Dynamite Deluxe - TNT - Cover
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Dynamite Deluxe TNT


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Acht Jahre lang begnügte sich die Deutschrap-Fangemeinde mit den Soloprojekten von Tropf alias Kaspar Wiens, DJ Dynamite alias Jochen Niemann und Samy Deluxe alias Samuel Sorge. Dass die Rapper ihre Band Dynamite Deluxe nach dem gefeierten Debüt „Deluxe Soundsystem“ einfach auf Eis legten, war schon überraschend. Nun beschlossen die Herren Rapper und HipHop-Produzenten nach dieser recht langen Zeit ein neues Werk zu schaffen. Einziger Gast auf dem Longplayer ist Jan Delay, der schon bei seiner ehemaligen Band Absolute Beginner mit dem Produzenten Tropf kollaborierte.

Wenn die ersten Töne erklingen, wird schon deutlich, dass die drei textlich viel Wert auf die Tatsache legen, dass sie die Größten und Besten sind. Außer bei „Alles bleibt anders“, welches einen gesellschaftskritischen Schwerpunkt besitzt, langweilt den Hörer doch diese recht eindimensionale Selbstabfeierei recht schnell. Musikalisch, also beattechnisch, herrscht dagegen viel Abwechslung: Es dominieren hauptsächlich elektronische Keyboardtöne und die drei HipHop-Veteranen zeigen sich absolut auf der Höhe der musikalischen Zeit, aber der Reihe nach: Nach dem kurzen Einführungstrack, der in zwei Minuten die Rückkehr der Helden feiert, serviert „Newcomer des Jahres“ interessant klingende elektronische Beats, wobei Samy Deluxe zeitweise acapella dem Rap frönt. Die erwähnte Zusammenarbeit mit Jan Delay präsentiert auch die künstlichen Keyboardbeats, die aber nicht schlecht aus den Boxen tönen und den Text über die Ängste von Ausländern gut musikalisch unterlegen.

Die Grundzutaten des HipHop, Scratches und härtere Basslinien, bietet „Boombox“ und der Track gehört zu den Höhepunkten des Albums. „Mein Problem“ wartet dann überraschend mit entspannten Reggaeklängen auf und geht als chilliger Partysong durch, der Spaß verbreitet. Unerwartet klingen auch die E-Gitarrenklänge, die bei „Dynamit“ in das unfangreiche Beat-Arsenal eingepflochten werden. Samy Deluxe beweist, dass seine Soloerfolge kein Zufall waren und das seine raptechnischen Fähigkeiten hoch angesehen sind, bedarf eigentlich keiner Erwähnung. Warum diese Tatsache so oft betont und wiederholt wird, bleibt allerdings das Geheimnis dieses Longplayers, die großmäuligen Texte verwischen den guten Eindruck leider ein wenig, da wünscht man sich schon, dass Selbstlob unter Strafe gestellt wird, um es drastisch auszudrücken.

Ein gelungenes Comeback stellt die CD der Hamburger Männer trotzdem dar, das Genre bekommt durch ihren Beitrag ein Highlight, dass auch gegenüber internationaler Konkurrenz bestehen kann. Auch wenn einige Songs zu Beginn des Longplayers nicht soviel Potential aufweisen und nicht alles perfekt klingt, setzen die drei schon einen Qualitätsmarke, die die Konkurrenz erst mal erreichen muss.

Anspieltipps:

  • Alles bleibt anders
  • Boombox
  • Mein Problem
  • Letzter Song

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