Solar Fake - Broken Grid - Cover
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Solar Fake Broken Grid


  • Label: Synthetic Symphony/SPV
  • Laufzeit: 52 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Sonnenfälschung? Sven Friedrich, Hauptberuflich Sänger der Rockband Zerephine tauscht Gitarre und Drums gegen Computer und Mischpult. Mit seinem aktuellen Projekt Solar Fake unternimmt er den Versuch seine elektronischen Visionen in akustische Taten umzusetzen. Aber was von seiner Promotion Firma als ein ins Blut schiessende und stimmungsvolles, das ganze Spektrum elektronischer Musik abdeckendes Erlebnis angepriesen wird, entpuppt sich als relativ unmotivierte Elektrospielerei mit äußerst überschaubaren Höhepunkten.

Würde man lediglich den ersten und den letzten Song von „Solar Fake“ als Bewertungsmaßstab dieser Platte ansetzen, so wäre Friedrich ein durchaus anständiges Elektronikalbum gelungen. Der Albumabschluss „I Can’t Remember“ erinnert an eine dunkle sich vor die Sonne schiebende melodische Regenwolke und Friedrichs stimmlicher Balanceakt irgendwo zwischen Nick Cave und Ville Vallo funktioniert hier hörbar gut. Auch der Albumbeginn „Hiding Memories From The Sun“ gefällt in seiner mystisch düsteren Stimmung und seiner in butterweiche Beats gebetteten Melodie. Aber bereits nach dem erwartungsvollen Opener scheint die Sonne für Solar Fake bereits wieder unterzugehen. „Stagmata Rain“ knüpft nicht etwa daran an, sonder marschiert in die Entgegengesetzte Richtung. Metallisch kühl und steril langweilig trifft es hier wohl am besten.

Ebenso wie das folgende „(You Think You’re) Radical“ wartet der Song vergebens auf seinen Höhepunkt. Nicht nur die auffällige Ähnlichkeit von Rhythmus und Melodik dieser beiden Stücke, katapultiert hier bereits erste negative Stimmungen in das Friedrich’sche Sonnensystem. Auch die keinesfalls überzeugende Verschmelzung von harter mit Computergenerierter Musik ist in diesem Fall ein Weghörer. Elektronik und Rock- geht das überhaupt wenn man nicht The Prodigy oder Massive Attack heißt? „The Shield“ klingt nach Depeche Mode für Windows 2000 Nutzer. Und das es tatsächlich möglich ist den Esprit von Radioheads’ genialem Meisterwerk „Creep“ so hinweg zu musizieren, hätte man sich vor dieser uninspirierten und trägen Coverversion auch nicht vorstellen können. „Here I Stand“ und „I Keep My Eyes Shut“ halten das nunmehr schwache Niveau souverän und lassen die zwar ebenfalls nervigen „Hero & Conquerer“ und „Sometimes“ aber immerhin nicht mehr ganz so dürftig erscheinen.

Man kann nur hoffen, dass Herr Friedrich schleunigst den PC herunterfährt, die Soundmaschine bei Ebay einstellt, seine Zerephine-Kumpels einsammelt und wieder die Rockgitarre aus dem Regal kramt. Denn „Broken Grid“ ist im Endeffekt nicht mehr als ein nervender und unnötiger Ausflug in ein Genre, dass ihm einfach nicht gut zu Gehör steht. Eine Produktion, die musikalisch an die fragwürdigen Europop-Hochzeiten Marke Jam & Spoon erinnert und die darüber hinaus nicht zu begeistern vermag. Einzig und allein die zwei anfangs erwähnten audialen Lichtblicke lassen diese Bewertung nicht ins Bodenlose hinab gleiten. Mit „Solar Fake“ wird man außer einem vom ständigen Betätigen der Skip-Taste wund geriebenen Daumens, keine weiteren emotionalen Erlebnisse für sich rausholen können. Leider Fake!

Anspieltipps:

  • Hiding Memories From The Sun
  • I Can’t Remember

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