A Fine Frenzy - One Cell In The Sea - Cover
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A Fine Frenzy One Cell In The Sea


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 62 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Alison Sudol, Stimme und Gesicht von A Fine Frenzy, schrieb die erste und gleichzeitig erfolgreiche Single „Almost Lover“ mit 18 Jahren, nachdem sie die Highschool verlassen hatte und bereits die erste Band hinter sich ließ. Sie gab sich dem Piano hin und schrieb sich ihren Frust von der Seele, während Abend für Abend das Nachtleben in Los Angeles an ihr nahezu vorbei rauschte. A Fine Frenzy, denen noch Keyboarder Stephen LeBlanc sowie Schlagzeuger Daxx Nielsen angehören, wollten nicht auf -Teufel komm raus- die Clubs unsicher machen und stattdessen ihre Songs reifen lassen. Trotzdem erhörte Virgin Records die zierliche Sängerin mit dem porzellanartigen Gesicht und den roten Haaren, so dass A Fine Frenzy zusammen mit Produzent Lukas Burton (Songwriting/Produktion u. a. für Paul McCartney, Dido und James Blunt) Ende 2006 ins Studio gingen und von einem Star-Ensemble aus Gastmusikern unterstützt das Debüt „One Cell In The Sea“ einspielten. Dabei macht die wild gefeierte Stimme der mittlerweile 22jährigen Alison Sudol nicht immer einen herausragenden Eindruck, da sie manchmal doch genau so beliebig wie manche Songwriting-Elemente daherkommt.

Doch auch wenn es sich nicht um das nächste „Wunderkind“ im Spannungsfeld zwischen Hochglanz-Pop und Singer/Songwriter-Schlichtheit handelt, gute Songs gibt es einige zu entdecken. Bis auf das mit Nachdruck entzückende „The Minnow & The Trout” bleiben die ersten Tracks allerdings mau, weil viel zu sehr auf Nummer sicher das Radio-Format bedient wird und bei all der Professionalität der Musiker die Leidenschaft auf der Strecke bleibt. Zurückhaltende Akustikgitarren, lockere Percussions und eine jugendlich charmante Stimme allein machen eben noch keine Faszination aus. Die viel zu pauschal eingesetzten Streicher sprechen eine ähnliche Sprache, welche aber beim Hit „Almost Lover“ gänzlich umgekehrt wird und wirklich gelungen den Hörer erobert. Endlich zündet auch die Dramaturgie, die sich bei diesem Stück in der Tat den Namen verdient hat. Piano-Klänge tänzeln um die sehnsüchtig intonierten Vocals und bestechen auch nach dem x-ten Hören, besonders wenn sich zum Ende hin die Stimme der Amerikanerin so betörend überschlägt.

So anspruchsvoll umgesetzt sind leider nicht viele Songs, wenn man zum Beispiel vom gleich folgenden „Think Of You“ absieht. Wieder stürmt das elegant tröpfelnde Piano die Herzen und wird in diesem Fall um warme Schlagzeug-Takte erweitert. Wirklich anders oder weniger herausgeputzt sind die schwächeren Songs auch nicht, aber bei einem Großteil des Albums kommt einem wesentlich mehr das sichere Marktkalkül in den Sinn, als ein herzergreifendes Gespür für große Momente. Es ist wahrscheinlich nicht so, dass A Fine Frenzy nicht gekonnt hätten, sondern dass ihnen mit namhaften Musikern ein Album abgeknüpft wurde, welches gut und gerne noch ein bis zwei Jahre hätte reifen können. Das ist schade, aber nach dem Erfolg diverser Newcomer-Darlings in ähnlichen Spielarten eine wohl bekannte Maschinerie.

Anspieltipps:

  • Almost Lover
  • Think Of You
  • Liar, Liar

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