird.

Mit „Novocaine For The Soul“ eröffnet das Treffen mit den Eels jener Song, welcher durch die Kombination brachialer Gitarrenriffs mit aufdringlich melodischer Eingängigkeit einst den Durchbruch bedeutete. Irgendwie unerklärlich „niedlich“ war der Auftakt zur großen Karriere des Mark Oliver Everett geraten, dessen Zuneigung zu kindlichen Klangerzeugern sich auf dem Erstling „Beatiful Freak“ noch wesentlich ausgeprägter und eben verspielter ausdrückte (wie vor allem auf dem - leider hier nicht berücksichtigten -, mit schiefem Kirchenchoral unterlegten „Flower“ nachzuhören), als auf dem vergleichsweise nüchternen Zweitwerk „Elektro-Shock Blues“.

Zwar erweiterte er hier seine Kompositionen mit Versatzstücken aus Hip-Hop, Jazz und gar Rap, doch ausdrucksstärkster Vertreter dieses vordergründig von der Trauer um seine verstorbene Schwester inspirierten Werkes ist das eindringliche, fast ausschließlich von der Akustikgitarre begleitete Rührstück „Climbing To The Moon“. Die Demarkationslinie zur Radiotauglichkeit übertrat Everett auch hier nicht, „Last Stop This Town“ musste von seiner Plattenfirma vor der Verwertung als Single editiert werden, was der beleidigte Künstler mit den Worten „They sucked all the Dynamics and Life out of the Song“ kommentierte. Zur Strafe nannte er den wohl innigsten, ehrlichsten Song, den er je schrieb „It’s A Motherfucker“ und vernichtete damit jegliche kommerzielle Verwertbarkeit der Ballade. „I Like Birds“, eine penetrant fröhlich instrumentierte Absage an alltägliche Belanglosigkeiten, fiel ihm während der Aufräumarbeiten im Haus der Mutter nach deren Tod ein – so glückselig klingt Trauerarbeit nur im Hause Everett.

Nach dem gefälligen „Daisies of the Galaxy“ folgten die Eels deutlich dröhnenderen Pfaden und veröffentlichten das Rock-Manifest „Souljacker“, dass ob seiner Bedeutsamkeit für die Entwicklung der Band mit den Titeln „Souljacker Part 1“, „That’s Not Really Funny“ und „Fresh Feeling“ hier fast ein wenig unterrepräsentiert ist. „Shootenanny“ setzte den eingeschlagenen Weg in den Rockolymp fort und wird auf „Meet The Eels“ durch „Saturday Morning“, Love Of The Loveless“ und einer tränentreibenden Live-Version von „Dirty Girl“ angemessen gewürdigt, bevor Everett mit dem gewollt sperrigen Doppelalbum „Blinking Lights and Other Revelations“ einmal mehr die Richtung änderte. Zwar lässt das vom Saxophon getriebene „Hey Man (Now You’re Really Living)“ noch die tongewordene Euphorie vermuten, doch insgesamt schlägt „Blinking Lights…“ wieder deutlich ruhigere, nachdenklichere Töne an als seine Vorgänger. Am Ende der Zusammenstellung stehen die Titel der letzten regulären Veröffentlichung als ein Versprechen an die Zukunft, als blinkende Lichter der Hoffnung auf weitere Großtaten eines wahrlich eigenartigen Künstlers.

„Meet The Eels – Essential Eels Part 1“ enthält neben 23 (!) sorgsam ausgewählten Lieblingssongs des Protagonisten mit “Get Ur Freak On” (Missy Elliot) eine außerordentlich gelungene Coverversion und zudem eine DVD mit zwölf durchgängig sehenswerten Videos, unter denen auch das von Wim Wenders virtuos visualisierte „Souljacker Part 1“ zu finden ist. Uneingeschränkt empfehlenswert wird dieses Werk zuletzt durch ein liebevoll gestaltetes Booklet mit humorvollen Einsichten in die Gedankenwelt Everett’s, weshalb der Titel durchaus als zwingende Aufforderung an Freunde kluger und in jeder Hinsicht bewegender Musik verstanden werden darf: Meet The Eels!

Anspieltipps:

  • Last Stop: This Town
  • Climbing To The Moon
  • I Like Birds
  • It’s A Motherf#&!@r
  • Souljacker Part 1
  • Saturday Morning
  • Hey Man (Now You’re Really Living)
  • I’m Going To Stop Pretending That I Didn’t Break Your Heart

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