Stevie Klasson - Don´t Shoot The Messenger - Cover
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Stevie Klasson Don´t Shoot The Messenger


  • Label: Sound Pollution
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Hörer stelle sich bitte einen Club vor. Es darf ruhig ein bisschen verraucht sein, die ein oder andere schräge Type darf auch anwesend sein und auf der Bühne steht in all seiner Coolness, der in Streifenhemd und Jackson-Gedächtnishut eingekleidete Sänger schaut mit der Gitarre in der Hand gefällig durch die überschaubare Masse, gönnt sich noch einen Schluck seines Getränkes und setzt zu ein paar freundlichen Begrüßungsworten an. Was danach geschieht ist ein Phänomen, das jeder Musikliebhaber kennt: Es gibt Musiker, die mit wahnsinnigen Arrangements, einmaligen Stimmen und Spielereien Musik letztendlich zu einer (manchmal recht verkopften) Kunst machen und es gibt jene, die einfach ihr schlichtes Ding durchziehen und damit für wippende Füße und gute Laune bis zum Abwinken sorgen. Stevie Klasson ist in letzterer Sparte bestens aufgehoben.

In Deutschland ein völlig unbeschriebenes Blatt werden Stevie Klassons Fähigkeiten am Saiteninstrument in Schweden nur zu sehr anerkannt. Neben seinem hippen Modegeschmack paart sich die dazu perfekt sitzende, leicht rauchige Stimme und die spürbare Freude an der Musik. Spätestens nach erstmaligen Hören des Chorus von „Going Mental“ hat man schon gar keine Lust mehr die Platte aus dem Spieler zu nehmen. Die prägnante und vordergründige, über allem ragende Gitarre bestimmt mit Steves Stimme den Geist der Lieder. Eine Akustikgitarre und das Schlagzeug untermalen das Club/Saloon-Erlebnis. Um den Hörer auf Touren zu bringen folgen mit „Hand Me Down“ und „Do What You Want“ zwei weitere schnelle Nummern, die die Laune oben halten.

Mit „Sweetheart Angel Pure“ wird es dann ein wenig grooviger und im Universum eines Klasson kann man das Lied dann auch schon als eine Art Hymne einstufen. Wie im Großteil seiner Lieder lädt der Refrain zum Mitsingen ein. So sollte Rock der alten Schule klingen. „Bedspring Symphony“ erhöht dann wieder die Schlagzahlen auf Anfangstempo und bringt das erste Duett mit sich. Sein weiblicher Gegenpart bringt sich wunderbar ein und passt zu dem immer mehr an Country gewinnenden Album. Die sogenannte „A-Side“ endet mit dem behäbigen „Talk Too Much“, welches es wieder ruhiger angehen lässt. Noch grooviger und trockener als „Sweetheart Angel Pure“. Hier wird weniger aufs Mitsingen abgezielt, als auf die kernige Substanz, die der Song mit sich bringt.

Die „B-Side“ sind also die anderen sechs Songs, ob sie sich durch den Namen qualitativ vom fabelhaften Beginn unterscheiden ist allerdings fragwürdig. Tatsächlich aber kann man sich vorstellen wie „Downbound Train“ als Opener herhalten soll. Zunächst stellt sich das B-Seiten-Gefühl ein, da der Song nicht ganz an die Stimmung von „Going Mental“ anschließen kann, aber dafür ist „White Line Fever“ wieder ganz in der Spur, mit guter Laune Refrain und Backvocals. „Lucky“ ist ein ruhiges Lied ganz im Stile eines Wilco-Stücks. Passagenweise ist die Ähnlichkeit wirklich verblüffend. „All The Action“ klingt dann auch schon ein wenig wie Abschied und bringt wieder alles mit, was Stevie Klasson auch schon in den vorigen Liedern ausgezeichnet hat. Um auch dem Rock’n’Roll gerecht zu werden wirft er sich mit „Angel In Black“ in den Ring (oder besser auf die Bühne) und bringt die Hörer wieder zum Tanzen.

Der beinahe psychedelische Ausklang durch das namentlich klangvolle Stück „Don’t Mess With Evil“ strotzt weiterhin nach allen Richtungen voller Leben (und Rock). Es ist wirklich erstaunlich, wie Klasson ohne wirklich Neues oder billigen Abklatsch über die volle Länge zu gefallen weiß. Vielleicht ist es gerade dieser trockene Klang der vergangenen Jahre, die man sich zurücksehnt. Im Anschluss ist man sich auf nicht ganz sicher, ob es nicht irgendwie staubig im Zimmer geworden ist. Der Sänger indes verabschiedet sich mit einem lässigen Grinsen von unserer imaginären Bühne und wir verlassen wie im Zeitraffer, den verrauchten Club, den verstaubten Saloon und sind wieder mitten im Neujahrswetter. Man könnte natürlich über ein Repeat nachdenken.

Anspieltipps:

  • Going Mental
  • Sweetheart Angel Pure
  • Angel In Black
  • Don’t Mess With Evil

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