Morcheeba - Dive Deep - Cover
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Morcheeba Dive Deep


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 41 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein TripHop-Manifest!

Hatten die Godfrey-Brüder auf dem letzten Morcheeba-Album „The Antidote“ (2005) noch Daisy Martey als neue Sängerin für die nach zehn Jahren Zusammenarbeit weichende Skye Edwards präsentiert und so aus dem letzten Studio-Werk eine warmherzige Soul-Platte geformt, die nur noch wenig Elektronik bot, sind sie jetzt zu einem für Trip Hop/Downbeat relativ typischen Gast-Sänger/innen-Konzept übergegangen, welches beim ersten Hören noch verwundert. Schließlich hatte man sich nach dem schweren Abschied von Skye gerade an die tolle Stimme von Daisy gewöhnt. Doch die Londoner, deren bestes Album wohl immer noch das Debüt „Who Can You Trust“ ist, setzen ihren hochklassigen Weg auch mit diesem Chamäleon-Prinzip eindrucksvoll fort, wie man spätestens beim dritten Durchlauf von „Dive Deep“ feststellt. Gerade weil sich Morcheeba in den letzten Jahren mehr dem klassischen Pop zugewandt hatten und vielleicht auch etwas die Orientierung in diesem Dickicht verloren, ist das sechste Album eine beruhigende Angelegenheit, denn es spielt alle Facetten der elektronischen Ambient-Welten aus und zündet mit tief gehenden Grooves.

Die Beats des Openeres „Enjoy The Ride“ (treffend betitelt für die noch kommenden 41 Minuten) werden organisch unterstützt von warmen Schlagzeug-Rhythmen und dem immer wieder bestechenden Einsatz eines Wurlitzer-Pianos. Wer bei „Riverbed“ an A-ha denkt, liegt gar nicht mal so falsch. Ist doch der dort vertretende Gastsänger Thomas Dybdahl auch Norweger und mit einer umwerfenden Melancholie in seiner Stimme ausgestattet, dass einem unweigerlich erhabene, weit reichende Landschaften und einsame Abende voller Intensität in den Sinn kommen. In der Heimat schon ein gefeierter Star im Singer/Songwriter-Genre, sind auch seine Auftritte im Morcheeba-Kosmos echte Wohltaten.

Im instrumentalen „Thumbnails“ toben sich Ross und Paul Godfrey mit elektronischen Spielereien aus, die trotzdem eingängig sowie leicht verdaulich bleiben und dem atmosphärisch vereinnahmenden Gesamtkontext von „Dive Deep“ folgen. Obwohl Judie Tzuke und Thomas Dybdahl einen Großteil der Vocals übernehmen und die Songs damit noch eine Stufe unbezwingbarer machen, sollte man auch den Rapper Cool Calm Pete hervorheben, denn schon lange nicht mehr hat man ein solches TripHop-Manifest wie „One Love Karma“ zur Kenntnis genommen. Sein Sprechgesang vereint Coolness und wärmende Zartheit, die sich durch Scratches und das antreibende Flötenspiel wieder etwas verflüchtigt und so mit leichten orientalischen Zügen das Herzstück des Albums bietet, auch wenn sich die anderen Songs einer deutlich poppigeren Sprache annehmen. Wie die beiden letzten, von Thomas Dybdahl verfeinerten, Songs „Sleep On It“ sowie „Washed Away“ noch einmal verdeutlichen: Morcheeba kehren zu den elektronischen Wurzeln zurück und betten dabei so markante Instrumente wie Hammond-Orgel, Lapsteel-Gitarre und Rhodes-Piano ein, die „Dive Deep“ zu einer wahrhaft eindringlichen Erfahrung machen.

Anspieltipps:

  • Enjoy The Ride
  • Run Honey Run
  • One Love Karma
  • Sleep On It

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