Chris Walla - Field Manual - Cover
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Chris Walla Field Manual


  • Label: Rykodisc/Rrough Trade
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn ein Musiker nach jahrelanger erfolgreicher Arbeit in einer Band abseits dieser ein Soloalbum veröffentlicht, steht er dabei natürlich unter besonderer Beobachtung. Kreiert er seinen eigenen Sound, der schlicht nicht in den der Stammband zu integrieren war? Ist seine Musik nahe an der seiner eigentlichen Band, kann dieser aber etwas hinzufügen? Oder klingt besagter Musiker solo genau wie seine Band?

So oder so, den Vergleichen mit Death Cab For Cutie wird sich Chris Wallas „Field Manual“ nicht entziehen können. Herr Walla ist seit Gründung von Death Cab For Cutie vor nunmehr elf Jahren deren Gitarrist und Produzent (u.a. auch für Hot Hot Heat, The Decemberists und Nada Surf). Bereits 1999 hatte er eine auf 100 Exemplare limitierte 4-Track-Kassette in Eigenregie veröffentlicht, danach immer wieder eigene Songs auf seiner Homepage veröffentlicht; nun ist es also soweit, der erste reguläre Longplayer steht in den Regalen. Dafür wurden lediglich die Drums nicht von Walla selbst eingespielt, sondern von Bandkollege Jason McGerr sowie Kurt Dahle von The New Pornographers.

Bereits der Opener „Two-Fifty“ geht kräftig in die Hose. Der getragene Gesang Wallas, die unentschlossenen Drums und die angedeutete Gitarre vermögen die forcierte melancholische Stimmung nicht zu transportieren. Der Uptemposong „The score“ macht dagegen vieles besser. Locker versprüht Walla gute Laune, zwar nicht erschreckend originell, aber hübsch allemal. Im folgenden wunderschönen „Sing again“ läuft Walla zu Höchstform auf. Stark am Death-Cab-Sound orientiert, singt er wie einfach es einst war, das Leben zu genießen: „It was not tricky to enjoy // A cigarette in the hand was the key to understanding“, bevor er endend erklärt, wie das heute so ist: „A life packed of mindless joy // It is not easy to enjoy“.

„A bird is a song“ fließt belanglos vor sich hin und „Geometry & C.“ kommt wie eine „Plans“-B-Seite mit nicht zu überhörenden „Crooked teeth“- Parallelen daher. Das verträumte „Everyone needs a home“ dagegen ist rundum gelungen und rechtfertigt allein den Kauf der CD. Harmonisch arrangiert, mit Akustikgitarre und unaufdringlichen Pianoparts, ist alles perfekt auf Wallas Gesang abgestimmt.

In der zweiten Albumhälfte vermag dann jedoch kein Song aus der Masse herauszustechen. Durch die ihnen eigene Seichtigkeit degradieren sie sich selbst zur Hintergrundbeschallung. Kein Song ist für sich betrachtet wirklich schlecht, doch gleichen sie sich zu sehr. Zu mutlos und brav, routiniert und geschliffen tun sie zwar keinem weh, verlieren aber ihre Fähigkeit zu begeistern und anzuecken. Bis auf den Opener „Two-Fifty“ ist kein Ausfall auf „Field Manual“ zu finden, nur sind die Perlen ein wenig rar gesät. Deshalb kann das Album Vergleiche mit den grandiosen „Plans“ und „Transatlanticism“ nicht standhalten.

Insgesamt liefert Chris Walla schönen, manchmal etwas belanglosen Indie-Pop, der allen DCFC-Fans das Warten auf den im Mai erscheinenden „Plans“-Nachfolger „Narrow Stairs“ versüßen wird. Schade eigentlich, denn angesichts erwähnter, wirklich gelungener Momente, wäre mehr drin gewesen.

Anspieltipps:

  • The Score
  • Sing Again
  • Geometry & C.
  • Everyone Needs A Home

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