Delbo - Grande Finesse - Cover
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Delbo Grande Finesse


  • Label: Loob Musik/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Um Tobias Siebert wird es nie ganz still. Zwischen dem Werkeln an neuem Klez.e-Material sitzt er an der Gitarre im Proberaum seiner ursprünglichen Band, die schlicht den Namen „Delbo“ trägt. Das letzte Album ist knapp anderthalb Jahre her, da schüttelt die Berliner Band schon ein neues Album aus dem Ärmel, das so leicht klingt als könnte man die Lieder auf einem Finger balancieren und so schwer wirkt, weil die Worte sich endlos im Kopf verwirren, auf der Suche nach einem Sinn. Doch vergebens.

Das Verwirrspiel hat Konzept, zumindest seit dem ersten Album „Holt Boerge!“ aus dem Jahr 2001. Die Texte von Sänger/Bassist Daniel Spindlers wirken seitdem konfus aneinandergereimt und nur ein Narr versteht die Bedeutung der Texte. Doch Delbo ist keine Band, die durch ein brillantes Zusammenspiel triumphiert. Es ist viel mehr der Reiz drei Individuen zu hören, die vollkommen verschiedene Melodien gegeneinander ankämpfen lassen. Und so bekommt man nie einen Delbo-Song in den Kopf, aber immer eine Zeile, eine Melodie eines einzelnen Instruments oder einfach einen Moment, der zwischen Delbo passiert.

Und so kommt es leider auch dazu, dass sich die Band verrennt und ein Album wie „Grande Finesse“ einspielt, das man zwar immer noch als Fan lieben wird, aber dennoch so viel vermisst, was man einst so geliebt hat. Lieder wie „Yeti“ und „Moto“ sind eher Fahrstuhlmusik der Independent-Kultur und nur selten erfindet die Band noch berührende Momente wie die Vokal-Fill-Ins in „Hermelin“, die in wunderschöne Flöten- und Streichermelodien aufgehen. Da können dann auch rockige Gitarrenriffs wie in „Apricot“ nichts bewirken.

Und doch schafft es „Grande Finesse“ gegen Ende alte Delbo-Momente hervorzurufen, wenn sich in „Souvenir“ die altbekannten Wortfetzen und Parolen zu einem Sinn verstricken, dann in sich Inne halten und die Instrumente jenseits von Gitarre/Schlagzeug/Bass den alten Ideen- und Momentenreichtum erreichen. Das sind die Stärken des neuen Delbo-Albums. Ein womöglich guter Nachfolger von „Havarien“, aber leider weit hinter den Erwartungen dieser großartigen Berliner Band.

Anspieltipps:

  • Hermelin
  • Souventir

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