Home Of The Lame - Sing What You Know - Cover
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Home Of The Lame Sing What You Know


  • Label: Grand Hotel van Cleef
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Kein Medium ist besser geeignet als das Internet für den Kulturjournalismus. Man hört ein Album, verreißt es und drei Monate später revidiert man seine Meinung mit einem neuen Artikel und großen Gesten zum Busse tun. Zwar vergisst das Internet nicht, aber es verzeiht ziemlich schnell. Und doch benutzt niemand diese Strategie. Rezension geschrieben und abgeschlossen; und wenn es sich doch heimlich zum besten Album entwickelt, dann lächelt man nur altklug und sagt „ja, damals...“. So auch bei Home Of The Lame. Als der hier ahnungslos tippende Rezensent das erste Mal das Debüt-Album „Here Of All Places“ gehört hat, gab es keine spektakulären Luftsprünge, keine Faust in die Luft, nur ein müdes „Der Bandname ist gerechtfertigt.“ Und eine Rezension stände heute an der Tür und würde gegen das schlechte Gewissen hämmern. Denn was Felix Gebhard, damals einziges Mitglied der Band, abgeliefert hat, ist der perfekte Soundtrack für Beobachtungen aus einem Fenster an einem Herbsttag und darüber hinaus. Seine Songs haben ein so festes Gerüst, dass man sich nur darauf aufbauen, aber nie daran rütteln kann. Und so kommt auch nun Album Nummer Zwei daher.

Bereits der Opener „Old Songs“ bringt das typische Gefühl bei einem HotL-Song hervor, die warme Stimme singt, als könne sie Telefonbücher runterlesen, ohne langweilig zu erscheinen. Dazu noch der Quantensprung, den Herr Gebhard lyrisch hingelegt hat, im Vergleich zu seiner letzten EP „Habitat“. Da werden Vergleiche mit Morrissey wach, die natürlich quatsch sind, aber nicht so weit hergeholt. Der Song über Schreibblockaden und fehlende Ideenkreativität erinnert selbst an Zeiten, an denen man mit seiner Kunst alles hin- und wegschmeißen wollte. Der folkige Charakter des ersten Albums ist dabei fast vollkommen vergessen, das mag daran liegen, dass hinter dem Pseudonym nun eine Band steht und es ist fast gar nicht schade drum, dass es anders klingt als früher. Es ist vielmehr wie eine Weiterentwicklung verpackt in einem Gesamtkunstwerk.

Und doch hat alles einen leichten Beigeschmack. Die Lieder fließen zu leicht, beißen sich nirgends fest. Gleitet man mit dem Finger über die Trackliste des ersten Albums springen einem die guten Songs sofort ins Auge und eigentlich sind alle gut. Bei „Sing what you know“ kann man sich eher an dem Gitarrensolo von „For the most part“ hängen, aber nicht an die Momente, die zwischen der Musik stecken, wie damals bei „Mirror Mirror“. Erst bei „Big Machines“ fängt man mitzusingen, ohne es zu können und wundert sich nicht, dass die Band sich seine besten Songs für den Schluss aufgehoben hat. „A narrow path“ ist ein kleines Meisterwerk ohne auch nur irgendeinen Anspruch daran zu stellen. Vielleicht ist es ja genau der hier wiederkehrende Folkanteil, der trotz allen positiven Weiterentwicklungen gefehlt hat. Und wenn im Refrain Peta Devlin zum Gesang einsteigt, fühlt man sich so versöhnt mit dem gesamten Album, selbst wenn man nichts zu versöhnen hat.

„Said And Sung“ ist der perfekte Abschluss zu einem Album, das sich nicht vor dem großartigen Debüt verstecken braucht, es aber leider noch viel zu lange tun wird. Bis man auch hier die Momente rausgekitzelt hat, die Home of the Lame ausmachen, und die Beobachtungen erfährt, die keiner sonst so treffend beschreibt.

Anspieltipps:

  • Old Songs
  • The Radio
  • Big Maschines
  • A Narrow Path
  • Said And Sung

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