Cat Power - Jukebox - Cover
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Cat Power Jukebox


  • Label: Matador/INDIGO
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Sie hat es also wieder getan: Gut sieben Jahre nach „The Covers Record“ präsentiert Chan Marshall mit „Jukebox“ erneut an ein fast reines Coveralbum. Was dazwischen passierte, dürfte hinlänglich bekannt sein. Die durch den kommerziellen Erfolg der „Covers Record“ geleistete Vorlage, verwertete Cat Power und ließ spätestens mit „The Greatest“ den Status des Kritikerlieblings hinter sich und erlangte Starstatus. Vorbei auch die Zeit der verängstigten Live-Auftritte, selbst Modelauftritte für Karl Lagerfeld stellen kein allzu großes Problem mehr dar: Die Ära einer selbstbewussten Cat Power hat begonnen.

Auch auf das vorliegende Album hat das Auswirkungen: Mehr denn je hat sie das Schüchterne, Fragile ihres Gesangs in den Hintergrund gedrängt, ohne dabei ihre Identität als Sängerin aufzugeben. Immer noch zurückhaltend intoniert sie ihre Versionen alter Klassiker von Legenden wie Hank Williams, Janis Joplin oder Frank Sinatra, dabei jedoch mit einer nie zuvor von ihr gehörten Intensität und countryesker denn je. Eingespielt hat sie das Album gemeinsam mit ihrer Band der Delta Blues Connection.

Eine stampfende melancholische Blues-Version von Frank Sinatras „New York“ eröffnet die Jukebox und zerstreut sofort jegliche Zweifel aller Skeptiker in Sachen Coveralbum. Denn schlichtes Kopieren gibt es nicht bei Cat Power, jeder Song wird komplett umgekrempelt und erhält eine völlig neue Atmosphäre. Das alles geschieht so selbstverständlich, als existierten die Originale nicht. Folglich klingt kein Song wie ein Cover oder gar eine Kopie, sondern alle haben ihr ganz spezielles Eigenleben, mehr gar als die Eigenkreationen mancher Songwriter-Kollegen. Im melancholischen Opener beispielsweise spiegelt sich schlicht Marshalls Bild von New York wider und das ist eben nicht swingend locker. Das folgende, getragene „Ramblin (Wo)man“ zeigt die ganze Klasse Cat Powers. Ziellos, verträumt instrumentiert passt sich Power der Stimmung an und fängt den Hörer trotzdem mühelos ein, lässt die Zeit für knapp vier Minuten still stehen, sowie das gesamte Album jegliche Gedanken an Zeit und Hektik verdrängt.

Mit „Metal Heart“ covert Marshall erneut, allerdings dieses Mal sich selbst (vormals auf „Moon Pix“ zu hören). Getragenes Klavier, sphärische Gitarrenklänge, dazu Marshalls samtene Stimme, zunächst zerbrechlich wie in alten Zeiten, dann mit zunehmender Intensität selbstsicher und bestimmend. Das balladeske „Silver Stallion“ schließlich könnte auf jegliche Instrumentierung verzichten, so einnehmend singt Marshall.

Das Beste an dem Album ist, dass Cat Power das Niveau die gesamte Spielzeit über halten kann. Stellvertretend dafür steht mit „Song To Bobby“ ein weiterer eigener Song – ihre Liebeserklärung an Bob Dylan. Einzelne Lieder herauszustellen ist aber fast unmöglich und wäre ungerecht gegenüber den anderen Kompositionen. Geraten die minimalistischen Songs mal zu uninspiriert, kann Marshall mit ihrem einnehmenden Gesang darüber hinwegtäuschen. So kann „Jukebox“ nahtlos an das grandiose „The Greatest“ anknüpfen und zeigt in Verbindung mit dem „Covers Record“-Album die Entwicklung der Sängerin und auch des Menschen Chan Marshall auf. Denn selten sind Musik und Innenleben eines Musikers so dicht miteinander verwoben wie im Falle der Chan Marshall. So präsentiert Cat Power mit „Jukebox“ in den besten Momenten ein Album zum Träumen, das aufmerksame Hörer in eine melancholische Welt, in der die Zeit still zu stehen scheint, entführt.

Anspieltipps:

  • New York
  • Metal Heart
  • Silver Stallion
  • Song To Bobby
  • Breathless

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