Avantasia - The Scarecrow - Cover
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Avantasia The Scarecrow


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 65 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Lieber Tobi, dank „The Scarecrow“ müssen wir uns nicht mehr schämen, ein Poster von dir an der Wand hängen zu haben.

Mensch, Tobi, das war nicht unbedingt zu erwarten. Nach dem Weichspülwaschgang auf deinen beiden Vorab-EP's mit ihren gefälligen Pop-Melodielein donnert „Twisted mind“ in einer Wucht aus den Boxen, dass es allen Kritikern, die kommerziellen Ausverkauf befürchteten, sofort die Sprache verschlägt. Schön Tobi, du siehst zwar aus wie die erwachsene Version von Bill Kaulitz, hast das Musikmachen aber nicht verlernt, wie du auch im folgenden Titeltrack eindrucksvoll unter Beweis stellst. Und was du wieder für illustre Veteranen des Musikgeschäfts um dich geschart hast – da kann Arjen „Ayreon“ Lucassen nur neidvoll Bauklötze staunen. Einen Alice Cooper, der bei dem genial-düsteren Gänsehautstück „The toy master“ die beste Gesangsleistung der Gäste abliefert, hat nicht jeder.

Da verblassen Roy Khan (Kamelot), Kai Hansen (Gamma Ray), Rudolf Schenker (Scorpions), Micheal Kiske und Jorn Lande beinahe. Sie alle (und Einige mehr) tragen dazu bei, dass dir mit „The Scarecrow“ der erste potenzielle Kandidat für Spitzenplätze in den Heavy-Metal-Listen am Ende des Jahres gelungen ist. Das liegt aber auch an dem offenkundigen Reifungsprozess, den du durchgemacht haben musst. „The Scarecrow“ hat mit den bisher erschienen Avantasia-Alben so gut wie gar nichts mehr zu tun – die liegen allerdings auch schon mehr als 5 Jahre zurück. Damals dominierte der pure Kitsch. In fremden Dimensionen, märchenhaften Burgen und dunklen Verliese gaben sich finstere Gesellen und strahlende Helden die Klinke in die Hand.

Die Geschichte wurde transportiert durch epischste Klänge und lieblichste Melodien. Das ist als eine völlig werturteilsfreie Feststellung zu verstehen, denn deine beiden Metal-Opern waren und sind nichts anderes als Meileinsteine ihre Genres. Und dennoch stellt „The Scarecrow“ mit seinem reiferen Sound, seiner größeren stilistischen Bandbreite und nicht zuletzt auch durch die recht anspruchsvolle Story um einen Außenseiter auf der Suche nach einem Ausweg aus der gesellschaftlichen Isolation eine deutliche Steigerung dar. Fast scheint es, als wolltest du uns mit den beiden EP's und vorab bereitgestellten Songs auf eine falsche Fährte locken. Abgesehen von den beiden wunderbaren, weitestgehend unpeinlichen Balladen „What kind of love“ und „Cry just a little“ besteht das Album aus lupenreinem Heavy-Material. Neben den bereits genannten Songs verdient auch „I don't believe in your love“ eine gesonderte Erwähnung. Und über die Single „Lost in space“ mag man geteilter Meinung sein – dass sie veritable Ohrwurmqualitäten hat wird keiner bestreiten. Lieber Tobi, dank „The Scarecrow“ müssen wir uns nicht mehr schämen, ein Poster von dir an der Wand hängen zu haben. Außer es hängt neben Bill Kaulitz.

„The Scarecrow“ ist auch als Limited Edition zu haben. Diese enthält eine 35-minütige Bonus-DVD, die unter Beweis stellt, dass es zu schönen Songs nicht automatisch schöne Videos gibt. Außerdem gibt es alternative Versionen von „I don't believe in your love“ und „The toy master“ sowie ein Song-by-Song-Interview von Sammet höchstpersönlich.

Anspieltipps:

  • Twisted mind
  • The scarecrow
  • Cry just a little
  • The toy master
  • I don't believe in your love

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