Pete Blume - Demonstrieren: Sonntags! - Cover
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Pete Blume Demonstrieren: Sonntags!


  • Label: Mate In Germany/SOULFOOD
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„Demonstrieren: Sonntags!“ Politik im nationalen Indierock? Können wir endlich wieder Teil einer Jugendbewegung sein? Parolen sammeln und die Gesellschaft verändern? Revolution! Ab auf die Strasse und lautstark Textzeilen von Pete Blume rezitieren: „Egal was Du willst/ die Konsequenzen trägst Du nie“. Fraglos sehr vielseitig verwendbar! Ein bisschen subtiler geht’s auch: Doch dein gerader Weg/ Von dem Du immer sprichst/ Hat dich niemals laufen sehen“. Fast schon zu kompliziert für das Proletariat. Letztlich reicht’s wohl doch nur für die kleine Revolution daheim in der Mietwohnung, zu der in „Hörst Du Lieder“ auch explizit aufgerufen wird: „Hörst Du lieber Lieder/ Die man nicht im Radio hört/ Mach doch lauter, immer lauter/ Damit Du deinen Nachbarn störst“.

Mit Pete Blume durchaus möglich. Vermutlich zu hart für’s Radio und in erster Linie kraftvoll und laut musizieren die fünf Jungs aus (Überraschung!) Hamburg. Den plakativen Albumtitel haben die Musiker gewählt um „die vermeintlichen Gegensätze Politik und Beziehung miteinander zu verbinden“ weil für Pete Blume „jede zwischenmenschliche Beziehung in gewisser Hinsicht eine politische Ebene hat“. Noch offene Fragen? Aussagekräftiger als dieses Statement ist da schon ihre „MySpace“-Seite, denn auf dieser pflegen die Jungs virtuelle Freundschaften mit Tomte, Kettcar, The Kilians, den Beatsteaks und Madsen, womit schon recht gut beschrieben ist, wie die Jungs ihre zwischenmenschlich politischen Botschaften musikalisch verpacken. Viel Schlagzeug, laute Gitarren, schlichte Basslinien und spätestens zum Refrain eines jeden Songs möglichst alles so lärmend, so schnell und so dringlich wie eben möglich. Dies zeitigt auf Albumlänge zwar gewisse Abnutzungserscheinungen, bringt mit „In all den Jahren“ aber immerhin eine uneingeschränkt stadiontaugliche Hymne mit sich. Ein wenig „Selig“ gar klingt aus „Nichts ändern“ heraus, „Regenkind“ lässt sich angenehm viel Zeit für die Songentwicklung, explodiert letztlich jedoch im gleichen Stil wie der Rest der Kompositionen.

Überhaupt scheint auf dem Masterplan für die Aufnahmen „Alle Regler hoch!“ gestanden zu haben. Die Euphorie und Spielfreude der Hamburger ist so deutlich hörbar, Sänger Matte Hessenauer leider nicht immer. Auch die Abwechslung leidet ein wenig unter diesem Prinzip, dessen kompromisslose, weil doch selbstsichere Verfolgung für einen Erstling letztendlich aber auch nicht ungewöhnlich ist. Für die Revolution reicht’s so (noch) nicht, doch Pete Blume kommen ja eigentlich auch gar nicht, um sich zu beschweren. „Demonstrieren: Sonntags!“ ist ein lautstarkes und emotionales Debüt. Jung und wild, roh und unverbraucht. Die (Musik)Welt wird es nicht verändern, aber vielleicht die Beziehung zum Nachbarn mal etwas intensivieren. Alle Regler hoch!

Anspieltipps:

  • In All Den Jahren
  • Nichts Ändern
  • Hörst Du Lieder
  • Hey

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