Anti-Flag - The Bright Lights Of America - Cover
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Anti-Flag The Bright Lights Of America


  • Label: RCA/SonyBMG
  • Laufzeit: 52 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„Die For The Government“, „The Terror State“ oder auch „For Blood And Empire“. Bei Laien in Sachen Anti-Flag (die soll es ja tatsächlich geben), müsste sich spätestens bei der Sichtung alter Album-Titel die Vermutung im Hirn manifestieren, dass es sich hierbei nicht gerade um eine unpolitisch gerichtete Gruppe Musiker handeln dürfte. Die Politpunks aus dem Gründerstaat Pennsylvania liessen in den letzten Jahren keine Möglichkeit ungenutzt, sich auch ausserhalb der Szene einen Namen zu machen und sich als Sprachrohr aller Unterdrückten, Vergessenen und Benachteiligten dieser Welt, einem noch breiter gefächerten Publikum näherzupunken.

Den Höhepunkt ihrer Popularität nutzten sie dann auch, um ihren ersten Major Platten Deal auszuhandeln. Dies bereitete jedoch einigen Anhängern globalisierende Kopfschmerzen, da nun mit dem eins verhassten Feind gemeinsame Sache gemacht wurde. In einer Zeit desaströser US-Amerikanischer Regierungspolitik und dem kommerziellen Durchbruch eines Green Day’schen „American Idiot“, schien nun auch die Sparte politischer Punkrockmusik ihre gesellschaftliche Legitimation zu erhalten. Aber das was bei vielen treuen Fans im Vorfeld der ersten Major-Veröffentlichung zu schlaflosen Nächten führte, wurde nicht zur Realität. Auf „For Blood And Empire“ präsentierte sich die Band angriffslustig wie nie zuvor und liess alle Verrat-Witternden Kritiker verstummen. Auch auf „The Bright Lights Of America“ laufen Anti-Flag wieder zu lyrisch-scharfzüngiger und musikalischer Hochform auf. Zwar sind die angesprochenen Themen diesmal deutlich allgemeiner gefasst als sonst. Trotzdem nehmen sie wieder kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht soziale Missstände aufzuzeigen und anzuprangern. Wie auf dem Eröffnungsstück „Good And Ready“, dem astreinen Ohrwurm „The Modern Rome Burning“ oder dem eingängigen Titeltrack . Egal ob lügende und korrupte Politiker, ihre Kinder vernachlässigende Eltern oder Kriegstreibende Fanatiker. Sie bekommen allesamt eine hoch verdiente Salve Anti-Flag vor ihren Scheuklappigen Bug gesetzt.

Aber auch private Schicksalsschläge, wie die Ermordung der Schwester von Bassist/Sänger Chris#2 musste die Band verkraften. Das private Unglück führte nicht nur zu Spendenaktionen für eine lokale Hilfsorganisation, die sich um Opfer von Gewaltverbrechen kümmert, sondern auch zur textlichen Aufarbeitung im wütenden „Vices“. Musikalisch wurde der bereits auf dem Vorgänger angedeutete Hang zu eingestreuten akustischen Spielereien fortgesetzt. Unter Regie des bereits für David Bowie und Morrissey regelnden Produzenten Tony Visconti, liessen sie mehr denn je Sounds, Arrangements und mannigfaltige Instrumentierungen in ihre Lieder mit einfliessen. Mundharmonika („Go West“), Kirchenorgel („Smartest Bomb“) oder die Bluegrass-Gitarre auf dem Country angehauchten, akustischen „Hidden Track“ sind nur einige Beispiele für die melodische Vielseitigkeit der 13 neuen Songs. Dennoch sind Anti-Flag Ihren grundsätzlichen Stärken treu geblieben. Widerspenstige Gitarren, melodiöse Sing-A-Long-Chöre und schnelle treibende Drums verschmelzen hier, mit Orchestralen Passagen, Marschmusikartigen Klängen, Kinderchören und Glockenspielen, im bewährten Sound der Band. Aber keine Angst! Diese Platte ist und bleibt immer noch ein knalliges, und manchmal auch vor sich her prügelndes („If You Wanna Steal“, „Spit In The Face“) Punkrockprodukt aller erster Güte.

Sie kämpfen tapfer weiter. Gegen soziale Ungerechtigkeit, korrupte Politiker und Rassismus. Mit diesem Engagement haben sie sich eine Genreübergreifend feste Zuhörerschaft gesichert. Und die Zusammenarbeit mit ihrem Label wird auch zukünftig dazu beitragen, dass ihre Botschaften in noch viel mehr Ohren musiziert werden kann. Und trotz einiger kleineren Hänger oder der ein und anderen überflüssigen Soundspielerei, offenbart „The Bright Lights Of America“ wieder genügend musikalische Höhepunkte und wird auch diejenigen die Laien in Sachen Anti-Flag sind (die soll es ja tatsächlich geben) überzeugen können.

Anspieltipps:

  • Good And Ready
  • The Modern Rome Burning
  • Spit In The Face
  • Smartest Bomb

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