K.D. Lang - Watershed - Cover
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K.D. Lang Watershed


  • Label: Nonesuch/WEA
  • Laufzeit: 39 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Leonard Cohen, Neil Young, Joni Mitchell. Die musikkulturelle Substanz von K.D. Lang ist, ihrer eigenen Aussage nach, geprägt von den größten kanadischen Songwritern des vergangenen Jahrhunderts. Und „Watershed“ ist dementsprechend auch ein sehr klassisches Album einer außerordentlich begabten Sängerin geworden, deren Kompositionen leider nicht immer jene Tiefen erreichen, die ihre Stimme zu transportieren vermag.

„Watershed“ sollte der Soundtrack ihrer vollkommenen Selbstwerdung sein, sämtliche Titel hat sie eigenständig arrangiert und produziert. Ihr maßgeblicher textlicher Einfluss war ihre eigene, bewegte und bewegende Biographie. Und genau unter diesen guten Voraussetzungen für ein intensives, mitreißendes Werk leidet „Watershed“ letztlich, denn K.D. Lang ist tief in sich gegangen - und irgendwie auch eben dort geblieben.

„Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich mich für Watershed auf ein Genre festlegen musste. Ich hatte schließlich keine Band im Studio, der ich in kurzer Zeit ein Gefühl vermitteln oder einen Song erklären muss, weil die Zeit rennt und das Geld zum Fenster herausfliegt“ sagt K.D. Lang über ihre uneingeschränkte künstlerische Freiheit in der Entstehung von „Watershed“. Ob es eine kluge Entscheidung war, sich jeglicher Zwiesprache zu ihren Songentwürfen zu entziehen und sich vollkommen auf ihr eigenes Gefühl für die Ausformung von schlichten Skizzen zu farbenprächtigen Bildnissen zu verlassen, darf leise bezweifelt werden. Klar sitzt hier jeder Ton an der richtigen Stelle, findet jeder der elf Titel eine klare Melodie und ist ihr Gesang klar und gefühlvoll. Doch wo es stets fein sauber ist, da ist’s nicht mehr weit zur Sterilität.

Der Opener „I Dream Of Spring“, eingeleitet von Flamenco-Gitarre und schleppender Rhythmusmaschine, mündet in einem streicherlastigen Meer von Harmonien und wird von der gewohnt kraftvollen Stimme der Kanadierin mit Leichtigkeit über Selbiges getragen. Doch die Messlatte, die K.D. Lang hier legt, vermag keiner der folgenden Songs wirklich noch zu überspringen. Der kühle Jazz-Lounge Charakter von „Sunday“, die vom Banjo veredelte Rückbesinnung auf ihre musikalischen Ursprünge im Country („Coming Home“), dass schwermütig verträumte „Close Your Eyes“ – all dies sind interessante Kompositionen. Was diesen jedoch fehlt, ist eine wirklich berührende Sinnlichkeit. Etwas, dass durch schlechte Zeiten tragen möchte, sich ins Gedächtnis schleicht und dort bleibt.

Deshalb lässt sich die von K.D. Lang für dieses Album gewählte Metapher der Wasserscheide (der Grenzlinie, von der an Flüsse in entgegen gesetzte Richtungen fließen) auch als Ausdruck der zwiespältigen Wirkung gebrauchen, welche das Werk letztlich hinterlässt. „Watershed“ ist keineswegs schlecht. Doch dienliche Hintergrundmusik für gemütliche Kaminabende ist eben doch weniger als das, was von einer solchen Ausnahmekünstlerin erwartet werden darf.

Anspieltipps:

  • I Dream Of Spring
  • Thread
  • Jealous Dog

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