Porcupine Tree - Nil Recurring - Cover
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Nil Recurring


  • Label: Peaceville/SPV
  • Laufzeit: 29 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Sex, Suff und Sinnlosigkeit bestimmen das Leben der Heranwachsenden. Geistig entstellte, sozial verwahrloste, mit Drogen vollgepumpte Sofazombies schlurfen durch die Ghettos der Großstädte – immer auf der Suche nach der nächsten Dröhnung. Wenn nicht, hocken sie geschätzte 28 Stunden pro Tag vor irgendwelchen Bildschirmen, sehen dummen Leuten dabei zu wie sie dumme Dinge tun oder lassen Männchen auf andere Männchen hüpfen, es sei denn sie masturbieren zu 30sekündigen Internetpornos oder nehmen am Casting zu „Deutschland sucht den Superstar“ teil. Sozialarbeiter Steven Wilson kann das nicht länger mit ansehen. Er ist gekommen, um sich zu beschweren, denn die Angst vor einem blanken bzw. leblosen Planeten droht ihn schier aufzufressen. Die Jugend von heute hat kein intellektuelles Level mehr, ist desinteressiert, motivationslos, faul und vollkommen abhängig von den Medien. Steven Wilson kann diesen Zustand nicht ändern, aber er will darauf aufmerksam machen. Nur, mussten es gleich zwei Alben sein? „Nil Recurring“ ist der Nachklapp zum letztjährig erschienenen (und grammynominierte) Meisterwerk „Fear of a blank planet“, dessen musikalische Klasse genauso außer Frage steht, wie die inhaltlichen Aspekte fragwürdig sind.

Die Rechtfertigung für das Veröffentlichen eines zweiten Albums mit derselben Thematik erschließt sich dabei unter qualitativen Gesichtspunkten nicht unbedingt, denn „Nil Recurring“ hat seinem großen Bruder nichts hinzuzufügen. Obwohl nur 30 Minuten Musik bietend, soll „Nil Recurring“ als eigenständiges Album aufgefasst werden. So war das anfangs nicht geplant, allerdings war die Nachfrage nach dem bisher nur über das bandeigene Label beziehbar Mini-Album wohl so groß, dass sich die Band kurzerhand für eine offizielle Veröffentlichung entschloss. Gebraucht hätte es dies nicht, denn auch wenn in der Vergangenheit die meisten „B-Seiten“ dem regulären Material in Nichts nachstanden (das noch in diesem Jahr zur Wiederveröffentlichung geplante „Recordings“ ist dafür ein gutes Beispiel), überzeugt „Nil Recurring“ nicht wirklich. Das liegt vorwiegend daran, dass sich die auf dem Werk vertretenen Songs deutlich zurückhaltender präsentieren als auf „Fear of a blank planet“.

Das muss erstmal kein Nachteil sein, schließlich haben sich Wilson & Co. in der Vergangenheit oftmals als Meister der melancholischen Monotonie erwiesen, doch auf „Nil Recurring“ fällt das Ganze doch arg gleichförmig und letztlich auch ein wenig langweilig aus. Die schroffe Atmosphäre und die aggressiven Ausbrüche, die den Reiz von „Fear of a blank planet“ ausmachten, sucht man hier bis auf wenige Ausnahmen vergeblich. Eine davon ist „Normal“, welches sich als eine zwar lebendigere, aber nicht bessere, weil weniger nahegehende Variation von „Sentimental“ erweist. Diesen Song sollte man nicht unbedingt beim Autofahren hören, denn der völlig unvorhersehbare Ausbruch am Ende könnte einen unfreiwilligen Spurwechsel zur Folge haben. Ansonsten kann auch die wie immer glasklare und druckvolle Produktion nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier nur leicht überdurchschnittliche PT-Standardkost im Angebot ist. Lieber zum großen Bruder greifen!

Anspieltipp:

  • Normal

Dieser Artikel ging am um 08:49 Uhr online.
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