The Most Serene Republic - Population - Cover
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The Most Serene Republic Population


  • Label: Arts & Craft/ALIVE
  • Laufzeit: 54 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Als die sechs Kanadier von The Most Serene Republic im Sommer 2005 mit dem Album „Underwater Cinematographer“ debütierten, galten sie gleich als Sonderlinge, deren Sound so gar nicht einzuordnen war. Viel mehr fanden sie sich in der Tradition von Freunden wie den Stars, Feist und Broken Social Scene wieder, mit denen man die Bühnen und die freigeistige Freude am Musizieren teilte. Die kanadische Musikszene erfuhr einen Kreativitätsschub, der bis heute anhält und zu dem The Most Serene Republic ihren beachtlichen Teil beitragen. Sie spielen mit psychedelischen Elementen, reiben sich an kratzigen Ausbrüchen und kommen dabei immer wieder auf große Melodien zurück, die einem mindestens den Tag retten. Trotz wechselnder Besetzungen arbeiten sie seit ihrer Gründung im Jahr 2003 konstant an kaum greifbaren Welten, die sich erst erschließen, wenn man sich eingehend damit beschäftigt, wie auch das neue Album „Population“ beweist. Die Gründungsmitglieder Adrian Jewett (Gesang, Posaune), Ryan Lenssen (Piano) sowie Nick Greaves (Gitarre) erstrahlen neben einer neuen Rhythmus-Sektion mit dem zusätzlichen Stimmen-Einsatz von Emma Ditchburn, deren Gesang mit Jewetts Passagen wundervoll harmoniert.

Der Auftakt gibt sich mit Glockenspiel, einer tragischen Violine und inbrünstigem Posaunen-Spiel ideal, um für knapp eine Stunde in diesen hoch zufriedenstellenden Cocktail aus Avantgarde und Pop/Rock zu tauchen. Vogelgleiche Pfeif-Eskapaden (samt psychedelischen Effekten) tun ihr übriges, um neben verkopften Arrangements auch die bedenkenlose Freude im Umgang mit herzlichen Melodien nicht zu verlernen. Organisch erzeugte Breakbeats, jazzig verzierte Piano-Streifzüge und der Umgang mit leisen sowie lauten Elementen erschließt sich dem Hörer mehr und mehr, bis einen schließlich der Suchtfaktor oberster Güte übermannt. Gerade weil ansonsten eindringliche Soundschichten übereinander gelagert werden und The Most Serene Republic es in diesen schier wahnsinnigen Collagen schaffen, große Harmonien und offensichtliche Ohrwürmer bereitzuhalten, erfrischt die klare Akustikgitarre im Intro zu „The Men Who Live Upstairs“ so besonders und ist, genau wie zahlreiche andere herausstechende Fixpunkte, überaus wichtig für die Gesamtwirkung des zweiten Longplayers der Kanadier.

Dem breakbeat-lastigen, sich nach Aufbruch und Erneuerung sehnenden „Present Of Future End“ verfällt man mit Leichtigkeit durch Chorgesang und dem eng verwobenen Instrumentalpart aus Posaune, Piano-Eroberung und rastloser Percussion-Arbeit. „A Mix Of Sun And Cloud“ gibt sich tänzelnd und voller sommerlicher Ausstrahlung, wobei die Jazz-Elemente herausstechen und die filigranen Künste der Musiker in ausufernden Klavier- sowie Bläser-Arrangements perfekt in Szene gesetzt werden. Von diesen wirklich großen Momenten, die nicht einfach nur da sind, sondern sich aus der Wall of Sound schälen und offensichtlich für die Ewigkeit gemacht sind, gibt es zahlreiche. Es sind definitiv zu viele, um alle in diesem Text unterzubringen, aber die Großartigkeit all´ dieser komplex durcharrangierten, aber trotzdem leichtfüßigen Songs wird hiermit ausdrücklich betont. Ein echtes Meisterwerk, für das Ryan Lennsen folgende, treffende Worte findet: „I want people to put on the record and I want them to stop what they´re doing and just listen to it. (...) Every word and note is so placed to be most biting it could be.“

Anspieltipps:

  • The Men Who Live Upstairs
  • Present Of Future End
  • A Mix Of Sun And Cloud
  • Career In Shaping Clay
  • Solipsism Millionaires

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